2009 ist vorbei, sprechen wir also über das Wetter. Gewitter, Hochwasser und Überschwemmungen flimmerten im Frühsommer über die Bildschirme, fluteten real die Felder und rissen Straßen mit sich. Katastrophenwarnungen von Nord nach Süd. Und trotzdem: 2009 war für den Wein ein Spitzenjahr. Das klingt paradox und beschönigend, doch bleibt der einzige Wermutstropfen dieses Jahrgangs eigentlich nur seine geringe Ausbeute. Und das ist, nach ersten Prognosen und Kostproben, wirklich bedauerlich.
Fangen wir mit dem Winter an. Der Januar kalt und feucht, der Februar normal, im März goss es eimerweise Wasser aus den Wolken - mehr denn je zuvor in der Wachau, sagen die Aufzeichnungen. Plötzlich, ohne Zwischenstufe, kam der Frühling, von einem Tag auf den anderen waren die Sonnenbänke besetzt, die Pollen machten Ärger und in die Weingärten zog Leben ein.
Zwar regnete es zwischendurch immer wieder, doch war der Regen warm, die Sonne freundlich und so waren bereits Ende Mai die Weingärten mit unzähligen kleinen grünen Blüten übersät. Der Grüne Veltliner - wie auch der Weißburgunder und Chardonnay - stets ein Sorgenkind in der Blütezeit, verrieselte leicht, doch wie so oft verursachte der geringere Fruchtansatz zwar quantitative Einbußen, die generelle Qualität stieg aber durch die lockere Traubenstruktur. Erfreulicherweise hatte man - wie in den Jahren zuvor - keine schlaflosen Nächte wegen drohendem Pilzbefall. Die Nächte waren angenehm kühl und hielten die Beeren gesund.
Alles lief blendend, bis dann der 24. Juni eine Woche wildester Unwetter über Österreich enläutete. In der Wachau spielten sich aberwitzige Naturszenarien ab. Die Klammbäche, erzählt unser Kellermeister Heinz Frischengruber, die die Donau aus dem Norden füttern, stürzten durch die Täler und rissen alles mit, was sich ihnen in den Weg stellte. Autos wurden durch die Gegend gespült und Brücken wurden weggetragen. Zwar litten die Rebstöcke nur bedingt unter dem Katastrophenwetter, doch wurden Jahrhunderte alte Trockensteinmauern beschädigt und mussten in mühseliger und langwieriger Arbeit wiederhergestellt werden. Ein Horror.
Die Wassermassen sorgten bei den Trauben für Saft, doch musste man im Weingarten blitzschnell und exakt agieren. Die Vegetation explodierte durch den vielen und plötzlichen Regen und nun ging es darum, die Feuchtigkeit in den Griff zu bekommen und sie zum eigenen Nutzen zu verwerten. Pflanzenschutz war eine Möglichkeit. Absolut entscheidend jedoch waren, laut Frischengruber, die Arbeiten an den Laubwänden. Locker mussten sie sein, doch immer auch Schutz vor den anstehenden Sommermonaten bieten. Wie wichtig das war, bewies der Juli. Extrem heißen Tagen folgten ebenso extreme Gewitter. Und anders als in Wien, wo Anfang August die Rebstöcke am Wiener Nussberg fast zu Gänze ein Opfer extremen Hagels wurden, begann der August in der Wachau ruhig, warm und schön. Keine Katastrophen.
Mitte September fingen wir mit der Lese der Jungweine an. Regen hatte davor noch für Ärger gesorgt, der Fäulnisdruck stieg und rigide Selektion war von Beginn an notwendig. Gefühlvolles Arbeiten und mehrmaliges Lesen machten jeden Weingarten zu einer mühsamen aber unumgänglichen Herausforderung. Trotzdem gab es bei den ersten Rebsorten geradezu schockierende Mengeneinbußen. Der perfekten Qualität mussten bis zu 50 % der üblichen Mengen geopfert werden. Beim Veltliner erwies sich die Verrieselung des Frühjahrs als später Vorteil, saßen hier die Beeren lockerer und weniger fäulnisanfällig am Stielgerüst. Ein weiteres Problem wurde der Riesling. Vor allem in den heißen Lagen stieg der Fäulnisdruck und machte uns mächtig zu schaffen. Schweren Herzens schnitten wir also auch hier bis zur Hälfte vom Stock. Wahnwitzig hohe Verluste.
Das warme Herbstwetter ließ uns bis Mitte Oktober schwitzen. Erst dann wurde es endlich kühler, der Fäulnisdruck sank und die Federspiele und Smaragde konnten ihre letzen und wichtigsten Aromen entwickeln und ein perfektes Säuregerüst aufbauen. Einen weiteren Monat zog sich die Lese nun schleppend hin und erst Mitte November wurden die letzten Trauben der Einzellagen in den Keller gefahren. Die Ernte wurde in den letzten Novembertagen mit diversen Auslesen finalisiert.
Die Qualität hat unter den unglaublichen Kapriolen des Jahres 2009 nicht gelitten. Im Gegenteil: Die Weine präsentieren sich kompakter und strukturierter als im Vorjahr. Dezent höhere Alkoholwerte (0,5 -0,7 % höher als 2008 aber immer noch niedriger als 2006) bringen den Weinen zusätzliche Tiefe. Die Säure ist niedriger als 2008 und festigt dennoch Ausgewogenheit, Frische und Finesse. Insgesamt sind die Weine komplex und doch straff, präzise und mineralisch, wie selten zuvor. Sie haben Rückgrat und Länge.
Fazit: Das Jahr 2009 war anstrengend und mengenmäßig nicht zufriedenstellend. Doch - und da sind wir uns sicher - liegt der Jahrgang qualitativ bei den großen Weinen der legendären Serie „der großen 9er", die von 1959 bis 2009 immer wieder spektakuläre Rieslinge und Veltliner hervorbrachte. Es wird als gutes bis großes Jahr in die Geschichte der Wachau eingehen.
Ronan Horvath ist Gutsleiter der Domäne Wachau







2009, ein hartes aber gutes Jahr 

Sehr guter Beitrag, eine Einzelerfahrung, wie man sie aus diesem Jahr schon oft hört. Wenig Menge, gute Qualität. Ist doch gut so.