30.06.09 WEINE 2 Einem Freund senden

Michael Jacksons Jahrgang 1958: Ein Prost nur aus dem Piemont

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Oft trauert der Captain und seine Mannschaft. Um Menschen, die ihnen nahegingen, Menschen ihrer Generation. Je älter der Captain wird, um so mehr muss er trauern. Schrecklich, das Alter.

Und obwohl der Captain eher ein Fan von Clash (auch um Joe Strummer musste der Captain schon trauern), oder Prince war, so trauert der Captain auch um Michael Jackson. Der schwarze Mann, der sein Leben als weiße Frau beendete (danke, Brigitte, ein echt guter Satz) hat ein paar gute Nummern zum Lebensgefühl der achtziger Jahre beigesteuert, als der Captain noch auf dem Schulschiff die Buddeln putzen und einsortieren musste.

Gerne stößt der Captain mit der Mannschaft auf Michael an, der vom Neverland als ewiger Peter Pan zusieht. Ein Prost auf Dich, lieber Michael.

Aber womit anstoßen? Der Jahrgang 1958 war leider nicht so gut wie der darauffolgende 59er. Und die paar Doppelmagnums Bordeaux, die es noch gibt, sind nicht das Gelbe vom Ei. Zudem ist der Jahrgang schon fast ausgetrunken.

Also muss der Captain in den Italienischen Keller gehen. Und ganz hinten kramen, denn italienischer Wein ist nicht gerade für seine lange Haltbarkeit bekannt. 1958 war im Piemont ein fast schon fulminantes Jahr. Man muss einen Barolo Speciale suchen, ruhig auch von einem Konsortium. Oder eine Händlerfüllung. Früher, da verkauften auch die guten Winzer ihre Fässer an zumeist englische Händler, die dann die Abfüllung besorgten.

Jackson-Jahr war ein Barolo-Jahr

Der Captain kramt einen 58er Barolo-Riserva von Giacomo Borgogno hervor, einen Barolo, den schon die Zarenfamilie gerne trank, bevor man sie in Jekaterinenburg füsilierte. Von Lenin wusste man, er war von Zeit zu Zeit auch Abstinenzler. Dahinter findet er auch noch eine 58er von den Marchesi di Barolo, der ist aber wahrscheinlich schon etwas drüber, weil keine Riserva.

Und dank Michael können wir noch einmal den archaischen Weinbau dieser Epoche genießen, das unbeschwerte Hantieren, ohne dass tausende Weinfuzzis und Weinschwätzer (wie eben auch der Captain) ihren Senf dazugeben. Der Senf des Captain: Gut, dass man diesen Jahrgang jetzt trinkt. Viel mehr hätte er nicht gebracht. Auch Michael nicht. R.I.P. Und Salute.



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Kommentare 2

Kommentare

Stefanie

Danke Captain für diesen Kellergang. Netter Schlenker in die Untiefen der Weinweltvernetzung.

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Korkenzieher gerührt

Wunderschöne Betrachtung, die sich von der geheuchelten Weinerlichkeit der letzten Tage angenehm abhebt! Haben wir bald einen Jacko-Wein bei Havesko?

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