Vom Bordeaux weiß man es. Dort wird ja gerne ein bisschen gejammert. Jetzt hört man wieder von vollen Kellern (wie schon Mitte der Achtziger). Bei den Händlern vor Ort stapeln sich die Kisten angeblich bis an die Decke. Auch vom guten Jahrgang 2005. Vor allem die MIttelschicht leidet, Weine, die zwischen 25 und 50 Euro kosten. Für viele Konsumenten, auch die meisten Deutschen, ist das viel Geld - zu viel Geld.
Im Burgund kennt man keine Krise. Zumindest offiziell nicht. Kaum einer redet über volle Lager, nur wenige berichten von "gewissen Absatzschwierigkeiten". Und die betreffen mehr die roten Burgunder, als die weißen Montrachets oder Mersaults. Letztere sind eine Klasse für sich und gelten als die besten Weißweine der Welt. Auch sind die Mengen stark begrenzt, solche Weine funktionieren immer.
Große Mengen hat das Burgund auch beim Rotwein nicht zu bieten. Aber roter Burgunder ist die Königsdisziplin des engagierten Weintrinkers. Dorthin wagt man sich erst vor, wenn man alles andere getrunken und verstanden hat. Der Captain hat sich schon vor Jahren in das Burgund begeben. Und ihm ging es wie vielen: er war begeistert. Und wurde - in seiner Euphorie nach allem gierend - gigantisch enttäuscht.
Selbst große Ratgeber und Weinwisser irren im Burgund: hochgerühmte Flaschen entpuppen sich vor allem in mittleren Jahrgängen nach wenigen Jahren als säuerliche Säfte. Auch presst man in der Gegend die komplizierteste und kapriziöseste aller Trauben: Pinot Noir. Sie ist die Prinzessin auf der Erbse. Ist sie deswegen schon ein schönes Mädchen?
Leider nein. Vor allem die älteren und streng traditionellen Winzer im Burgund haben keinen Draht zum Konsumenten. Und deswegen bleiben ihre Flaschen liegen. Man muss auch als konservativer Winzer nicht immer dem Markt hinterher schielen (siehe Coche-Dury oder Comtes Lafon). Und es ist auch von Vorteil, wenn man Weinpäpste wie Robert Parker nur geringe Bedeutung zuweist. Doch teure und langweilige Burgunder halten den unerfahrenen Konsumenten von der weiteren Erkundung der Region ab.
Der Captain will sich hier gar nicht mit der mega-komplizierten Klassifizierung der Burgunder beschäftigen (dazu der verweisende Link), er will aufgreifen, was er immer öfter hört: Burgunder wird unverkäuflich. Sommeliers und Händler berichten, dass der Konsument sich abwendet. In der Krise gilt der Adenauer-Spruch: Keine Experimente. Wenn dem Konsumenten nach einem Pinot ist, dann trinkt er jetzt deutsche Spätburgunder (sehr übersichtlich, auch für Händler leicht zu vertreten), Weine aus der Neuen Welt und ab und zu auch einen Burgenländer. Pinot aus dem Burgund hingegen ist völlig weg vom Fenster. Daher ist die provokante Frage angebracht. Ist Burgund ein Irrtum? Ist diese berühmte Weingegend auf dem falschen Weg?
P.S.: Der Captain bevorzugt rote Burgunder folgender Winzer: Christian Clerget, Domaine Daniel Rion (Oliver, Christophe & Pascal), Comtes Lafon, Comtes de Vogüé, Marc Colin, Pascal Marchand, Meó-Camuzet, Armand Rousseau und selbstredend Romaneé Conti (aber wer kann sich das noch leisten?).
Die besten Jahre sind 2005, 2004 und 1999. Mit dieser Kombination aus Winzer und Jahrgang können Sie nicht viel falsch machen. Hier sind auch die einfachen Kommunallagen (die mit den Dorfnamen ohne Cru) ein guter Tipp für einen günstigen Burgunder.
Überblick über Flaschen und Preise z.B. beim Burgunderexperten weinart
Beim Captain gibt es übrigens auch noch mehr über französische Weine zu erfahren.







Das ist nicht Burgund. Aber es gab einfach kein besseres Bild zu diesem Artikel 





endlich eine frische Tischdecke, es war ja auch Zeit.
Im Burgund überlebt viel noch wegen des guten Rufs, aber nicht mehr lang. Es wird demnächst die mittlere Preisklasse einbrechen. Viele dieser guten Namen werden massiv vom unteren Preissegment mit hervorragender Qualität angegriffen. Und nicht nur im Burgund. Gut so!