06.09.09 WEINLEUTE 7 Einem Freund senden

VDP-Weine 2008: die Könner können

Viele neue Flaschen. Ausnahmsweise nicht in der Politik

Man weiß, man ist bei einer deutschen Weinmesse. Es geht gesittet zu. Kein fröhliches Geschrei, wie bei der Vinitaly in Verona, keine Kopfweh-Kater-Gesichter, wie bei der Vinexpo in Bordeaux. Hier ist man in Berlin. Und man benimmt sich.

Ruhiges Flanieren im Daimler-Center am Potsdamer Platz, braves Anstellen, kultiviertes Nachfragen: man merkt, wie hoch hierzulande die Reputation der VDP-Winzer eingeschätzt wird. Und das völlig zu Recht.

Denn kaum ein anderes weinproduzierendes Land hat einen derart exklusiven Club berühmter und guter Winzer. Der Konsument, nicht nur in Deutschland, kann dieser Elite (in Deutschland immer noch ein belastetes Wort) vertrauen. Es wird kein schlechter Wein darunter sein. Höchstens manchmal ein mittelmäßiger.

Das ist 2008 zum Teil der Fall. Und es ist selbstredend nicht die Schuld der Winzer, denn 2008 war ein sehr durchwachsenes Jahr mit heftig Regen im Herbst und anderen komplizierten meteorologischen Bedingungen. Selten wie sonst, kam es auf mikroklimatische Situationen an. Und auf die Kontrolle des Traubenmaterials.

2008 beweist aber auch, wie routiniert das Können der Winzer inzwischen ist. Viele Weine sind trotz hoher Säure angenehm ausbalanciert. Ein Jahr der unbedingten Trinkfreude wird 2008 aber leider erst später werden. Und das auch nur in einigen Fällen. Etwa bei manch "Großem Gewächs", das eine Zeit lang in den Keller muss, um später zu glänzen. Eines ist klar: 2008 wird in der Nachbetrachtung ein widersprüchlicher Jahrgang bleiben. Und einige Überraschungen parat haben.

Der Captain kostete viele Weine namhafter Weingüter. Seine erste Einschätzung: etwas besser, als die Proben im Frühsommer erwarten ließen. Viele Weine waren damals schwer einzuschätzen, die Säure sehr drängend. Die großen Gewächse des Jahres 2008 müssen sicher noch 2-4 Jahre warten, bevor man sie trinken sollte.

Sehr trinkfreudig präsentierten sich schon jetzt die Ausnahmeweine von Van Volxem, ein Weingut, das recht selbstbewusst eine klare Aussenseiterposition einnimmt. Sehr gut auch die Rieslinge von Othegraven, Buhl, Kühn, Bassermann-Jordan. Und einigen mehr. Der Captain wird diese Rieslinge in ihrer Entwicklung beobachten und im Detail berichten. Schon morgen, mit einem überraschenden "Wein der Woche".

P.S.: Im beigestellten Film sehen sie zwei Experten des Captain bei ihrer gestrigen Probe. Exzellente Offiziere.



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Kommentare 7

Kommentare

mendez

na mit eurer 2008er wertung seid ihr hier nicht auf viel Freundschaft gestoßen. besser ihr bleibt heute fern, die leute hier ärgert das.

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Zahlmeister ... gelassen

Der Captain war da, bis zur letzten Minute. Ich war dabei. Keiner hat sich aufgeregt. Die Leute halten ordentlichen Journalismus aus.

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mendez

auf jeden Fall hat euer auftritt nicht jedem gefallen.

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Zahlmeister ... aufgeweckt

Jedem zu gefallen, ist nicht das Ziel. Ich verweise auf die Rubrik "Über uns" auf diesem Blog.

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Saarland

Das Problem ist nur, daß die Winzer ihre Weine verkaufen müssen. Ihr habe mit eurer Wetrung, die am unteren Ende ansetzt, sicher nicht unrecht. Doch wenn man sich auf dem Markt etablieren will, macht man sich damit nicht schnell Freunde. Ich weiß ja nicht, wie viele Dublonen der Captain im Schiff gelagert hat, ich kenne eure finanziellen Hintergründe nicht. Aber so kriegt ihr nun mal keine Inserate von betroffenen Winzern, die eure Wertung des 2008er übel nehmen.Ich bin im Großen und Ganzen eurer Meinung, was das Jahr betrifft (Franken und Württemberg ausgenommen).Der Jahrgangsführer hat übrigens einige technische Fehler, falls euch das noch nicht aufgefallen ist, manche Regionen sind doppelt vorhanden.

Das war nicht als Kritik gedacht, ich lese euch gerne, der Film oben ist ein Hammer, es gibt viel zu lachen beim Captain. Ahoi von einem Saarländer, der nicht Lafontaine gewählt hat.

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Zahlmeister ... hart am Wind

@ Saarland: danke für die Hinweise, am Jahrgangsführer wird derzeit intensiv gearbeitet. Ansonsten bleibt der Captain eisern auf seinem Kurs: er segelt für Weintrinker, nicht für Winzer. Jene Produzenten, die kapiert haben, dass es nichts bringt, den Konsumenten mit geschönten Jahrgangswertungen zu belügen (weil man damit langfristig seine Glaubwürdigkeit verspielt), wissen uns zu schätzen.

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ardbeg Wind von vorne

Was ist denn das für ´ne Einstellung? Lobhudeln um Leser zu gewinnen? Freunde machen durch Speichellecken? Schönreden für Inseratsdublonen? Mir graut!
Jeder Winzer und jeder Konsument weiß, daß nicht jeder Jahrgang herausragend ist. Klartext muß sein, dann wird auch ein Lob wieder wertvoll.

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