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Kein Wein für halbe Portionen!

Peterson_ART
Nein Kleiner, das ist (noch) nichts für dich. Foto via Instagram
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Molliger Winterwein, der (leicht angekühlt) auch im Sommer schmeckt - das ist ein berühmter Zinfandel aus Kalifornien. Von einem Winzer, der bereits im Alter von 10 Jahren das Weinding in sich spürte.
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In der Weinwelt wimmelt es von Quereinsteigern. Menschen, die ihren Job an den Nagel hängen, um Wein zu machen. Einige gelangen auf diese Weise zu Weltruhm.

So wie Joel Paterson, den man heute „Godfather of Zin“ (=Pate des Zinfandel) nennt.

Man schrieb das Jahr 1979, als der weinfanatische Labormediziner und Hobby-Winzer Peterson mit seinem ersten Jahrgang 1976 bei einem hochkarätig besetzten Wein-Wettbewerb in San Francisco die ersten beiden Plätze belegt. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Zehn Jahre war der kleine Joel alt, als sein ebenso weinverrückter Vater ihn an den Weinabenden teilhaben ließ, die er zwei Mal in der Woche mit Freunden veranstaltete. „Shut up and spit“ (=sei ruhig und spuck), soll damals seine Anweisung gewesen sein.

Dass der Sprössling sich daran hielt, prüfte der gestrenge Papa anhand der Weinmenge im Spucknapf des Jungen. Betrunken wird der Kleine also kaum gewesen sein. Mit dem Weinvirus hat er sich trotzdem infiziert.

Aber erst einmal begann Peterson eine Karriere als Mikrobiologe. Nebenbei gründete er 1976 gemeinsam mit einem Partner das Weingut Ravenswood. Von nun an stand er an den Wochenenden und nachts im Labor, um Geld zu verdienen. Und tagsüber zwischen den Reben und im Weinkeller, um sich seinen Traum zu erfüllen.

Trotz des anfänglichen Erfolgs dauerte es bis 1992, als das Weingut endlich florierte. Heute gehört der Betrieb einem Konzern und Peterson wandelt auf neuen Weinmacher-Wegen.

Der Virus, ihr versteht schon.

Noch etwas Wissenswertes vor dem ersten Schluck: Das Besondere an der Rebsorte Zinfandel (identisch mit dem süditalienischen Primitivo) ist der seltene Umstand, dass die Beeren innerhalb einer Traube ungleichmäßig reifen. So erntet man Beeren, die bereits zu vertrocknen beginnen, gemeinsam mit solchen, die gerade erst reif werden. Dadurch bekommt man Weine, die sowohl sehr konzentriert und alkoholstark sind, dabei aber eine gewisse Säure und Fruchtigkeit behalten.

Übrigens: Petersons Credo heißt: No wimpy wines! Das heißt: Keine schwächlichen Weine!

Also her mit der Buddel und mal kosten, was der Tropfen kann.

Im Glas präsentiert er sich mit einem mittelkräftigen Rubinrot. Hält man das Gefäß schräg, wirkt der Wein an den Rändern leicht wässrig und durchscheinend. Das liegt daran, dass er bereits ein paar Jahre auf dem Buckel hat.

Was dem Glas dann da an Düften entsteigt, ist schon erstaunlich komplex für einen Wein dieser Preisklasse: Reife, dunkle und rote Früchte dominieren, Feige sticht etwas hervor. Noten von Thymian, süßliche Blumen und ein wenig Pflaume runden das Dufterlebnis ab. Das macht Lust auf den ersten Schluck.

Und der hält, was die Nase verspricht: Süße, ja gezuckerte Pflaumen und Piemontkirsche (gibt es eigentlich gar nicht – ist eine Erfindung der Mon Chéri-Pralinenwerber) auf der Fruchtseite. Aus der Gewürzschublade ein wenig Vanille sowie Schokoladeneis und Kokos.

Das ist Exotik, das ist warme Wucht. Dieser Wein schmeckt ungemein kräftig, obwohl er nur brave 13,5 Volumenprozent Alkohol enthält.

Mein Fazit: Dieser Wein ist eine mollige Packung aber kein cremiges Monster, wie manche Zinfandel der teuren Spitzenklasse.

Gut so, denn dieser Stil ist ohnehin out. Wer einen Eindruck vom Potenzial dieser Rebsorte bekommen will, ist mit diesem Tropfen bestens bedient. So einen guten Alltagswein hatte ich schon lange nicht mehr im Glas.

Und was kann man dazu essen? Zum Beispiel dunkles Fleisch vom Grill oder ein Gulasch.

 


Datum: 14.2.2017
 

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