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Keine Perlen vor die Säue

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Plopp heißt nicht Stopp!
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Für die Besten nur Champagner - so hieß ein Lied des NDW-Barden Markus (Gib Gas, ich will Spaß). Champagner, so meint der Captain, kann manchmal aber auch nur ein tauglicher Alltagswein sein. Hier drei Tipps, die man sich leisten kann.
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Champagner: Lange ein Elitegetränk. Das hat sich geändert, denn inzwischen gibt es gute Alltagschampagner für relativ wenig Geld. Und das Wichtigste: Man muss für normalen Champagner nicht mehr auf die großen Häuser zurückgreifen, die zuletzt sehr oft Schrott in die Flaschen füllten. Und weil heute niemand an Bord ist, mit dem der Captain ein Glas trinken könnte (alle ausgeflogen), kommt er gleich zur Sache. Drei Champagner für alle Tage. Zuerst der besondere Normalo: Pierre Paillard Brut Grand Cru.

Die Paillards: Das ist eine irre alte Familie in der Champagne. Tradition haben ja viele hier aber Benoit und Antoine Paillard keltern bereits in der siebenten Generation Champagner. Die Marke gibt es aber erst seit 1945. Die Paillards ernten ihre Trauben in Bouzy, einem Ort im Osten der Champagne, wo es immer ein bisschen wärmer ist. Soll heißen: Hier gedeiht der Pinot-Noir sehr gut, der bei diesem Champagner 70 % des Grundweins ausmacht. Die restlichen 30 % füllt Paillard mit Chardonnay auf.

Bei Paillard ist man der erfreulichen Meinung, dass man sich im Keller – also bei der Kellerarbeit – gut auskennen muss, dass man wissen muss, wie lange man die Flaschen lagert und wie man cuvéetiert. Wichtiger aber, sagen die Paillards, ist die Arbeit im Weingarten, die genaue Pflege der Reben, das richtige Schneiden, die Analyse des Bodens. Und da unterscheiden sich die Paillards tatsächlich von vielen Winzern der Region. Und auch von vielen Champagnerhäusern, die ja meistens keinen eigenen Grund und Boden besitzen – auch das eine Besonderheit der Region. Die meisten Betriebe finalisieren ihre Schaumweine im Keller, denn bei Champagner kann man unter der Erde an vielen Schrauben drehen.

Der simple Paillard Brut Grand Cru (darf so nobel heißen, denn ganz Bouzy ist eine Grand-Cru-Lage) hat das, was alle Paillard-Champagner auszeichnet: er ist ein Einschmeichler, extrem gefällig, ohne dass seine populistische Gesinnung konstruiert wirkt. Viel Kräuter, eine wunderbare Spritzigkeit, deutlich Zitrone, schönes Biskuit und über allem noch ein paar orientalische Gewürze. Danach auch Steinobst und etwas Asche. Perfekt ausbalanciert. Das Idealbeispiel eines originellen aber massentauglichen Champagners aus Trauben von einem der besten Böden der Region. Und das auch noch für wenig Geld.

Dann der weiße Weiße: Veuve Forny Blanc de Blancs Brut nature 1er Cru

Ein anderes Familienhaus, eine ähnliche Tradition, eine fast identische Strategie: Individuelle aber massentaugliche Champagner keltern, die selbst der größte Dolm noch als wertvoll begreift. Gelungen.

Die Familie Fourny fertig in Vertus, einem Dorf, wenige Minuten südlich von Reims, der Hauptstadt der Champagne. Die Fournys kaufen biologisch angebaute Trauben zu, und erklären ihren Lieferanten, wie diese mit Stöcken und Lesematerial umzugehen haben. Es hat sehr lange und sehr familiäre Beziehungen hier. Jeder weiß, was seine Aufgabe ist. Im Keller wird meistens spontan vergoren, die Weine reifen lang auf der Hefe. Das alles spricht für einen sehr behutsamen Umgang mit Rohstoffe und Weinen, wie man es von vielen ökologisch arbeitenden Weingütern kennt.

Der Blanc de Blancs wird  – wie der Name sagt – ausschließlich aus Chardonnay gekeltert. Ein knochentrockener Champagner ohne Dosage, präzise an der Kante, scharf wie ein japanisches Keramikmesser. Viel Zitrus, dahinter eine nasse Kalkwand, auch etwas Birne. Über allem aber die spritzige und belebende Säure. Ein großartiger Muntermacher, großer Wein für wenig Geld

Und am Schluss die Creme de la Creme: Champagner Jacquart Brut de Nominnée

Damit hier nicht nur Familienbetriebe erwähnt werden, nun final ein Champagner, der aus allen Gebieten der Champagne kommt. Das ist nur möglich, weil die Marke mehreren Genossenschaften gehört.

Jacquart – der Name klingt geil und ist überall leicht auszusprechen, obwohl er kompliziert klingt – hat seit geraumer Zeit auch eine neue, junge und gutaussehende Chefönologin angestellt: Floriane Eznack, die man von Veuve Cliquot rüberholen konnte. Bei Jacquart kann Enzack endlich das verwirklichen, was in der riesigen Champagnerindustrie unmöglich war: genaues Arbeiten auf Feld und Keller. Und der Marke eine genaue Richtung geben.

Wo es bei Jacquart hingeht, zeigt schon dieser noch vor Enzack vinifizierte Brut de Nominée sehr gut, eine Cuvée aus 50 % Pinot Noir und 50 % Chardonnay. Doch die scheinbare Ausgewogenheit ist keineswegs Pflicht, der Nominée hat Ecken und Kanten. Einerseits ist er sehr fruchtig, viel Steinobst, wenig Gewürz, andererseits bringt der Nominée von allen genannten Champagner eine an die Grenzen gehende Cremigkeit ins Glas. Er tut was für sein Geld. Das kann man vielen Champagnern immer noch nicht behaupten.

  • Pierre Paillard Brut Grand Cru für 32,50 Euro.
  • Veuve Forny Blanc de Blancs Brut nature 1er Cru für 32,00 Euro.
  • Champagner Jacquart Brut de Nominnée für 41,00 Euro.
 


 

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