Guten Morgen Herr Loosen, wo soll diese absurde Brücke eigentlich hin?
Die Brücke soll bei Ürzig, also an einer der schönsten Stellen an der Mosel, den Fluss überqueren. Ausgerechnet dort, wo der Wein am besten wächst. Das ist ein Wahnsinn.
Welche Auswirkungen befürchten Sie für den Wein? Dort sind ja die besten Lagen in Deutschland.
Ich fürchte, dass die Rodungsarbeiten oberhalb der Weinhänge bei Zeltingen und Wehlen den Weingärten das Sickerwasser abgraben. Die Sommer werden immer heißer und der Wald oberhalb der Weingärten ist ja eine Art Wasserspeicher. Wenn der Wald weg ist und die Straße gebaut wird, werden die Firmen den Boden versiegeln und dafür Sorge tragen, dass das Wasser so schnell wie möglich abfliesst. Das kann zu einem Wassermangel in den Weingärten führen, das ist eine echte Katastrophe. Und dann kommt da freilich auch noch die Belastung durch den Staub beim Bau der Strasse dazu. Da werden ja direkt neben den Weingärten irre Mengen Erde bewegt. Sie können sich gut vorstellen, was da an Dreck auf die Reben runtergeht. Es gibt viele Fragezeichen bei diesem Projekt, doch die sind alle ohne Umstände von den Verantwortlichen weggewischt worden
Aber ist so ein Projekt nicht eine Infrastrukturmaßnahme? Vor allem jetzt notwendig, in den wirtschaftlich so schweren Zeiten?
Aber was, dieses Brückenprojekt, übrigens die zweithöchste und längste Autobrücke Deutschlands, und das Straßenprojekt gibt es ja schon seit gut vierzig Jahren. Damals waren da noch die Amerikaner in der Gegend, es gab die großen Militärflughäfen und man wollte eine Straße Richtung Hafen Rotterdam bauen. Jetzt braucht keiner mehr diese Straße, die gerade mal 20 Minuten Zeitersparnis bringt. Ich sage ihnen: Regime vergehen, Bürokraten nicht. Deren Projekte überleben alle Regime.
Sie machen sich stark, doch von den anderen Moselwinzern hört man wenig.Warum?
Oh nein, fast alle haben eine Petition unterschrieben, der Manfred Prüm (J.J.Prüm), der Markus Molitor, der Johannes Selbach (Selbach-Oster) und viele mehr. Wir haben versucht, die Kanzlerin auf diesen Irrsinn aufmerksam zu machen. Doch Frau Merkel hat es nicht für notwendig befunden zu reagieren.
Und die lokale Politik? Was macht die Opposition? Ist die CDU nicht interessiert, den Winzern zu helfen?
Leider sind auch die lokalen Politiker keine Hilfe. Nur die Linke engagiert sich gegen die Brücke. Die SPD regiert ja das Land. Und leider findet sich in der CDU keiner, der diesen Irrsinn stoppen will. Man argumentiert eben, dass die Strasse dem Tourismus etwas bringt. Dem Wein bringt sie nichts.







Ernst Loosen an der Mosel bei Ürzig 



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