Es geht bergab mit den Zeitschriften, die Leser rennen in Scharen davon. Natürlich gibt es Ausnahmen, etwa Die Zeit, Brand Eins, Landlust, Neon und ein paar mehr. Warum diese positiven Beispiele keinen Einfluss bei der gegenwärtigen Zeitschriftenentwicklung haben, bleibt eine Frage, die man sich wohl erst nach dem Untergang der Zeitungs- und Zeitschriftenverlage stellen wird. Also in zehn Jahren.
Wer zu Beispiel braucht Beef, das neue Magazin für kochende Machos aus dem Hause Gruner & Jahr? Dort, in Hamburg, denkt man immer noch in den Kategorien Mann/Frau, jung/alt und arm/reich, anstatt sich den sozialen Milieus anzudienen. Grotesk, denn der Verlag hat eine erfolgreiches Beispiel für diesen Weg im Programm, die Jugendzeitschrift Neon, die viel mehr ein Gefühl und einen Zustand beleuchtet, als eine Altersgruppe. Und damit unerhört erfolgreich ist.
Beef aber braucht keiner. Zugegeben: das Blatt ist gut gemacht, optisch altbacken, aber ansprechend. Die Messer-Story ist witzig fotografiert, die Rezeptstrecken appetitlich, der Sex-Quatsch einfach nur dumm. Aber was solls, man muss ja verzeihen können. Das Heft kommt quasi inseratenfrei auf den Markt und soll sich offenbar über den hohen Kaufpreis (9,80 Euro) kostendeckend machen. Ein interessantes Konzept. Wenn es funktioniert.
Da ist der Captain, trotz hoher Auslagen für Schiff und Mannschaft, schneller im Trockenen, als die Leute bei Beef. Trotzdem wünscht sich der Captain, dass Beef überlebt. Es geht ja um Essen und Trinken, zwei in Deutschland immer noch sehr vernachlässigte Grundbedürfnisse. Groß ist besser als besser.
Nun hat Beef einen Haufen Blödsinn im Heft, aber ein Service-Segment erfüllt erstaunlicherweise alles, was sich ein Leser wünschen darf: das Dossier über Wein.
Auf fünfzehn Seiten erklärt Autor Sebastian Bordthäuser in einfachen und präzisen Sätzen die Welt der Winzer und Weine für den Einsteiger. Er schreibt über chemische Reaktionen und Terroir, über die Arbeit und die Mittel des Winzers und über die technischen Gerätschaften im Weinbau, über Schwefelung und Korkenzieher, über Weinfehler und Flaschengrößen, über Kellerwirtschaft und wie man Etiketten richtig liest. Und dann gibt er auch noch zehn Weintipps, die man gerne verbessert hätte, wiewohl man aber auch einverstanden mit der Auswahl sein kann.
Ganz wichtig aber: Bordthäuser stellt sich in den Dienst der Wahrheit und agiert gegen die Weinschwätzer, indem er die richtige Serviertemperatur predigt und auch die Glaskultur in die Reduktion zwingt. Einzige Kritik: Auch hier werden Champagner wieder in Flöten und Aperitiv- wie auch Dessetweine in schmale Gläser gezwängt. Beides ist falsch, beide Weine gehören in Gläser für leichte Weißweine.
Dennoch: das alles ist so unaufgeregt und sachlich geschrieben, dass es ein Vergnügen ist, diese Zusammenfassung des Wichtigsten zu lesen, auch wenn man eh alles schon kennt. Und Bordthäuser macht das wahr, was man sich seit Jahren wünscht: Er lässt Wein im Leben ankommen. Als Selbstverständlichkeit. Kein großes Thema mehr. Aber ein wichtiges. Schwätzerei unerwünscht.
www.beef.de (Dossier leider nicht zum Download)
Weinblogger und Experte Eckhard Supp kann meine Meinung nicht teilen und zählt klipp und klar einige Fehler dieses Dossiers auf, die der Captain der Mannschaft nicht vorenthalten will. Hier geht´s zum Artikel







Das Dossier. Informativ und gut geschrieben 



Sofort eigentümlich berührt mich, daß Männer sich gegenseitig offenbar nicht sonderlich viel zutrauen, zumuten und gönnen.
Da hätte ich als Frau schon eine etwas höhere Meinung von dem kulinarisch interessierten Mann an sich und als solches.
Der braucht keine Frau unter Anleitung (ausgerechnet auch noch) ins Bett zu kochen...sondern legt sie rezeptfrei flach und hoch, wo es gerade sinnlichen Genuß macht, oder...aber egal.
Werde mich dennoch mit falschem Schnurbart bestückt an den Zeitungsstand heranpirschen, das Magazin crashen und mir die Weinseiten reinpfeifen...werden sie hier doch so wohlwollend erwähnt.
Doch wer bei der 'Mister Beefsteak Wahl' von den Amis ausgerechnet ein Filetstück ins Rennen schickt, hat bei mir schon ein schlechtes Blatt an der Hand...
Den überzogenen Kaufpreis würde nur eine noch sehr viel ausführlichere und originellere Themenbearbeitung rechtfertigen, der so zu einer erschwinglichen Investition in ein unpretentiöses Nachschlagewerk mutieren könnte.
Aber vieleicht setzten sie auf Sieg und fetten Umsatz mit den zum Erwerb angepriesenen Produkten, oder überschätze ich ihn am Ende doch, den ganzen Kerl am Kiosk.