07.08.09 WEINE 13 Einem Freund senden

Cptn. Provo: ist Burgund ein Irrtum?

Das ist nicht Burgund. Aber es gab einfach kein besseres Bild zu diesem ArtikelDas ist nicht Burgund. Aber es gab einfach kein besseres Bild zu diesem Artikel

Vom Bordeaux weiß man es. Dort wird ja gerne ein bisschen gejammert. Jetzt hört man wieder von vollen Kellern (wie schon Mitte der Achtziger). Bei den Händlern vor Ort stapeln sich die Kisten angeblich bis an die Decke. Auch vom guten Jahrgang 2005. Vor allem die MIttelschicht leidet, Weine, die zwischen 25 und 50 Euro kosten. Für viele Konsumenten, auch die meisten Deutschen, ist das viel Geld - zu viel Geld.

Im Burgund kennt man keine Krise. Zumindest offiziell nicht. Kaum einer redet über volle Lager, nur wenige berichten von "gewissen Absatzschwierigkeiten". Und die betreffen mehr die roten Burgunder, als die weißen Montrachets oder Mersaults. Letztere sind eine Klasse für sich und gelten als die besten Weißweine der Welt. Auch sind die Mengen stark begrenzt, solche Weine funktionieren immer.

Große Mengen hat das Burgund auch beim Rotwein nicht zu bieten. Aber roter Burgunder ist die Königsdisziplin des engagierten Weintrinkers. Dorthin wagt man sich erst vor, wenn man alles andere getrunken und verstanden hat. Der Captain hat sich schon vor Jahren in das Burgund begeben. Und ihm ging es wie vielen: er war begeistert. Und wurde - in seiner Euphorie nach allem gierend - gigantisch enttäuscht.

Selbst große Ratgeber und Weinwisser irren im Burgund: hochgerühmte Flaschen entpuppen sich vor allem in mittleren Jahrgängen nach wenigen Jahren als säuerliche Säfte. Auch presst man in der Gegend die komplizierteste und kapriziöseste aller Trauben: Pinot Noir. Sie ist die Prinzessin auf der Erbse. Ist sie deswegen schon ein schönes Mädchen?

Leider nein. Vor allem die älteren und streng traditionellen Winzer im Burgund haben keinen Draht zum Konsumenten. Und deswegen bleiben ihre Flaschen liegen. Man muss auch als konservativer Winzer nicht immer dem Markt hinterher schielen (siehe Coche-Dury oder Comtes Lafon). Und es ist auch von Vorteil, wenn man Weinpäpste wie Robert Parker nur geringe Bedeutung zuweist. Doch teure und langweilige Burgunder halten den unerfahrenen Konsumenten von der weiteren Erkundung der Region ab.

Der Captain will sich hier gar nicht mit der mega-komplizierten Klassifizierung der Burgunder beschäftigen (dazu der verweisende Link), er will aufgreifen, was er immer öfter hört: Burgunder wird unverkäuflich. Sommeliers und Händler berichten, dass der Konsument sich abwendet. In der Krise gilt der Adenauer-Spruch: Keine Experimente. Wenn dem Konsumenten nach einem Pinot ist, dann trinkt er jetzt deutsche Spätburgunder (sehr übersichtlich, auch für Händler leicht zu vertreten), Weine aus der Neuen Welt und ab und zu auch einen Burgenländer. Pinot aus dem Burgund hingegen ist völlig weg vom Fenster. Daher ist die provokante Frage angebracht. Ist Burgund ein Irrtum? Ist diese berühmte Weingegend auf dem falschen Weg?

P.S.: Der Captain bevorzugt rote Burgunder folgender Winzer: Christian Clerget, Domaine Daniel Rion (Oliver, Christophe & Pascal), Comtes Lafon, Comtes de Vogüé, Marc Colin, Pascal Marchand, Meó-Camuzet, Armand Rousseau und selbstredend Romaneé Conti (aber wer kann sich das noch leisten?).

Die besten Jahre sind 2005, 2004 und 1999. Mit dieser Kombination aus Winzer und Jahrgang können Sie nicht viel falsch machen. Hier sind auch die einfachen Kommunallagen (die mit den Dorfnamen ohne Cru) ein guter Tipp für einen günstigen Burgunder.

Überblick über Flaschen und Preise z.B. beim Burgunderexperten weinart

Beim Captain gibt es übrigens auch noch mehr über französische Weine zu erfahren.



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Kommentare 13

Kommentare

ardbeg hausfraulich

endlich eine frische Tischdecke, es war ja auch Zeit.

Im Burgund überlebt viel noch wegen des guten Rufs, aber nicht mehr lang. Es wird demnächst die mittlere Preisklasse einbrechen. Viele dieser guten Namen werden massiv vom unteren Preissegment mit hervorragender Qualität angegriffen. Und nicht nur im Burgund. Gut so!

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Jill Mercedes glücklich

bringt ja nun nichts das Kinde mit dem Bade auszukippen_
und 'versteh' meinereine nun wirklich nicht viel vom Weine, so kamen dennoch mitunter die aufregendsten Tropfen, die meinem Gaumen je trafen eben doch aus dem Burgund, sei's 'drum!

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Der Captain nachfragend

Hies an Deck hören wir immer gerne, welche Weine das waren. Weißt Du das noch Jill?..

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Reblaus Nord Gläubig...

Burgund ist kein Irrtum!!!
Aber das größte Mienenfeld der Weinwelt!

Himmlische Weinerlebnisse reihen sich an geradezu diltetantische Versuche dem Rufe des Gebietes angemessene Gewächse zu erzeugen.

Es ist aber so das Burgund in Bestform alles, wirklich alles in den Schatten stellen kann. Finesse und Eleganz gepaart mit subtiler Kraft und bedöhrenden Frucht-, Würznoten sind einfach das faszinierenste was einem als Weinliebhaber über die Lippen kommen kann!
Leider gehts es oft sehr oft auch in die andere Richtung und ehrlich gesagt hilft wirklich nur der Glaube an den Qualitätsanspruch des Winzer!
Zum Beispiel gibt es fast 60 Besitzer und fast eben so viele Erzeuger im Clos de Vougeot nur wirklich gut davon sind max. 5-6 Weine (z.B. von Ponsot, Faiveley, Prieur Roch, Meo-Camuzet, Confuron-Contetiodt, Rene Engel)

Kein anderes Gebiet zeigt das der Terroirgedanke letztlich doch vom Können und Wollen des Menschen abhängt und so eben auch der wahre Burgund Genuß!
Sicher aber ist man "endet" unweigerich im Burgund aber das Lehrgeld zahlen hört nie ganz auf! Oft ist eben mehr Wegleergeld! Also auf Burgund und sein unendlichen Weiten...

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Der Captain

Geben Sie den Captain und der Mannschaft doch bitte ein, zwei Tipps für einen guten und erschwinglichen Burgunder..

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Der Captain

ich mach die Korrektur und aus dem Mienenfeld (ein schöner Begriff für Theater übrigens, das Copyright gehört ihnen) das Minenfeld. Leider haben wir keine nachträglich Korrekturfunktion..

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Reblaus Nord Gute Miene!

Also das Mienenspiel ist ganz einfach: guter Weine-gute Miene, schlechter Wein-schlechte Miene! Ansonsten gibt es nur schlechte Minen egal wo die liegen!

Also ein wunderbarer weißer Burgunder mit weltklasse Preis-Leistungsverhältnis ist der 2007 St. Aubin 1er Cru " Clos de la Chateniere" von Hubert Lamy. Klar kostet dieser St.Aubin fast €30.-aber hier kriegt man was für sein Geld. Mal abgesehen davon das der Weinberg mehr oder weniger um die Ecke des Montrachet liegt ist Hubert Lamy ein Garant für Qualität! Es gibt einen Händler da gibts noch 2003er um ca. €20.-! Auch seine roten St.Aubin sind immer eine Bank!

Sehr feine rote Burgunder macht die für seine Weltklasse Meursault bekannte Domaine Roulot nämlich Monthélie und Auxey Duresses beide liegen kanpp über €20.- stellen aber vieles in Schatten das mehr als das Doppelte kostet!

Leider fast schon kein Geheimtip mehr sind die Givry der Domaine Joblot. Immer großes Pinot noir Kino absolut Oscar verdächtig! Um die €20.-

Wem das zu teuer ist muß die Dorflagen verlassen und die sehr guten Bourgogne Chardonnay und Pinot noir von der Domaine Bernard Moreau versuchen, um die €10.- Die Weine sind fein, klar und typisch. Wunderbare Einstiegsdrogen!

Auch die Weine aus den Dörfchen Chorey le Beaune besonders die Domaine Tollot Beaut zeigt hier immer wieder was möglich ist für kleines Geld.

Burgund verjüngt sich irgendwie gerade und wer etwas näher hinsieht findet junge ambitionierte (noch) unbekanntere Namen die dem Gebiet sehr gut tun, aber leben tut Burgund vom Rufe einiger Spitzengüter(der Captain war ja so nett und schon einige genannt!) und die straheln da auch noch wen wir alle Staub sind!

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Der Captain sehr erfreut

Ich freue mich unter meinen Lesern derartige Experten zu finden. Fantastisch, danke..

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Gast Nummer 1

Gut, daß wenigstens die Leser Experten sind. Dann muss man sich keine Sorgen machen.

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ardbeg ebenfalls unbesorgt

Verehrter Gast Nummer 1,
sag er doch bitte seine Meinung zum Thema Burgund, anscheinend weiß er ja mehr als das niedere Volk in den feuchten Wanten.

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Master at Arms

Ich bin ja absoluter Burgund Laie aber zwei zuverlässige Namen möchte ich auch in die Runde werfen: Zum einen Trapet, dessen "Ostrea" hier auch schon mal vorgestellt wurde. Zum andern, die unglaublich finessenreichen Weine von Dominique Laurent.

Sind die Suche wert.

Ich sehe bei diesn Erzeugern auch, dass der Jahrgang zwar eine Rolle für die "Mächtigkeit" des Wein spielt, mit den kleineren Jahrgängen kann man aber oft auch bei den guten Erzeugern angenehme Überraschungen erleben. Die Weine sind auch oft schneller trinkbar. 2001 trinkt sich grade sehr gut. 2005 braucht sicher noch 10 Jährchen.

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Master at Arms neugierig

PS: Was macht eigentlich "der" Quiz?

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Der Captain (auswärts)

Ich werde ihn nächste jahr fortsetzen und im Juni enden lassen..

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