Thomas P. Offner ist 35, ist Kärntner. Er berät in Wien und Hamburg Firmen bei der Entwicklung von Online-Formaten. Offner ist ein typischer Vertreter der Unternehmergeneration 00, jener neuen Selbstständigen, die im Web 2.0 neue Unternehmungsfelder suchen.
Offner ist bloß einer von Hunderten. Das stört ihn nicht, er sucht in seiner Arbeit keine überdimensionierte Anerkennung. Sein Ego ist befriedigt und hat alles, was man als erfolgreicher Entrepreneur braucht.
Was will so einer mit Wein?
"Trinken", sagt Offner, "ich will einen Wein machen, den ich auch trinken will."
Und so einen hat er gemacht. Einen Gemischten Satz aus Wien. 1000 Flaschen. Und einen zweiten. Einen Grünen Veltliner aus dem Kamptal. Auch 1000 Flaschen. Beide gleich ausverkauft. Einen davon kriegt man sogar im Louis C. Jacob in Hamburg. Nicht die schlechteste Adresse für Weintrinker.
Jetzt steht Offner vor der Entscheidung. Was macht er mit dem Erfolg? Er macht weiter. Leben kann er von 2000 verkauften Flaschen Weißwein freilich nicht. Aber das muss er auch nicht. Er muss nur das Hobby in den Griff kriegen.
Freilich hat Offner noch kein Weingut. Er pachtet und kauft Trauben. Er kauft auch Wein. Und lässt mischen und abfüllen. Wie es ihm gefällt. Völlig unbelastet.
Aber er hat Blut geleckt. Er kann sein Produkt perfekt promoten, denn promoten hat er gelernt. Und für das Promoten ist Offner perfekt verlinkt; er ist einer der neuen Internet-Winzer, die neue Medien und soziale Netzwerke nutzen. Aber Offner ist kein Winzer der das Netz entdeckt hat, er ist ein Onliner, der den Wein entdeckt hat. Er kommt also aus der umgekehrten Richtung. Von Netz zum Wein.
Was Offner zu Captains Winzer des Monats macht, ist sein Status als Protagonist des Wandels. Er ist der Gegenspieler der Weinindustrie, die immer mehr standardisierte Weine auf den Markt wirft und diese mit immer besseren Marketing originell zu vermarkten versucht. In diesem Punkt sind sich beide gleich. Doch Offner ist auch kein Nachgänger der enthusiastischen Laborwinzer, der Kreateure. Auch ist er kein Regionalist oder Traditionalist. Offner macht Wein aus Spaß. Und weil er sich gerne ein wenig im Glanz seiner Weine sonnen will, müssen es auch gute Weine sein. Sonst bringt das nichts.
Offner ist also der Winzer als Blog. Nicht als bloggender Winzer, nein, Offner ist wie einer jener Blogger, die die Zeitungen angreifen und den Journalismus verändern. Offner ist die "unguided missile", die mit wenig Kapital, viel Vernetzung und dem richtigen Erkennen der Möglichkeiten von Web 2,0 der Winzerei den fröhlichen Dilettanten oktroyiert. Und wie die Blogger heute den traditionellen Journalismus penetrieren, werden Mikrowinzer wie Offner morgen den traditionellen Weinbau verändern. Wenn sie mehr und prägend werden. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
Thomas P. Offner macht zwei Weine, einen Gemischen Satz in Wien. Und einen Grünen Veltliner im Kamptal. Beide Weine (und Offners neue Projekte) werden morgen beim Captain besprochen.







Das Wichtigste: gut verlinkt. Offner mit zwei älteren Herren des deutschen Rock-Business. Der Blick könnte intelligenter sein 



Seltsame Wahl. Aber bitte, wenn der Captain glaubt?