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Hier Bier: Ein Fürscht, kein Fürschterl

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Captains MaatSepp Wejwar berichtet über Biere für Weintrinker, exzellente Kreszenzen der Brauwelt. Heute: Das 1598 von Fürst Wallerstein.
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Stellen Sie sich vor, die Dame des Herzens ist endlich eingetroffen. Ein erstes Rendezvous in der Höhle des Löwen. Also in ihrer rasch aufgeräumten Junggesellenbude. Aus der alten Hi-End-Anlage tönt dezent Cooljazz, im offenen Kamin (nachträglich eingebaut) knistert ein Feuerchen: Die Dame ist ein einziges Lächeln.

Mit weltmännischer Geste rückt der Hausherr den leicht idiotisch aussehenden Seidenschal zurecht und greift in die silberne Schale, wo auf Crush-Eis eine Flasche ruht. Er blickt ihr in die Augen: „Möchtest Du ein Bier?“

Bevor Sie jetzt „Aaahhrgh – was für ein Stilbruch“ ausrufen, sollten Sie weiterlesen und erfahren, WELCHES Bier auf Eis liegt. Er hat freilich, dem Anlass entsprechend, nicht irgendein Bräu eingekühlt. Sondern etwas Besonderes, das exklusive, seltene und sauteure „1598 Fürst Wallerstein Edition Privée„. Gott, wie cool.

Das edle Getränk erfreute früher ausschließlich die Mitglieder des schwäbischen Fürstenhauses von, zu und irgendwie Oettingen-Wallerstein und ihre persönlichen Gäste. Heute, in Zeiten der abgeklärten Monarchie, darf jeder das außerordentliche Bier genießen. Jeder, der neunzig Euro ausgeben will.

So teuer, wie teurer Champagner 

Dafür bekommt er das Bier aber auch in der getönten Champagnerflasche. Der Sud für die Edition Privée wird nur einmal im Jahr von Hand angesetzt. Dies natürlich unter der persönlichen Aufsicht seiner Durchlaucht des Fürsten. Die Anzahl der Flaschen ist limitiert. Limitation ist immer ein gutes und ein schlechtes Zeichen. Gut, weil man weiß, dass hier auf Qualität geschaut wird. Schlecht, weil der Spaß teuer wird.

Im Glas ein bernsteinfarbenes Gebräu mit rotem Reflex, gekrönt von einem cremigen, elfenbeinfarbigen Schaum. Das Mousseux ist fein. Das Bier duftet zart malzig mit einem Hauch Rauch im Hintergrund. Aus dem vielschichtigen Aromen-Spektrum ragen Ingwer, Trockenfrüchte und Roggenbrot heraus. Danach noch reife Orangen und Lebkuchen. Finalisierend auch Karamell und, retronasal, eine Idee Gewürznelke und etwas Tabak. Der Antrunk ist von mittlerer Rezenz, vollmundig und ausgewogen.

Das Wasser aus der Champagne, die Hefe auch

Die Schüttung besteht aus Gersten- und Weizenmalzen von regionalen Mälzereien in Schwaben, Mittel- und Oberfranken. Der Aromahopfen kommt aus Spalt (Mittelfranken), das weiche Brauwasser und der Hefestamm aus der Champagne. Die Edition Privée wird drei Mal vergoren, das bringt Dichte und Aromenvielfalt.

Am Gaumen dann etwas weiße Schokolade, eine Nuance kandierter Veilchen und fruchtige Süße. Der Nachhall ist sehr elegant, das Bier klingt mit feinem Schmelz und einer zarten Malzbittere aus. Großartig.

Die ideale Trinktemperatur liegt bei 6 Grad Celsius, die Glasempfehlung des Hauses Wallerstein lautet: „Aus dem Süßweinglas der Serie The First von Zwiesel“. Nun ja, ich kann mir ein etwas größeres Glas vorstellen.

Der Weltmann mit Seidenschal hat selbstredend einige passende Gerichte vorbereitet, etwa Blauschimmelkäse aus Kuhmilch mit frischem Roggenbrot, Doppelrahmkäse mit Früchtebrot oder einem würzig-fruchtigem Chutney, lauwarme glacierte Hühnerleber (eher was für ihn), oder gleich einen gebratener Fasan.