Kein anderer Mensch, außer einem Diktator, hat als einzelne Person einen Milliardenmarkt derart unter Kontrolle, wie der amerikanische Weinkritiker Robert Parker Jr. Er wurde in einem Nest im US-Bundesstaat Maryland geboren und war als Anwalt tätig, bevor er zum mächtigsten Weinkritiker der Erde wurde.
Wie dieser Aufstieg gelang, wie Parker der Weinwelt seinen amerikanischen Trinkzugang diktieren konnte, ist eine der spannendsten Geschichten der globalisierten Wirtschaft. Parkers Imperium ist ein amerikanisches Imperium. Und steht daher bei vielen Menschen schon deshalb automatisch in der Kritik.
Die Regentschaft des Weinpapstes Robert I.
Dabei hat Parker auch viel Gutes geleistet. Er hat die alten Kritiker, die grauen Männer ohne Weinverstand, von ihrem Sockel gestürzt. Er hat die Konsumenten aufgeklärt und er hat es geschafft, dass der Nimbus des Weins in ein anderes Licht gerückt wird. Ein Licht, dass er an- oder ausmacht. Nach Belieben.
Elin McCoy zeigt auf, dass Parker beispielsweise früher jene alkoholreichen und konzentrierten Rotweine aus Amerika kritisierte, bevor er sie zur Ikone erhob und die Weinwelt aufforderte, diesem Beispiel zu folgen.
Sie weist auf die Verbindungen zwischen Michel Rolland und Robert Parker hin, dass Rolland jene Weine macht, die Parker ein Jahr später hervorragend beurteilt.
Und McCoy erzählt auch viel von der Psyche Parkers, seinem Aufstiegskomplex und seiner Überheblichkeit.
Aber McCoy weist auch auf die demütige Unterwerfungshaltung der Winzer hin, die Parker manchmal geradezu in den Arsch kriechen. Und sie zeigt auf die Faulheit der Händler, die endlich jemanden haben, auf den sie sich berufen können, anstatt selber Weine zu suchen.
Weinkritik und Kritik am Kritiker kommt nur aus Amerika
Unsereins muss sich fragen, wie es zu dieser unwidersprochenen Herrschaft kommen konnte. Parkers Team ist viel zu klein, alle Weine richtig zu bewerten.
Und immer mehr macht sich die Politik Parkers bemerkbar, die manchmal gefährlich nahe an den Verdacht der Bestechlichkeit gerät (wie eben zuletzt bei den übertriebenen spanischen Wertungen).
Unsereins muss sich auch fragen, warum nur amerikanische Autoren und Filmemacher Parker auf die Pelle rücken? Sind wir zu feige? Sieht so aus.
The Emperor of Wine von Elin McCoy, € 12,95, derzeit nur in der englischen Fassung.










