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Warum ich für Til Schweiger Wein mache

Warum ich für Til Schweiger Wein mache_ART
Fesch und fleißig: Jochen Dreissigacker
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Der Captain fragte den Klassewinzer Jochen Dreissigacker aus Rheinhessen, warum er mit dem Rabauken Til Schweiger Geschäfte macht. Dabei ging ihm ein Licht auf.
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Vor wenigen Tagen surfte ich frühmorgens auf meinem Galaxy-Smartphone durch die unendlichen Weiten des Internetz und stolperte plötzlich über diese Meldung: Til Schweiger macht in Wein.

Was ist daran neu, fragte ich mich. Darüber habe ich doch schon vor Jahren geschrieben.

Es gab nämlich schon mal einen Anlauf ins Weinfach. Mit ganz ordentlichen Tropfen aus Mallorca. Lief aber nicht so doll, wie man hörte. Die Weine sind wieder verschwunden.

Mir hat Tils roter „Emma“ aus dem Keller des bekannten Weinguts Son Prim jedenfalls gut geschmeckt, wie man hier nachlesen kann:

Château Til Schweiger – sein eigener Wein

Til Schweigers aktuelles Weinprojekt ist ein Neubeginn mit dem mächtigen Handelspartner Hawesko, einem Winzer in der Toskana und Rheinhessens Weinprinz Jochen Dreissigacker.

Der ehrgeizige Weinmacher cuvéetierte gemeinsam mit dem Schauspieler einen Grauburgunder namens „Luna“ für 11,90 Euro und den Chardonnay „Luna Marie“ für stolze 25 Euro aus verschiedenen Weinbergslagen.

Einer Reporterin der Bildzeitung gab Til Schweiger ein Interview, das mir fast das Handy aus der Hand rutschten ließ:

„Mich nervt, dass unheimlich viel dummes Zeug geredet wird, wenn es um Wein geht. Noten von Pfirsich und Ananas? Glaubt doch kein Mensch. Und dann die ganze Show, die ums Weintrinken gemacht wird. Ich kann es nicht leiden, wenn Wein im Restaurant dekantiert wird.“

Mit so einem Banausen macht der Dreissigacker also Wein. Hat der smarte Jochen zuviel von seinem eigenen Zeug gesüffelt?

Generell sind prominente Testimonials als Partner einer Konsummarke nicht ganz risikofrei, denn sie lassen sich bisweilen in unpassenden Situationen erwischen. Mit Prostituierten, beim Ehebruch, alkoholisiert hinterm Steuer, oder gleich mit ganz anderen Substanzen in der Blutbahn. Wusste Jochen Dreissigacker, was er da tat?

Das wollte ich genauer wissen und rief in Bechtheim an.

Jochen Dreissigacker, hat Til Schweiger ihnen schon eine Nebenrolle in seinem nächsten Film angeboten? Bis jetzt noch nicht. Aber ich bin auch kein Schauspieler.

Wäre ja nicht ungewöhnlich. Als Filmemacher und Unternehmer setzt man in Schweigers Firmengruppe konsequent auf Cross-Promotion. Wie kam es denn zur Zusammenarbeit? Handelsvorstand Nikolas von Haugwitz von Hawesko und Til kamen auf mich zu. Til Schweiger war unser ökologischer Ansatz wichtig und da sind wir auch eine gute Adresse, glaube ich.

Und sie haben sofort ja gesagt, obwohl das Image eines Til Schweiger eher nicht zu einer Marke passt, die für gehobenen Genuss steht? Sagen wir mal so, ich war für alles offen. Natürlich muss ich aufpassen, mit wem ich mich einlasse. Wir dürfen uns nicht verbiegen. Ich war neugierig und habe es nicht bereut. Ich hätte das sonst nicht gemacht.

Wie genau muss man sich das vorstellen, wenn ein Til Schweiger ins Weingut kommt. Pöbelt der erst mal rum? Ganz im Gegenteil, er tritt völlig zurückhaltend auf und versteht mehr von Wein als man denkt. Wir haben anfangs die Gutsweine probiert uns dann nach oben durchgekostet. Es ergab sich, dass er nicht so auf Mineralik, sondern mehr auf Frucht und Konzentration steht.

Und wie schmecken die Til-Weine von Dreissigacker? Zuerst war ja nur ein Grauburgunder mit sanfter Säure und Schmelz geplant. Der wird gerade abgefüllt. Dann haben er und seine Tochter Luna unseren opulenten Chardonnay Bechtheimer Geyersberg getrunken, unserer Top-Stück. Beide waren begeistert. Deshalb gibt es den jetzt in einer speziellen Lagenmischung für Til. Weniger geschliffen, eher kraftvoll.

Was denken Sie, wenn sie lesen, wie sich Til Schweiger über Weinkenner lustig macht? Ich glaube, das war ironisch gemeint. Er ist ein absoluter Weingenießer und spürt sofort, was Qualität ist.

Das Bild vom tumben Rüpel: Könnte es sein, dass uns der Til nur etwas vorgaukelt? Steckt in unserem Ich-hau-dir-gleich-in-die Fresse-Til in Wirklichkeit ein sensibler Geist, der sich mit seiner rauen Schale gegen Kritiker-Häme und Medien-Stalking abschirmt?

Ist alles nur gespielt?

Mit seinen Sprüchen landet Schweiger regelmäßig in den Schlagzeilen. Das ist Gratis-PR. Hätte er besser über den schmelzigen Abgang seines Chardonnay schwärmen sollen? Eben.

Der Mann hat als Schauspieler, Produzent, Gastronom und mit seinem Online-Kaufhaus Barefoot Living ein kleines Imperium errichtet, das er mit einem kleinen Kreis von Vertrauten dirigiert.

Es heißt, Schweiger ist Präzisionsfanatiker. Wenn es stimmt, dann hat er das mit seinem neuen Geschäftspartner Jochen Dreissigacker gemein.

Bechtheim, Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms. Zu Hause bei den Dreissigackers.

Der ausgebildete Steuerberater schmiss nach einem Jahr seinen Job hin, denn er wollte Weinmacher werden. So wie der Bruder und die Eltern. Studierte Weinbau an der Hochschule in Heilbronn, ging zu Keller und Wittmann in die Lehre, die als erste zeigten, dass man auch in Rheinhessen große Weine hinbekommt, wenn man wirklich will.

Dann stellte er im Weingut alles auf den Kopf, schloss die Straußenwirtschaft und die Gästezimmer. Das alles machte zu viel Arbeit. Denn er wollte sich auf das Wesentliche konzentrieren, den Wein.

Jochen tauschte Parzellen mit anderen Winzern, setzte in den Weinbergen und im Keller auf beinhartes Qualitätsmanagement und stellte auf biologische Landwirtschaft um.

Das alles hatte seine Folgen. Denn mit den alten Sitten entsorgte Jochen Dreissigacker auch einen Großteil seiner Stammkunden. Das war erstmal bitter.

Doch das zielstrebige Wirken des Zahlenschubsers A.D. sprach sich herum. Neue Zielgruppen wurden aufmerksam. Und Dreissigacker-Flaschen standen mehr und mehr auf den Tischen anspruchsvoller Gourmets.

Es liegt auch daran, dass Dreissigacker etwas hinbekommen hat, wovon viele Winzer träumen, nämlich die Wiedererkennung im Glas. Das ist der feuchte Traum aller Marketingmanager.

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Wer Dreissigacker einmal verkostet hat, erkennt diese Weine wieder. Vor allem an ihrer eigenen Mineralität. Und an ihrer Intensität. Das hört man immer wieder.

Dreissigacker lässt selbst den einfacheren seiner Weine eine Behandlung angedeihen, die in dieser Preisklasse unüblich ist: Lange Maischestandzeiten vor der Vergä­rung, keine Reinzuchthefen, Teilausbau im großen Holz­fass, ausgiebiges Feinhefelager. Und schraubt unermüdlich an ihrer Typizität.

Für Til Schweiger hat er an der Mineralik gedreht. Das mag nicht ganz dem Profil der Marke Dreissigacker entsprechen. Aber das Tor zum ganz großen Publikum hat er damit wohl aufgemacht. Hereinspaziert!

 


Datum: 15.1.2018
 

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