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New Rheingau: Bieber and the Biest

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Fünf Weine hat er. Und die zeigt er auch.
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Captains Maat Golenia ist unterwegs im Rheingau, auf der Suche nach Newcomern: Kleine, wendige Winzer, die ohne kulturhistorischen Ballast auskommen. Stefan Bieber ist so einer: Jungfräuliches Weingut und doch ein alter Hase im Geschäft.
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Spontan weckt der Name Bieber ganz unlogische Assoziationen: Als Kind der 80er muss ich unweigerlich an den albernen Dentagard-Biber denken, der mir in der Werbung ermahnend etwas vom „Extrakt mit den grünen Streifen“ vorlispelte. Nur warum ausgerechnet jetzt?!

Stefan Biebers kleines, junges Mini-Weingut mit gerade mal einem Hektar, benennt sich selbst „Biebers Weinkultur“. Bieber ist beileibe kein rumpeliger Anfänger, denn er gehört seit 2002 zum Kellermeister-Team von Weingut Robert Weil in Kiedrich.

Auch Weil ist nicht irgendein rumpeliges Weingut aus der Pampa. Unbestritten ist es eines der Top-Weingüter Deutschlands, sei es vom Renommee, sei es von den edelsüßen Säften, die regelmäßig in diversen Guides haushoch absahnen. Robert Weil hat sich dadurch einen starken Namen in den letzten 20 Jahren aufgebaut, auch abseits der Weinfreaks. Er ist so eine Art Markus Schneider für konservative Etikettentrinker.

Empfang bei Stefan Bieber Zuhause. Der mit kräftiger Synchronstimme sprechende Enddreißiger bezeichnet seine Feierabendweine schlichtweg als Hobby. Gerade mal 8500 Flaschen brachte er im Jahr 2011 hervor, im Vergleich zu den klassischen Haupterwerbswinzern ist das freilich ein Fliegenschiss, aber ein richtig Guter, wie mich Probeflaschen vorab überzeugen konnten.

Der Gerbstofftouch

Um es vorwegzunehmen: Seine Basisweine haben einen gewissen Gerbstofftouch. Ein echtes Trademark. Bieber erreicht dies, indem er bei den Rieslingen Teile in reinen Trub vergären lässt, was kellertechnisch einer Maischevergärung ähnlich kommt. Bei seinen Weißen werden dadurch mehr Gerbstoffe als gewöhnlich extrahiert. Sie erhalten dadurch einen interessanten Schliff mit Grip: Trinkigkeit kombiniert mit Biss.

Stefan Biebers „Riesling 1“ zeigt, wie es gemeint ist. Der ist trocken ausgebaut, zeigt klassisches Steinobst, dazu grünlichen Tabak, der ihm eine eigene Würznote gibt. Ebenso schmecke ich Rauch. Und seine kühle Stilistik lässt mich an weißen Marmor erinnern, der abgeleckt wird. Dazu duften frisch geschnittene weiße Champignons. Wer sagt, dass Basisweine immer eine verdammt gute Visitenkarte eines Weinmachers sein sollten, liegt hier richtig. Bieber macht mich jetzt heiß.

Stefan Bieber hatte sich 2007 sein eigenes Häuschen in Geisenheim gekauft und sogar die Glasballons vom Vorbesitzer waren noch drin. Sein Umfeld schlug ihm irgendwann vor, doch seine eigenen Weine zu produzieren. Was er auch umsetzte. Bieber bezeichnet sich selbst als kleinsten Weinkeller des Rheingaus. 2007 begann Bieber mit einer kleinen Menge von 200 Flaschen, die er mehr für Freunde und Verwandte produzierte. Im Jahr 2008 waren es schon 800 Flaschen.

Bieber erhält seine Trauben im Zukauf. Es sind nicht irgendwelche – er bezieht sie aus nur zwei Lagen: Mittelheimer St. Nikolaus und der Kiedricher Sandgrub. Anders als mit Zukauf sei die Arbeit nicht zu meistern, mit einem Volltime-Job bei Robert Weil. Doch seine Vorgaben an die Fremdbewirtschaftung der beiden Lagen sind streng. Wenn die Zeit es zulässt, geht Stefan Bieber auch selbst nach Feierabend durch die Lagen und legt hier und da Hand an.

Bieber lässt sich ideologisch nicht festnageln

Stefan Bieber ist ideologisch kaum greifbar, denn darin ist er in verschiedenen Welt Zuhause: in der Unkonventionellen wie der Konservativen. „Wenn der Jahrgang es erfordert, werde ich die Weine konservativ vinifizieren. Und umgekehrt. Spontanvergärung nur, wenn es passt. Für mich ist es das Endergebnis, das zählt.“

Biebers Weinkultur hat der Maat umgehend in sein Herz geschlossen. Er mag diesen unverkennbaren Stil seines ganzen Sortiments, zu dem übrigens auch ein formidabler Spätburgunder gehört. Stefan Bieber versteht es, seinen Weinen eine eigene Handschrift zu geben. Ihn sollte man im Auge behalten.

 


 

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