03.09.09 WEINE 6 Einem Freund senden

Go East: fetter Wein Welschriesling

Herr Jasdi, fröhlich. Herr Jasdi, fröhlich.

Im Hintergrund der Plattensee. Vorne die Weingärten von Istvan Jasdi, der Jasdi-Keller, mit 19 Hektar eines der größten Weingüter am See. Istvan Jasdi ist 61 Jahre alt und war Volkswirt. Für den ungarischen Staat. Er diente dem kommunistischen Regime in Paris. Dort hat er in der Handelsabteilung der Botschaft gearbeitet. In Paris hat er die Liebe zum guten Leben entdeckt. Und die Liebe zum Wein.

Er hat die alte kommunistische Kooperative am See gekauft, als sie pleite war. Und er hat fast alles neu ausgepflanzt. Ein Grund zu kaufen war auch das schöne Bischofshaus, in dem er jetzt wohnt und wo er den Wein keltert. Und irgendwie hat er sich sehr schnell dem Welschriesling (in Ungarn oft auch "italienischer Riesling") zugewandt, den er besser und vielschichtiger findet, als jeden Chardonnay, auch solche aus dem Mersault, die er in Paris zuhauf getrunken hat.

Um den Welschriesling die Wertigkeit zurückzugeben, füllt ihn Jasdi in dickwandige Burgunderflaschen. Und nimmt Kork statt Schraubverschluss. Die hochwertigen Welschrieslinge bringen Jasdi kein Geld. Leben muss er von gut gemachten, süffigen Grundweinen, die man in der Gastronomie am See gut verkaufen kann. Mit jenen verdient er so viel, dass er sich das Experiment leisten kann. Anders als die meisten ungarischen Winzer nimmt Jasdi jedoch französische Eiche statt heimisches Holz. Er findet die Franzosen einfach um einiges perfekter. Und diesen Unterschied schmeckt man.

Vom Welschriesling 2006 der Lage „Löszerdombi" (12 % Alkohol, 6,3 Säure, knochentrocken) erntet Jasdi weniger als einen Kilo pro Stock. Der Wein kommt ein Jahr in gebrauchtes französisches Holz und präsentiert sich klar, säurebetont, aber doch noch sehr verhalten. Ein Hinweis, dass man diese Weine nicht zu jung trinken soll. Das gilt auch für alle nun folgenden Weine.

Ausgleichend präsentiert Jasdi die Lage „Siralomvago" 2006 und 2004 (12 % Alkohol, knochentrocken). Hier füllt er 1.043 Flaschen von 1.500 Stöcken. Mehr Selektion scheint kaum mehr möglich. Die Reben wachsen auf sehr steinigem Boden, der 2006er präsentiert sich gewaltig mineralisch, komplex und am Gaumen lang anhaltend. Der 2004er gleicht wieder einem Vigonier und zeigt auch, dem Jahr entsprechend, erste Reifetöne. Die 50 Jahre alten Stöcke bringen den Boden voll zur Geltung, ein eleganter Wein mit schönen Kräutertönen. Trotz vorhandener Trinkfertigkeit ist er immer noch zu früh getrunken. Zwei, drei Jahre noch.

Jasdi experimentiert in kleinem Rahmen auch mit anderen Sorten; der Grauburgunder 2006 „Löszerdombi" (14 % Alkohol, wieder knochentrocken) ist ein moderner klassischer Wein, der, obwohl megatrocken, auch süße Extrakte in sich trägt. Er schmeckt erstaunlich deutlich nach Gemüse, vor allem nach gelben Fisolen, und präsentiert sich cremig im Abgang. So hat man Grauburgunder selten im Glas.

Der Furmint 2003 (das unglaublich warme Jahr) „Siralomvago" (15 % Alkohol, 11 Gramm Zucker) erinnert erstaunlich deutlich an einen Traminer. Die leichte Süße, die nach Akazienhonig duftet, bringt dem Wein eine gewisse mediterrane Eleganz. Der Saft hat Tiefe und Gehalt, er ist vermutlich lange lagerfähig und ein Glanzstück des ungarischen Weinbaus, der hier bei Jasdi erneut ein bisschen außerhalb der önologischen Moderne steht. Und das ist gut so. Hier gilt das Gegenteil von Adenauer. Viele Experimente, viel Eigenständigkeit.

Weine von Jasdi über Jasdi direkt. Hier nach den angeführten "Fassweinen" fragen.

Der Captain empfiehlt seinen Matrosen außerdem noch weitere hervorragende Weine aus Osteuropa.

multy



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Kommentare 6

Kommentare

Saarland besorgt

Hallo Captain, ich lese diese Ost-Serie sehr gerne. Es antworten aber so wenige da drauf und ich mache mir Sorgen, ob ihr das wieder abdrehen müsst. Das wäre sehr schade. Ich habe heute bei dem Weingut angefufen und mir drei Flaschen schicken lassen. Auch von den anderen Weingütern habe ich Probeflaschen bekommen. Es ist gut, daß man einen Blick über den Tellerrand der üblichen Weinbaunationen bekommt.
Vielen Dank dafür und Grüße von der Saar

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Der Captain

Danke. Obwohl die Ost-Serie wenige Leserreaktionen hervor ruft, bleibt sie fixer Bestandteil des Captain..

Grüße aus Berlin

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Mister Spuck ... aufgeklärt

Wenige Kommentare heißt nicht wenige Leser.

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Der Captain zeigefingererhebend..

..die Gegend um den Plattensee ist aber - wenn ich Sie nun als Ostösterreicher festmache - nicht weit weg von ihrer Heimat. Eventuell eine Autostunde länger, als in die Südsteiermark. Im September und Oktober ist die Gegend ertäglich und man kann auf den Weingütern inzwischen rech komfortabel wohnen..

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