Jedes Jahr muss inzwischen ein gutes Jahr sein, auch die deutschen Winzer haben erkannt, wie man ein Jahr mit dem richtigen Wetter zur falschen Zeit zum guten Weinjahr umdeuten kann, ohne das Gesicht zu verlieren.
Zwar schreibt man die Weine des Jahres 2008 nicht mehr wider jedes Wissens in den Himmel und die Medien transportieren auch nicht mehr jeden aufgetischten Blödsinn zum Konsumenten, doch hat man für den 2008er eine neue Sprache gefunden. Eine Sprache der Umgehung und Verharmlosung.
Echt rassig an der Mosel
„Rassig, mineralisch, elegant, leichter als im Vorjahr, was wir als sehr positiv sehen. Der ideale Riesling-Typ für den derzeitigen Trend zum leichteren Stil." So beschreibt das populäre Weingut Reichsgraf von Kesselstatt den Jahrgang 2008. Soll heißen: Er schmeckt eine Spur bitter, mehr nach Terroir statt nach Frucht und ist ein Leichtgewicht.
Auch rassig an der Pfalz
Das sehr gute Weingut Knipser in der Pfalz sagt: „2008 bringt fruchtbetonte, leichte, rassige Weine, die in großen Mengen konsumierbar sind." Also ähnlich wie Kesselstatt, aber noch eine Betonung auf den geringen Alkoholgehalt, dessetwegen man ruhig eine Flasche mehr trinken sollte. Das zuletzt dramatisch aufstrebende Weingut Van Volxem reduziert seine Aussage auf ein lapidares: „Die Säure bindet sich geschmacklich gut ein." Soll heißen: „Geht irgendwie, das Jahr" Das ist wohl, wie es ist.
Der Neusprech soll beschönigen
2008 hätten die deutschen und österreichischen Winzer die einmalige Gelegenheit gehabt, ein schwächeres Jahr gut zu kommunizieren, den Konsumenten ohne Vorbehalte über die Problematik der Jahrgänge aufzuklären und das Thema Jahrgang überhaupt wieder ins Spiel zu bringen. Stattdessen kam wohlüberlegtes und wohlklingendes Geschwätz. Den Konsumenten werden die 2008er größtenteils nicht überzeugen und sie könnten den Eindruck gewinnen, dass deutsche und österreichische Weine schlechter geworden sind. Und sie werden sich das nicht erklären können, weil keiner richtig über die Schwächen des Jahrgangs redet.
Die Winzer können eigentlich stolz sein. Warum reden sie um den Brei?
Dabei haben die Winzer Grund genug Stolz zu sein, sie haben recht eindrucksvoll bewiesen, was sie können, wie sie ihr Handwerk auch ohne supertechnischen Krimskrams beherrschen. Nur haben sie diese Erfolgsgeschichte leider nicht erzählt. So wird 2008 als schlechtes Jahr reflektiert werden, das so schlecht nicht ist.












Das alljährliche Marketinggeschwätz hab' ich auch schon ein paar mal thematisiert: "Winzerlatein und des Weinhändlers Hype", viel Spaß.