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Hosen runter: Burgunder!

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Ich geb‘s zu, ich bin angefixt – heillos. Lange konnte ich mich um die Weißweine aus dem Burgund irgendwie herummogeln. Nicht lange genug, wie sich herausstellte.

Eigentlich ist meine Weinsozialisation am aktuellen Dilemma schuld, denn obwohl ich immer darauf bestehe, das Trinken mit deutschem Riesling gelernt zu haben, muss ich mir doch eingestehen, dass einige der ganz großen Erlebnisse in Zeiten, als Weinetiketten für mich mehr rätselhaftes Wirrwarr als ernsthafte Kategorisierungshilfe waren, weiße Burgunder waren.

Selbstredend kenne ich aus dieser Frühzeit der Geschmackserkenntnis weder Jahrgang noch Produzent oder Lage irgendeines dieser Erlebnisse. Nur eins weiß ich: Meistens, wenn ich von einem Weißwein wirklich umgehauen wurde, meinten meine Mittrinker nur: „Tja, das ist Burgund.“

Tja, Burgund ist teuer…

Wie recht sie hatten. Ein Problem ergibt sich trotz aller Schwelgerei dann aber doch. Burgund ist teuer. Und leider, leider: Je besser, desto teurer – fast immer. Dem geplagten Portemonnaie schadet das emfpindlich und so bleibt im Grunde nichts anderes übrig, als in anderen Anbaugebieten nach Workarounds zu suchen oder die Trinkvorliebe zu wechseln. Ich habe beides versucht.

Hier und heute soll es um einen dieser Workarounds gehen, einen Wein, der vielen weißen Burgundern gleicher Preisklasse die Hosen auszieht (ganz egal ob feiner Zwirn oder Jogginghose), der aber freilich mit den ganz großen nie so recht mithalten kann. Wohl gemerkt: Ganz groß muss hier verstanden werden als „mindestens viermal so teuer“.

Was ich heute mit an Bord geschleppt habe, stammt aus dem Roussillon, einer Gegend die seit Jahren zuverlässige Anlaufstelle für das ewige Spiel Trend-Nichttrend-Trend-Nichttrend ist. Uns soll das heute egal sein, denn Trends sind uns sowieso nur dann wichtig, wenn wir sie selbst voraussagen.

Der Wein, der jetzt auf dem Kombüsentisch steht, ist der Matassa Blanc von der Domaine Matassa – auf dem durchgestylten Etikett kleingeschrieben. Und mit Punkt. Das Weingut gehört dem Neuseeländer Tom Lubbe und wurde erst 2001 gegründet. Nix mit Tradition, verstaubtem Keller und altehrwürdigem Flaschenlager. Dafür kann Lubbe aber unter anderem Erfahrung als Kellermeister bei der Domaine Gauby vorweisen. Der Matassa Blanc besteht aus 70 % Grenache Gris und 30 % Macabeo und stellt das weiße Spitzenprodukt der Domaine dar. Die Trauben wachsen in 450 Metern Höhe, was eine ungewöhnlich späte Ernte ermöglicht. Im Weinberg wird gemäß dem Gebot der Stunde biodynamisch gearbeitet.

Birne, Quitte, unfertiges Einfamilienhaus…

Ich ziehe den beeindruckenden Korken aus der Burgunderflasche und gönne dem Inhalt einige Umdrehungen im bauchigen Glas – dann geht es auch schon los. In der Nase sofort ein großer Korb frisch gepflückter Birnen, aber auch mächtig Holz und eine schieferige Würze. Nach einiger Zeit kommt noch etwas Quitte dazu. Und ein Einfamilienhausrohbau im Sommer. Das ganze in einem Tempo, das mehrere Atemzüge nötig macht, um die Aromen geordnet aufnehmen zu können.

Der Ausbau in gebrauchten Barriques ist derzeit noch deutlich zu riechen. Wer allerdings eine Holzbombe vom Typ „Neue Welt“ erwartet, wird enttäuscht sein. Mit den Jahren dürften sich die Spuren der Lagerung im kleinen Fass weiter harmonisieren.

Trotz Barrique ein eleganter Geselle

Im Mund packt der Wein direkt zu, ist kompromisslos trocken gut strukturiert. Säure, Fasswürze und Alkohol sind in idealer Balance. Die Frucht ist angenehm zurückgenommen und legt Schicht um Schicht salziger und kräuteriger Mineralität offen. Dazu kommt ein perfekter Schmelz und dichter Extrakt. Trotz des imposanten Körpers wird der Matassa Blanc nie fett oder breit, sondern zeigt, wie eleganter Fassausbau trotz deutlichem Barriquefokus funktionieren kann. Nicht ultimativ-burgundisch, aber eine gelungene Interpretation desselben Gedankens.

 


 

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