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Politik: Wie man die Moselbrücke killt

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Der Protest gegen die Moselbrücke wird lauter und breiter. Trotzdem hat der Captain einige Einwände vorzubringen. Denn bislang ist der Widerstand nur ein Projekt der Eliten. Die Winzer müssen das Volk begeistern.

 

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Natürlich ist das alles ein riesiger Erfolg. Am Wochenende wurden in Berlin dutzende Mitglieder der Polit- und Medienelite von der Notwendigkeit informiert, breit und lautstark gegen den unsinnigen Bau der Moselbrücke vorzugehen. Die meisten verstanden, etliche sahen eine gute Story, die es ja seit gestern vielfältig zu lesen gibt.

Auf Spiegel online, tagesspiegel.de (sehr schön geschrieben), taz.de, welt.de, stern.de, in der Frankfurter Rundschau und sehr distanziert und gewohnt regierungshörig im Trierischen Volksfreund.

Der Wahlkampf in Rheinland-Pfalz, der alte Beißbär Beck (ein selten langweiliger Sozialdemokrat, ich will den alten Willy wieder haben), die opportunistische Winzerkönigin Klöckner von der CDU, die auch kein Fettnäpfchen auslässt. Und die Grünen und Linken, die sich als Einzige zu den protestierenden Moselwinzer gesellen. Das alles ist eine erotische Mischung, ideal für eine Reportage. Die Agenda ist also gut vermittelt worden.

Was weiter? Abwarten? Was folgt der Medienkampagne? Ein breiter Protest? Mitnichten. Den meisten Bundesbürgern, auch den meisten Einwohnern von Rheinland-Pfalz, geht der Protest am Arsch vorbei. Was ist zu tun?

1.) Die Reihen schließen

Die Winzerschaft tritt nicht geschlossen auf. Das Deutsche Weininstitut unterstützt den Protest nicht. Der VDP reagiert mit einer Forderung. Die Nicht-Reaktion des DWI hat auch den Grund, dass einige Winzer die Brücke durchaus begrüßen. Es muss jetzt aber trotz aller Animositäten (nicht alle Winzer sind sich grün) eine gemeinsame Sprache gefunden werden. Und ein Sprecher, der den Protest ausdrückt. Und das muss kein Winzer sein (dazu später).

Die Leitung der Verbände ist aufgerufen, eine Petition zu verfassen. Und die protestierenden Winzer sind aufgerufen, die Brückenbefürworter wenigstens zu einer neutralen Position zu überreden. Deutschlands Weinbau muss in dieser Angelegenheit mit einer Stimme sprechen, das klingt zwar irreal, ist aber unumgänglich.

2.) Die Landschaft ins Boot holen

Noch immer wird der Protest über zwei Punkte eingeholt, die den normalen Bundesbürger eigentlich nicht die Bohne interessieren. Weder die Schädigung der Reben, noch die Gefährdung seltener Tierarten macht die Leute wütend. Was sie aber wütend machen könnte, ist die UNFASSBARE VERSCHANDELUNG einer der schönsten Kulturlandschaften Europas. Der Widerstand gegen dieses eigentliche Delikt versöhnt Links und Grün mit dem Begriff „Heimat“. Deswegen steckt im Moselbrückenprotest auch ein nationaler Gedanke, ein positiv besetzter nationaler Gedanke. Sich für die Region einzusetzen, heisst auch, sich auch für den Fortbestand deutscher Schönheit (die es ja nicht so oft gibt) einzusetzen.

Das ist, was die Deutschen bewegt, ein positiver Nationalismus, eine romantische Affäre mit einem im Herzen wiederentdeckten Land. Sollen die Briten ruhig auf die Einzigartigkeit der Lagen hinweisen, beim Moselbrückenprotest muss es ums Ganze gehen: „Fass meine Landschaft nicht an“ (für den Slogan will der Captain ein paar Flaschen Auslese).

3.) Sucht ein Gesicht

Der Protest gegen die Moselbrücke muss ein Gesicht, muss mehrere Gesichter bekommen. Warum engagiert sich Jan Josef Liefers (der ja ein bekannter Weinfreund ist) nicht lautstark dagegen? Wo sind die Fernsehköche? Wo ist Lafer? Wo Lichter? Wissen die das, hat man es ihnen gesagt? Wo ist die kulinarische Allianz? Wo ist die intelligente Allianz? Joschka Fischer ist Vergangenheit. Es ist schön, ihn an Bord zu haben, doch er bringt keine Strecke.

4.) Pragmatisch bleiben

Die Brücke kann wohl nur mit den Grünen verhindert werden, wenn diese nach der Wahl den Minsterpräsident bestimmen. Nun werden die Grünen aber auch nicht um jeden Preis gegen die Brücke sein. Dafür sind sie inzwischen zu sehr kalkulierende Taktierer der Macht geworden. Das werden sie nur, wenn das Anliegen der Winzer eine regional-nationale Agenda wird. Und es ist ein Irrtum der Winzer zu glauben, dass die Grünen dafür sorgen werden, dass die Brücke ein Mittelpunkt des Wahlkampfs wird. Eher im Gegenteil. Also muss man trotz aller Bekundungen dafür sorgen, dass die Brücke den Wahlkampf beherrscht.

Zudem muss man den Unternehmen Projekte in der Region anbieten. Sowohl SPD wie auch CDU werden mit dem Argument der Arbeitsplätze kommen. Hier reiche Winzer und grüne Spinner. Dort der deutsche Familienvater, ein Bauarbeiter, der seine Kreditrate fürs Haus bezahlen muss. Diese Vereinfachung muss verhindert werden.

5.) Notfalls vor die Bagger

Jeder, der sich jetzt laut wichtig macht, sollte bedenken, dass es im Notfall auch zu Blockaden gegen die Bagger kommen muss. Diese „Drecksarbeit“ wird man nicht anderen überlassen können. Jeder, der sich dieser Konsequenz (Anzeigen und Strafverfolgung) nicht bewusst ist, sollte sich eher im Hintergrund halten. Stark wird ein Thema erst, wenn es starke Bilder liefert. Siehe Wackersdort, siehe Brokdorf: Beide Anlagen wurden letztendlich nicht so gebaut, wie vom Staat gedacht.

Bei alle der Euphorie, die jetzt herrscht, ist die Chance, die Brücke wirklich zu verhindern, noch recht gering. Der Bauherr hat alle Instanzen auf seiner Seite. Nachdem die Angelegenheit jetzt auch Öffentlichkeit bekommen hat, muss man dazu stehen. Dazu sind alle Salonrevoluzzer herzlich aufgerufen. Der Captain bittet an die Kanonen. Es geht diesmal nicht gegen Spatzen.

 


 

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