Das Land scheint keine anderen Sorgen zu haben. Während anderswo in Europa Fabriken schließen und Menschen in die Massenarbeitslosigkeit wandern, zerbrechen sich Österreichs Gastronomen mitsamt Spitzenpolitikern den Kopf, wie sie die marode und schlecht verkäufliche Österreich-Auflage des weltweit wichtigsten Gourmet-Führers Guide-Michelin im Land halten können.
Der Direktor des Guide-Michelin Jean-Luc Naret hatte vor wenigen Tagen den völligen Rückzug seines Verlages aus Österreich bekanntgegeben. Die Alpenland-Ausgabe war gerade das vierte Mal erscheinen, die Verkäufe hielten sich, sagen wir es mal freundlich, in Grenzen.
Doch jetzt kündigt Naret in der auch in Deutschland erhältlichen Fachzeitschrift Rolling-Pin den Rückzug vom Rückzug an. Eventuell.
Naret ist von dem Engagement der österreichischen Gastronomen derart beeindruckt, dass er sich überreden lassen will, den bislang schwer verkäuflichen Führer wieder aufzulegen. Und wer solls zahlen? Richtig: Der Steuerzahler. Eventuell.
Die Pressestelle von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner will nichts bestätigen, aber laut Naret hat der Spitzenpolitiker angerufen und Mut gemacht eventuell ein paar hundert Bücher anzukaufen. Naret jedenfalls ist für einen neuen Guide im Jahre 2010 (gültig für das Jahr 2011) zuversichtlich.
Der Michelin ist zwar kein explizierter Wein-Führer, seine Hinweise auf bemerkenswerte Weinkarten sind für den Captain jedoch immer ein Grund mehr, das derart ausgezeichnete Restaurant aufzusuchen. Österreich hat zwar ein paar Restaurants mit bemerkenswerten Weinkarten, aber kein Restaurant mit drei Sternen. Vielleicht war das der Grund für den Misserfolg des Guide-Michelin...?
Doch warum Gründe suchen, wenn inmitten der Wirtschaftskrise ein Spitzenpolitiker eines fremden Landes einem französischen Verlag helfen will, der einem multinational agierenden Reifenkonzern gehört. Hört sich das logisch an? Der Captain sagt: nein.
Denn wehe, wenn das die österreichischen Rechtspopulisten in die Gehörgänge kriegen. Dann gibt´s bei den nächsten Wahlen wieder eins auf die Mütze. Spitzenpolitiker und Sterneköche hofieren Fresstester. Na gute Nacht, Leute.













Da liegt der Captain falsch. Der Michelin ist international für das Image des Tourismuslandes wichtig und die paar Euro für eine Medienkooperation sind sicher besser angelegt, als manch andere Millionensubvention. Übrigens: Die Top-Sterneläden in den großen Städten (Wien, Salzburg..) sind ohnehin weiterhin im Michelin "Main Cities of Europe" vertreten. Aber die gute Gastronomie auf dem flachen Land könnte von einem gut verkauften Michelin sehr profitieren.