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Morgenröte im Genossenreich

Sonnenaufgang über der Skyline von Stuttgart.
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Nein, es geht hier nicht um Wein aus der untergegangenen DDR sondern um einen guten Partytropfen aus Württemberg.
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Erst neulich legte ich euch einen richtig guten Genossenschaftswein aus Portugal ans Herz.

Heute geht es hier um Rotwein aus Deutschland, der ebenfalls in einer Winzerkooperative hergestellt wurde. Und den ich als günstigen und leckeren Partywein ausdrücklich empfehlen möchte.

Ja, Rotwein aus Deutschland kann toll schmecken. In jeder Preisklasse. Ich werde nie aufhören, darauf hinzuweisen.

Um unseren Riesling beneidet uns die ganze Wein trinkende Welt. Völlig zu Recht, es gibt nur wenige Weinmacher, die es bei dieser Rebsorte mit den deutschen Topwinzern aufnehmen können.

Die deutschen Rotweine jedoch standen lange (und stehen zum Teil immer noch) im Schatten dieses Erfolgs. Obwohl sich im roten Bereich enorm viel getan.

Vor 30 Jahren waren etwa nur zehn Prozent der deutschen Weine rot. Und aus heutiger Sicht oft nur schwer genießbar. Die Erträge waren hoch, entsprechend wenig Aromastoffe fanden ihren Weg in die Trauben. Tannine waren nicht erwünscht, der Most blieb nur kurz in Kontakt mit den Schalen. Also waren waren die Weine allesamt recht hell.

Außerdem wurden die Trauben oft so spät gelesen, dass man aus ihnen fast schon Süßwein machen konnte. Die malolaktische Gärung (auch als biologischer Säureabbau bekannt) unterbanden die meisten Winzer. Bei diesem Prozess wandeln Bakterien die harte Apfelsäure des Weins in die etwas weichere Milchsäure um. Weine, die diesen Säureabbau durchlaufen haben, wirken am Gaumen sanft und cremig. Sie haben eher samtige Aromen als knackig-frische. Beim Rotwein ist das heute Standard, beim Weißwein wird’s mal so und mal so gemacht.

Wie war er also, der deutsche Rotwein? Blass mit viel Säure, süßlich und fast ohne Tannine.

Dann aber begannen manche Winzer mit dem Umdenken. Sie verringerten die Erträge (= schnitten wärend des Sommers Weintrauben ab, damit sich mehr Sonnenkraft in den übriggebliebenen Beeren konzentriert), ließen den Most länger in Kontakt mit den Schalen, erlaubten den biologischen Säureabbau und steckten manche Weine sogar in Eichenfässern, damit sie dort reifen.

Nebenbei wurde es durch den Klimawandel in den Weinbergen immer wärmer. Das gefällt vielen roten Sorten sehr gut. Inzwischen ist ein Drittel aller Weinberge Deutschlands mit Rotwein bepflanzt. Beim Spätburgunder (Pinot Noir) sind wir sogar der drittgrößte Produzent weltweit hinter Frankreich und den USA.

Das Weinbaugebiet Württemberg hat das Bild des deutschen Rotweins lange geprägt. Mehr als 70 Prozent der Weinberge dort sind mit roten Rebsorten bepflanzt, allen voran der Trollinger. Einige schüttelt es beim Gedanken an diese Weine. Teilweise zurecht. Gute Trollinger findet man nach wie vor nicht an jeder Ecke.

Lasst mich zum Eingangsthema zurückkehren – zu den Genossenschaften.

Mehr als 75 Prozent aller Trauben in Württemberg werden von Genossenschaften verarbeitet. Und die sind nicht unbedingt berühmt dafür, Spitzenweine zu keltern.

Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Und genau deshalb rate ich dazu, immer wieder Genossenschaftsweine zu probieren. Weil man dabei positive Überraschungen erlebt. Gerade bei Weinen aus Württemberg passiert es mir immer öfter, dass ich einfache und gute Tropfen zu sagenhaft günstigen Preisen entdecke.

So einer ist die rote Cuvée mit dem bezeichnenden Namen Cuprum – Trollinger mit Lemberger. Sie kostet keine fünf Euro und ist der perfekte Wein für einen Abend mit vielen Gästen, an dem man sich nicht ruinieren möchte.

Ich spüre in der Nase frische Kirsche, etwas Himbeere und Erdbeere. Dazu kommt eine schöne Würze wie von zerhackten Küchenkräutern.

Am Gaumen gefällt mir sofort diese wunderbare Saftigkeit. Ich fühle mich, als würde ich in einen frischen Kirschkuchen beißen, so kräftig-fruchtig ist dieser Wein. Himbeere und Erdbeere finde ich auch wieder, der Lemberger bringt dann noch etwas Würze und Struktur in das Ganze.

Ein einfacher Trinkwein wie er im Buche steht. Was dazu essen? Ganz einfach: Maultaschen oder Würstchen mit Kartoffelsalat.

 


Datum: 9.12.2016
 

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