Die Entscheidung des Captain, Thomas Offner zum Winzer das Monats zu machen, hat einigen Lesern des Captain nicht gefallen. Und sie haben ihrem Ärger in privaten Mails an den Captain Luft gemacht. Eigentlicher Punkt ihrer Kritik war Offners Berufsbezeichnung als Winzer (die er sich selber gar nicht gibt). Einige Weinmacher aus Österreich sind der Meinung, dass es sich bei Offner nicht um einen Winzer im klassischen Sinne handelt (was der Captain ja auch nie behauptet hat - ganz im Gegenteil), sondern um einen Hobbykäufer von Trauben und fertigen Weinen, die er dann zu seinen eigenen Kreationen vermischt und unter eigenen Namen abfüllt. Das spotte dem Terroirgedanken und der Authentizität, die der Captain so oft strapaziere.
Da muss der Captain entgegnen, dass Authentizität auch durch das Handeln selbst entsteht. Und nicht nur am Ort des Handelns. Aber die wichtigste Erkenntnis, die der Captain aus der vielfachen Kritik gewonnen hat, ist, dass die Repliken der alteingesessenen Winzer wie die Repliken der Printmedien auf Blogger klingen: Alles unseriös.
Da hat der Captain also eine Türe aufgemacht, die demnächst eines eigenen Artikels bedarf.
Jetzt aber zu Offners Weinen, denn diese sind am Schiff eingelangt.
Da ist zuerst der Gemischte Satz 2009 vom Bisamberg in Wien. Aus der Lage "In den Rothen", einer sehr guten Südlage auf diesem Hügel am nördlichen Stadtrand der Donaumetropole. Dieser Gemischte Satz ist die gemeinsame Ernte und Verarbeitung von Veltliner (der einen überwiegenden Anteil am Wein hat), etwas Riesling, Weißburgunder, sowie ganz wenig Welschriesling und Traminer. 2009 war in Wien ein sehr gutes Jahr, doch leider hat der Hagel viele der besten Lagen zerstört. Offners Flächen waren davon kaum betroffen, so ist Offner einer der wenigen Wiener Winzer die heuer in vollem Umfang lieferfähig sind.
Der Wein ist nicht gering alkoholisch (13,5 %), riecht nach Pfeffer und Trauben-Nuss von Ritter-Sport. Im Mund dann eine erfrischende mineralische Note, etwas Kräuter, doch eher breit und (im guten Sinne) stumpf. Die Säure ist etwas zu gut eingebunden und nimmt ein ganz klein wenig Spannung. Offners Gemischter Satz sucht die burgundische Breite. Die kann ihm nur in guten Jahren gelingen. Den 2009er muss man aus einem großen Glas trinken.
Offners Grüner Veltliner Losling DAC 2008 kommt aus dem Kamptal in Niederösterreich, nicht weit von der Wachau. 2008 war (wie überall in Mitteleuropa) ein etwas schwieriges Jahr. Der Losling (benannt nach der Lage) ist ein frischer und ausdrucksstarker Alltagsveltliner mit ausgeprägtem Trinkvergnügen. Man merkt, dass Offner hier einen Wein gekeltert hat, den er selber als unkompliziert einstufen will (im Gegensatz zu seinem Gemischten Satz). Sehr würzig, sehr auf die Traube hingearbeitet, stahlig, frisch, mit einer deutlich reduzierten Säure. Diese unterscheidet ihn von anderen Veltlinern dieser Gegend, die im Jahr 2008 deutlich säurebetonter ausfielen. Der 2008er Lösling ist ein Wein, der vor allem Frauen gefällt. Ein Faserschmeichler.
Der Guerillawinzer Offner veröffentlicht heuer noch einen Riesling, einen Veltliner und einen Rosenmuskateller (hört, hört!), alle vom Bisamberg. Und dann traut er sich an seinen ersten Rotwein. Der Captain wird berichten.
TPO (The Passion Offensive) Gemischter Satz 2009 (ab Ende März) für 15,00 Euro (12,50 Euro in der Kiste zu 6 Stück) bei office@tpowein.at
TPO Grüner Veltliner Losling 2008 für 7,50 Euro ebenda. Alle Weine auch bei Retters Vinothek (nicht verwandt und verschwägert mit des Captains Maat Gerhard Retter).







Gut gelistet... 



die verarbeitung der tpo weine übernimmt rainer christ?