24.02.10 UNTER-10-EURO 8 Einem Freund senden

Wein der Woche (2): Deutscher Sauvignon


Es ist eine Geschichte, von der man annehmen muss, dass sie nicht gut ausgeht. Und sie ist ein einem Satz erzählt. Ein Satz, der ein Aha auslöst. Und der Satz lautet wie folgt: Finanzinvestor übernimmt Familienbetrieb. Von nun an geht´s bergab, ist man versucht zu sagen. Ist aber nicht so. Denn als das VDP-Weingut "Geheimer Rat Dr. von Bassermann-Jordan an den Unternehmener Achim Niederberger (er besitzt auch noch andere deutsche Traditionsweingüter) verkauft wurde, brach keine Finsternis über Deidesheim herein. Ganz im Gegenteil. Ulrich Mell ist ein exzellenter "technischer Geschäftsführer", der die Bassermann-Weine in die önologische Moderne führt, ohne auf die Tradition zu vergessen. Dieser blöde Satz, den man in solchen Fällen oft zehn Mal im Artikel lesen kann, stimmt hier ganz besonders.

Nell hat eine Traditionsklingel im Ohr, die ihn immer ermahnt, wenn er in Versuchung gerät, wie jeder professionelle Weinmacher während der Routine in die konturlose Perfektion abzugleiten. So sind die Rieslinge von Bassermann-Jordan immer hinreißend. Mit einem subtilen Anklang von Handarbeit. Motto: Seht her, ich kann auch anders. Aber ich kann vor allem so, wie es euch gefällt. Oder: Schmeckt gut, schmeckt eigen, schmeckt trotzdem gut.

Nun reden wir aber über keinen Riesling, sondern über den stinknormalen Sauvignon Blanc von Bassermann-Jordan, den günstigen und guten Alltagswein, gekeltert aus einer Traube, die in der Pfalz nicht in Massen angebaut wird.

2009, es ist bekannt, wird eines der Lieblingsjahre des Captain. Das weiß er nach mehreren Kostproben so sicher, wie er weiß, dass er den Autoschlüssel heute vor dem Ausgehen wieder zehn Minuten suchen wird. Obwohl er gar kein Auto hat. Der 2009er Sauvignon von Bassermann-Jordan (Geheimer Rat und Doktor und einst auch Verleger von Wilhelm Busch) ist eine Offenbarung an Trinkfreude.

Den hier so zahlreich mitlesenden Landsleuten des Captain sei gesagt, dass dieser Sauvignon nicht so schmeckt, wie Sauvignons aus der Steiermark. Oder solche aus dem Friaul. Also weniger Katzenpisse - Verzeihung - floraler Charakter.

Dieser Sauvignon ist eleganter, in der Nase doch sortentypisch, frisch, hell, von der Limette erzählend. Die Limette findet sich aber nicht am Gaumen, dort lassen sich Gras und Kräuter schmecken. Und dann auch Stachelbeere und Eisenkraut. Im Abgang dann kräftig und dicht, stets aber elegant und trotz der angeberischen Vollmundigkeit auch zurückhaltend.

Der Captain kann sich leider nicht zurückhalten und trinkt noch ein Glas. Und noch eines. Und noch eines...

Im Rieslingland Deutschland ist so ein Wein ein willkommene Abwechslung. Er fasst alles zusammen, was Land und Winzer heute können (können müssen). Und er gibt Bescheid, wie es mit dem Können bei Bassermann-Jordan steht. Es steht gut, sagt der Captain.

Sauvignon-Blanc 2009 vom VDP-Winzer Bassermann-Jordan für 9,90 Euro bei Weinrefugium

Der Captain betont und wird nicht müde zu sagen, dass er an keiner verkauften Flasche auch nur einen Cent verdient. Seine Ratschläge sind rein journalistischer Natur und ohne Vorteil für Mannschaft und Reder.



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Kommentare 8

Kommentare

Michael Pronay Wie schon zuletzt einmal ...

... bitte um Angabe des Alkoholgehalts, danke!

Sorry, wenn ich damit jemandem auf die Nerven geh', aber für mich ist's ein wichtiger Aspekt, was ich von einem Wein zu erwarten hab.

Danke fürs Verständnis.

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Erster Offizier

Sie haben selbstredend recht: 12,5%.

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Michael Pronay

Danke schön!

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Gast rätselnd

aber sagt mal Jungs, der Winzer hat doch gar keine Sauvignon Blanc Reben, oder? Der Wein wird aus gekauften Trauben gemacht, weswegen das ganze Loblied auf die Tradition eigentlich Kokolores ist, oder hat sich da was geändert?

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Der Captain

Das Weingut verfügt über eigene Sauvignon-Anbauflächen. Lage Ruppertsberger Hoheburg..

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Gast

Und die sind da jetzt exklusiv im Einsatz? In den vergangenen Jahren war der Wein immer vom 'Abfüller' Bassermann-Jordan und daher ohne VDP-Logo auf der Kapsel verkauft. Jetzt keine gekauften Trauben mehr?

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Erster Offizier (via facebook)

Nach unserer Information werden für diesen Wein auch Trauben hoher Qualität aus Zukauf verwendet und mit den Trauben aus eigenem Grund und Boden verarbeitet.

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Gargravar ...schmunzelnd

Ob zukaufte Trauben, oder aus Pacht, oder von eigenem Boden mit Betwirtschaftungsvertrag, oder eigene Pflege ..... wichtig ist hier doch nur ein wirkliches Qualitäts-Kriterium ... und das heißt Uli Mell. Wer lange genug die Geschicke und die Weine des Weingutes verfolgt hat ( bei mir seit 1985 ), der weiss, dass
a) Uli Mell bei jedem Weingut, bei dem er war, er die Qualität maßgeblich zum besseren verändert hat ( ich erinnere nur an Biffar, welches damals als 4tes B gehandelt wurde ) und b) die Weine noch beim alten Bassermann-Jordan ( also noch vor
seiner Enkelin, welche Uli Mell in den Betrieb geholt hat ) alles andere als von einheitlicher Qualität waren ; Bassermann-Jordan war lange Zeit das schwächeste und unbeständigste der 3 B ..... bis eben Uli Mell kam.

Thema Tradition :-(((
Ich bewundere wie man den international geprägten Begriff "Tradition" - im Sinne von "Das Weingut ist seit 11 Generationen im Familien-Besitz" - in Rheinland-Pfalz ( mit Ausnahme der Mosel ) dies schon bei zwei Generationen behauptet wird. Und dann ausgerechnet ein Anbaugebiet, welches dafür bekannt ist, dass es sich so verzettelt hat, dass der Verbraucher heut nicht mehr weiß für welche Rebsorten es eigentlich steht. Zugegeben, die Pfalz hat ein enormes Potential für Sauvignon blanc ( als Weinbau-schüler war ich einmal bei Georg Mosbacher ( !!! )), das wird die Winzerschaft aber nicht bewegen sich auf diese Rebsorte zu spezialisieren. Lieber bleibt man bei Rivaner und Dornfelder .... weil ..... viel - bringt viel !!!

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