Dies ist eine Plattform, die den unbeschwerten Genuss mehr und noch mehr guter Weine fördert. Doch ab und zu macht der Captain einen Ausflug in alkoholisch höher angesiedelte Regionen, zu den Fruchtbränden, die der Captain liebt, da sie sein Dasein erleichtern. Vor allem, wenn der Erste Offizier wieder wegen fehlendem Geld herumnörgelt. Dann kippt der Captain ein paar Gläschen. Und alles wird ruhig.
So auch diesmal. Der Monat ist zu Ende, die Heuer muss bezahlt werden. Doch die Schiffskasse ist leer. Vor allem, weil der Captain wieder ein paar Flaschen Bordeaux und Champagner einlagern musste. Und diese Rechnungen müssen bezahlt werden. Irgendwann. Jetzt. Deswegen ein paar Gläschen. Um zu vergessen.
Der Erste Offizier hat dem Captain eine Probeflasche Edelbrand mitgebracht. Aus der Steiermark, wo er Verwandte hat. Die trinken nach dem üppigen Sonntagsbraten gerne ein, zwei (drei, vier) Gläser. Und in der Steiermark ist bratenbezüglich jeden Tag Sonntag. Der Erste Offizier hat dem Captain eine Flasche Williams Große Reserve auf den Tisch gestellt. Von Franz Tinnauer, aus Steinbach bei Gamlitz, nahe der slowenischen Grenze. Dort unten wachsen auch die Trauben für viele der besten österreichischen Weine. Doch heute geht es um Birnen.
Die Williams-Birne ist ein große, fruchtige und geschmacksintensive Birne, die sich folglich gut für Destillate eignet. Vor dreißig Jahren war sie außerhalb Südtirols und dem Elsaß kaum bekannt. Soll heißen: Kein Brenner exportierte Williamsbrände, außer die Südtiroler und Elsässer Brenner.
Doch dann kam der Trend, Schnäpse mit Qualität zu paaren. Und der Massenproduktion eine Absage zu erteilen. Das war wieder die Stunde der Österreicher. Die vieles nicht können. Aber kleine Genialitäten, das können sie.
So eine Genialität ist dieser "Willi". Genial seine Fruchtigkeit. Selten zuvor hat der Captain so viel Birne im Mund gehabt, klare, drängende Frucht, die sich selbstgewiss in den Vordergrund spielt. Nichts anderes ist da, nur die Birne, die Birne. Perfekt.
Ihre süchtigmachende Kraft stützen 61 % Alkohol. Wumm! Da greift man dann nicht so schnell hin, denn schon gewöhnliche Brände haben zwischen 40 und 45%. Die Große Reserve ist also wirklich hochprozentig, vergleichbar mit einem Cask-Strenght-Whisky aus Schottland.
Das Dilemma dieses Brandes ist also seine absolute Präsenz, das beständige und ausgeprägte Aroma. Und dann diese enormen Alkoholwerte, die einem auch ein bisschen Angst einjagen.
Doch wenn man nichts mehr steuern muss und keine wichtigen Gespräche führt, dann ist der Williams von Tinnauer auch zum Nachschenken geeignet. Und das Nachschenken drängt sich auf. Der Captain konnte am nächsten Morgen auch nach mehreren Gläsern Williams kein Kopfweh spüren. Flann O´Brien saß zwar auf seiner Brust und grinste höllisch. Doch der Captain warf Flann auf die groben Dielen der Kajüte, duschte, zog sich an und ging außer Haus.
Williams Große Reserve von Franz Tinnauer für 46,00 Euro beim Erzeuger direkt. Franz Tinnauer keltert auch ein paar hervorragende Weine.







Flann O´Brien (links), der Captain (rechts) 



61 Prozent Alkohol im Blut? Meine Hochachtung!