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Martin Schropp: Edel sei Trollinger.

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Kann man so lassen, kann man aber auch guten wein draus machen. Foto: Edeka
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Jungmaat Markus Budai hat voll Entdeckerstolz Trollinger mitgebracht. Ja, Trollinger. Und er bricht die Lanze für die verfemte Rebsorte.
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Jungmaat Budai hat sich im Entdeckerrausch Trollinger besorgt. Aus Gerechtigkeitsempfinden.

Dem ungestümen Weinstudenten fließt halt noch Idealistenblut durchs Herz. Trollinger, das muss nicht immer schlimmer Zechwein sein, meint Budai. Es geht auch anders. Hier der Beweis.

Auf der Flasche steht in dezenter Typografie „Schiava“. Hä? Budai macht das, was jeder seiner Generation zuerst tut, wenn er nicht weiter weiß. Er hackt die Buchstabenfolge in eine Suchmaschine – und errötet. Hier sein Erlebnisbericht:

Vor mir baut sich eine Bilderflut aus vollbusigen und unterwürfigen Italienerinnen auf. Mal in Lack und Leder, mal gefesselt und kniend. Was ist passiert?

Ein Blick ins Online-Lexikon hilft da gleich weiter und hebt das Missverständnis auf. Denn Schiava steht nicht nur für die italienische Rebsorte Vernatsch, dem Trollinger Südtirols, sondern heißt schlicht und einfach auch „Sklavin“ und ist manchen als „Kalterersee“ ein Begriff. Wer´s ganz genau wissen will: Trollinger (kommt von „Tirolinger“) ist eine Vernatsch-Variante.

Ok, das erklärt die Bilder. Beruhigt lese ich auch, dass die Bezeichnung Schiava wohl nicht mit der gewalttätigen Unterwerfung der Rebsorte zu tun hat, sondern auf den slawischen Ursprung der Rebsorte zurückzuführen ist. Nach dem wilden Kopfkino ist mir nach einem Gläschen Wein.

Auf mit der Flasche vom Weingut Schropp aus Erlenbach-Binswangen und mal sehen, was da im sonst so prüden Schwabenländle abgefüllt wurde.

Anspruchsvoller Trollinger – geht das?

Im Glas keine heuchlerisch-tiefe Tinte sondern ein klares Rubinrot, das zum Rand hin ausbleicht. Gut so! Denn dies heißt, dass hier kein untypischer, überextrahierter Muskelprotz mit viel Alkohol zu erwarten ist. Ein waschechter Trollinger besitzt schlichtweg ein durchsichtiges, eher helleres Rot. Die Rebsorte zeichnet sich durch ihre fruchtige Leichtigkeit aus. Da das Parker-Ideal, nämlich konsequent dunkle und dichte Rotweine, auch beim Konsumenten als Qualitätsmerkmal angekommen ist, greift der eine oder andere Winzer bei leichtfarbigen Weinen gerne mal zum erlaubten Verschnitt mit färbenden Rebsorten wie beispielsweise Dornfelder.

In der Nase zuallererst eine leichte, unaufdringlich-animalische Note, also etwas Kuhstall. Und ein Zweig Bohnenkraut. Dann klare Kirschfrucht, die bleibt. Am Gaumen ein quasi tanninbefreiter, sehr saftiger Rotwein. Wieder viel Kirsche, etwas Pflaume und ein klein wenig Kakao mit Holunderlikör im Abgang.

Trollinger steht hier nicht auf dem Etikett, weil man das prollige Zechwein-Image vermeiden wollte. Damit gehören die Schropps nicht zu denjenigen Winzern, die das Image des Trollingers klar bekennend verbessern wollen. Andererseits geht so wohl mancher Weintrinker unvoreingenommener an diesen Wein heran.

Gut so. Denn wer das Glück hat, einen richtig guten Trollinger im Gals zu haben, darf folgendes erwarten: Trinkfluss, Fruchtigkeit, Präsenz direkt aus der Flasche und stets ein kleiner Tick Aromatik über die bloße Frucht hinaus. Deswegen wird jetzt noch eine andere Flasche Edel-Trollinger aufgemacht.

Übrigens sprach ich neulich mit einem französischen Sommelier aus einem Spitzenrestaurant, der zu Gast im Ländle war. Zu Hause in Paris weiß man über den Zechwein aus Württemberg natürlich nichts. Beim Probieren ging der Franzose deshalb unbefangen ran und kann sich zu diesem leicht gekühlten, tanninarmen Wein sogar einen würzigeren Fischgang vorstellen. Ich hab´s ausprobiert und es war wunderbar.

 


Datum: 14.2.2014 (Update 4.2.2015)
 

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