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Nebbiolo: La dolce Brummer

Lombard_S1 Nino Negri auch auf Korken. (Foto: N.Negri)
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Captains Maat Robin Dutta aus Bochum meldet sich als erster zurück. Und fällt gleich mit der Tür ins Schiff, nämlich mit einer Wuchtbrumme von Nebbiolo. Erst die Sinne fordern, dann ordentlich benebeln, das ist Duttas Credo.
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Erst die Dröhnung - dann der Anspruch. Die allgemeine Lage verlangt nach einem ihr gemäßen Wein, der die Sinne zuerst richtig fordert und danach kultiviert runterdimmt. Exzess mit intellektuellem Abgang. Erst Bunga Bunga, später Fellini. Und das in einem Glas!

Nino Negri Sfursat mit 15,5 % vol.. Da wird es heiß in Hütte. Also dröhnen wird er schon, doch ist da noch mehr?

Amaronestyle und Alpenglühen

Wo sind wir? In Italien, mal wieder. In der Lombardei, dem nördlichsten, mengenmäßig relevanten Anbaugebiet der Rebsorte Nebbiolo. Eine edle, aber sensible Rebsorte. Sie reagiert ähnlich empfindlich wie Pinot Noir auf Lagenunterschiede und entsprechende Mikroklimata. Die lokale Bezeichnung für diesen Al Pacino unter den Rebsorten lautet Chiavennasca. So hat es Jamie Olivers Sommelierkollege Matt Skinner einmal auf den Punkt gebracht und ich bin völlig bei ihm.

Seit dem frühen 19. Jahrhundert gibt es gesicherte Belege für die Kultivierung von Nebbiolo in dieser Region. Trotz der prekären Lage auf dem 46. Breitengrad ist die Reife hier zumeist gesichert. Der Fluss Adda hat ein Tal geformt auf seinem Weg von Osten nach Westen, bevor er sich in der Comer See ergießt.

Die felsigen Böden speichern die Tageshitze und geben sie nachts ab, der Sonneneinfall ist ideal. So kann der Standortnachteil gegenüber den wärmeren Barolo- oder Barbaresco-Lagen zumindest etwas abgeschwächt werden. Dennoch sind kratzigere Gerbstoffe und schwindsüchtige Körper im Vergleich mit den Nachbarn aus Südwesten leider keine Seltenheit.

Das Weingut Nino Negri überzeugt auch mit seinen einfacheren Abfüllungen wie Sassella oder Grumello regelmässig, die man nebenher auf vernünftigem Niveau wegschlabbern kann. Von dem hier vorgestellten Vino ganz zu schweigen. Ein richtiger Brocken, ein Meditationswein. Dieser wird traditionell aus getrockneten Trauben vinifiziert, quasi ein (sub-)alpiner Amarone. Er hat 15 beschwichtigende Monate Barriqueaufenthalt hinter sich und übersteht das aktuelle Jahrzehnt locker auf der Flasche.

Echt lecker: Daiquiri mit Trüffel

Er besticht durch Wucht und Eleganz. Brombeere, Cranberry und Walnuss finden sich in der ersten Nase wieder; im großen Glas geben sich dann Ricolabonbon, Lakritze und dunkles Brot die Ehre. Im Mund geht es dann mit Roter Beete und Trüffel erdiger zur Sache. Schwenkt und schwenkt man den Wein im Glas weiter, werden die Fruchtnoten am Gaumen süßer, etwas Erdbeerdaiquiri zeigt sich.

Dann wird es ledrig und herber, wie erlösend. Noch ist der Wein in der Taille eng geschnallt, die Kraft kommt oben und unten raus, in der Mitte des Trinkverlaufs passiert wenig. Es hilft alles nichts: besser stehen lassen und später wieder ran.

Pulle auf, Kamin an und den ollen Thomas Mann raus!

Und siehe da, die Gerbstoffbremsen sind nachlässiger geworden, eine angenehme Säurefrische zieht sich durch das Trinkvergnügen. Auch ist eine kleine Vetiverwoge meiner Nase nicht entgangen. Eine animalische Sinnlichkeit entspringt den üppigen Ausmaßen dieses Weins und besetzt mittlerweile auch unverrückbar das Zentrum des Trinkverlaufs. Geht wunderbar zu Wild oder Rind. Aber auch Kamin, Thomas Manns "Zauberberg" und der Sfursat sind ein gelungener Dreiklang. Ein Ohrensessel kann in keinem Fall schaden.
 


 

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