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Riesling 2011: Der Beste der Basis

gruenhausalt
Bei Schubert liegen Schätze im Keller...
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Morgen werden in Wiesbaden wieder die Großen Gewächse verkostet. Der Captain ist generell menschenscheu und lässt sich berichten. Heute jedoch trinkt er einen Basisriesling, der seinesgleichen sucht. Das Wunder: man kann ihn noch kaufen.
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Der Erste ist aus dem Urlaub zurück. Braungebrannt und ohne ein Souvenir mitzubringen. Wenigstens Zigarren hätte er mitnehmen können, denkt der Captain, dem der gestrige Kater immer noch ins Gesicht geschrieben steht, wie Moses die Schiefertafeln der Offenbarung. Nun muss der Captain kurz nachdenken, ob dieser Vergleich überhaupt zulässig ist. Egal: er ist nicht dazu berufen, religiöse Details zu verinnerlichen.

„Nicht einmal Zigarren“, blökt er den Ersten an, der seine Koffer abstellt, „wo die doch in Spanien immer noch billiger sind.“ Der Erste rollt die Augen. Kaum angekommen gehen diese Alte-Ehepaar-Szenen wieder los. Und das, obwohl der Captain sein unstetes Privatleben neuerdings gut im Griff hat. Endlich ist eine Frau an Bord, die mit Captains bizarrer Lebenswut umgehen kann. Auch mit seiner Melancholie, die oft in dämliche Larmoyanz umschlägt. Und mit seinen Wutanfällen. Dass diese Frau den Captain jetzt im Griff hat, macht das Leben des Ersten einfacher. Dachte er.

Doch der Alte hört gleich zu raunzen auf, denn er labt sich seit dem frühen Tag an einem Riesling. Der Erste traut seinen Augen nicht, ist es doch ungeschriebenes Gesetz an Bord, dass man in der Kombüse erst gegen Mittag mit dem Trinken anfängt. Und was muss der Erste sehen (und mit ihm auch Maat Golenia)? Der Captain trinkt bereits das dritte Glas einer Flasche. So viel verrät der Füllstand.

Sittenverfall und Discogesicht

Scheißegal, entgegnet der Alte, dessen Gesicht aussieht, als hätte es Techno getanzt. Einzig die noble Bräune (der Tag am See) und der weiße Bart bewahren das Wrack vor der Figur des lächerlichen Mannes. Der Erste greift in sein Jackett und holt sich eine Packung Ducados raus. Elend stinkende Zigaretten, die er aus Ibiza mitgenommen hat. Wenn schon, denkt er, denn schon. Wenn die Sitten verfallen, darf in der Kombüse auch geraucht werden.

Morgen in Wiesbaden bei der Große-Gewächs-Verkostung? Keiner antwortet. Der Captain muss wieder runter nach Wien, die Kamera in die Hand nehmen und Geld verdienen. Maat Golenia hat Kinderdienst. Und der Erste hält es mit Öffentlichkeit wie die Bundesbank mit den Euro-Bonds. Never ever.

Der Einsager macht den Einsacker

Doch Captains Einsager Markus Vahlefeld ist vor Ort. Und wird erzählen, wie das schmeckt, was er trinkt. Vahlefeld hat nicht nur Freunde. Das freut den Captain, denn da geht oft die Post ab. Der Captain hat es ja nicht so mit Friede, Freude und Eierkuchen.

Heute hat er es aber mit seiner Ruhe, denn sein Freitag und sein Samstag waren anstrengend. Der Captain saß an einem österreichischen See und hat jede Menge guter Weine getrunken. Bis die Kreditkarte des Schiffs wieder ein dickes Minus anzeigte. Heute dann die obligate Schwäche nach solchen Gelagen. Fünfzigplus, denkt der Erste. Keine Wunder, dass er schlapp macht.

Um wieder mit dem Alkohol zu beginnen, hat sich der Captain in der Frühe des Tages eine Flasche Basisriesling aufgemacht. Einen 2011er, von dem er jedes Jahr schon aus Gewohnheit 60 Flaschen in den Schiffsbauch stellen lässt. Ohne viel zu fragen. Nur 2010 hat er ausgelassen und ausschließlich die feinherben Weine des Weinguts gekauft.

Es ist der Basisriseling trocken von Maximin Grünhaus, einem alten Bekannten von der Mosel. Von Schubert kommt immer verlässliche Ware – auch großes. Aber selten erstaunliches oder besonderes. Das muss auch gar nicht sein, denn man braucht Winzer, welchen man blind vertrauen kann. Und auch solche, die die Brieftasche nicht sonderlich belasten. Genau das kann Schubert. Und auch seine Grünhäuser.

Und der einfache trockene 2011er ist einer der besten Gutsrieslinge, die der Captain aus diesem Jahr getrunken hat. In der Nase etwas Zitrone, viel junger Pfirsich, dann auch Brombeere, etwas Ingwer, ein Sack nasses Getreide, etwas Kerbel, auch Plastik. Im Mund dann das, was man einfach mit lecker beschreiben kann. Nicht mehr, nicht weniger. Saftig, geringe, aber ordentliche Säure, kippfreudig. Ein Zechwein auf höchstem Niveau, der auch am späten Gaumen noch hält, was er in der Nase verspricht. Genial.

Zechwein auf höchstem Niveau

Der Erste stellt ergänzend noch den feinherben Basisriesling von Grünhaus auf den Tisch, von dem er 12 Flaschen eingelagert hat. In der Nase wieder viel Pfirsich, nun aber auch etwas Birnenmus und ein junger grüner Apfel. Etwas Brioche, weniger Zitrone. Und auch mehr Mineralität. Die Süße mag ihre Eleganz noch im Zaum halten, doch ist auch dieser Feinherbe ein ungemein leckerer Wein mit viel Potential.

Das Absurde: diese Weine gibt es ausreichend zu kaufen. Am Weingut selber auch noch ältere Jahrgänge (wie der exzellente 2009er). Und die nächst höhere Stufe, die Lagenweine (Herrenberg und Abtsberg), kostet nur wenig mehr. Schuberts Maximin Grünhaus ist ein ideales Weingut mit günstigen und mitunter genial guten Weinen für jeden Tag. Der Captain trinkt seinen Kater weg und der Erste vergisst, die Koffer auszuräumen. Morgen ist auch noch ein Tag, an dem man sich die Sünden vergeben kann.

  • Maximin Grünhaus Riesling trocken 2011 für 9,59 Euro.
  • Maximin Grünhaus Riesling feinherb 2011 für 9,90 Euro.
 


 

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