Man weiß, man ist bei einer deutschen Weinmesse. Es geht gesittet zu. Kein fröhliches Geschrei, wie bei der Vinitaly in Verona, keine Kopfweh-Kater-Gesichter, wie bei der Vinexpo in Bordeaux. Hier ist man in Berlin. Und man benimmt sich.
Ruhiges Flanieren im Daimler-Center am Potsdamer Platz, braves Anstellen, kultiviertes Nachfragen: man merkt, wie hoch hierzulande die Reputation der VDP-Winzer eingeschätzt wird. Und das völlig zu Recht.
Denn kaum ein anderes weinproduzierendes Land hat einen derart exklusiven Club berühmter und guter Winzer. Der Konsument, nicht nur in Deutschland, kann dieser Elite (in Deutschland immer noch ein belastetes Wort) vertrauen. Es wird kein schlechter Wein darunter sein. Höchstens manchmal ein mittelmäßiger.
Das ist 2008 zum Teil der Fall. Und es ist selbstredend nicht die Schuld der Winzer, denn 2008 war ein sehr durchwachsenes Jahr mit heftig Regen im Herbst und anderen komplizierten meteorologischen Bedingungen. Selten wie sonst, kam es auf mikroklimatische Situationen an. Und auf die Kontrolle des Traubenmaterials.
2008 beweist aber auch, wie routiniert das Können der Winzer inzwischen ist. Viele Weine sind trotz hoher Säure angenehm ausbalanciert. Ein Jahr der unbedingten Trinkfreude wird 2008 aber leider erst später werden. Und das auch nur in einigen Fällen. Etwa bei manch "Großem Gewächs", das eine Zeit lang in den Keller muss, um später zu glänzen. Eines ist klar: 2008 wird in der Nachbetrachtung ein widersprüchlicher Jahrgang bleiben. Und einige Überraschungen parat haben.
Der Captain kostete viele Weine namhafter Weingüter. Seine erste Einschätzung: etwas besser, als die Proben im Frühsommer erwarten ließen. Viele Weine waren damals schwer einzuschätzen, die Säure sehr drängend. Die großen Gewächse des Jahres 2008 müssen sicher noch 2-4 Jahre warten, bevor man sie trinken sollte.
Sehr trinkfreudig präsentierten sich schon jetzt die Ausnahmeweine von Van Volxem, ein Weingut, das recht selbstbewusst eine klare Aussenseiterposition einnimmt. Sehr gut auch die Rieslinge von Othegraven, Buhl, Kühn, Bassermann-Jordan. Und einigen mehr. Der Captain wird diese Rieslinge in ihrer Entwicklung beobachten und im Detail berichten. Schon morgen, mit einem überraschenden "Wein der Woche".
P.S.: Im beigestellten Film sehen sie zwei Experten des Captain bei ihrer gestrigen Probe. Exzellente Offiziere.











na mit eurer 2008er wertung seid ihr hier nicht auf viel Freundschaft gestoßen. besser ihr bleibt heute fern, die leute hier ärgert das.