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Komm zu Papa, Hector!

Komm zu Papa, Hector_ART
Winzer und Hundefreund Arvanitidis.

Xinomavro

Xinomavro

Thessaloniki, Griechenland

15,35 €

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Griechenland-Experte Ralph Urban reiste in den Norden der Weinnation und trank dort einen atemberaubenden Xinomavro, der jemand anders an Blaufränkisch erinnerte.
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Als wir vor drei Jahren bei entsetzlich heißem Wetter das Weingut Arvanitidis in Askos ca. 50 km östlich von Thessaloniki besuchten, wussten wir noch nicht, dass dieser Tag noch ein paar dramatische Augenblicke für uns vorgesehen hatte.

Im Ort Askos angekommen, begann es damit, dass wir das kleine Weingut ums Verrecken nicht fanden.

Ein Einheimischer erklärte uns in passablem Deutsch, dass wir zurückfahren müssen, dann wäre dort das Weingut. Aber wir fanden nichts.

Also riefen wir Winzer Thanasis Arvanitidis an, damit er uns im Ort abholte. Er kam und fuhr mit uns einen steilen Abhang hinauf. Kein Schild an der Straße wies uns den Weg. Auch unser Navigationsgerät wollte uns nichts offenbaren.

Nun gut, wir waren da und wurden auf das herzlichste empfangen. Ganz so wie wir es von den Griechen kennen.

Die Frau Mama kredenzte uns leckeren Käse, Trauben und Brot, während uns Thanasis seine Weine einschenkte und erklärte.

Es ging ein angenehmes Lüftchen dort oben auf der Terrasse des Weinguts. Mama Arvanitidis war immer zur Stelle, um uns zu verwöhnen, obwohl sie kein Wort Englisch verstand. Thanasis schien etwas durcheinander. Es kommen wohl nicht so häufig Ausländer zum Weingut. Dabei ist Thanasis mit einer in Griechenland sehr bekannten Önologin und Weinberaterin verheiratet.

Nachdem wir seinen fantastischen Xinomavro probiert hatten, zu dem ich weiter unten mehr erzähle, ging es zur Besichtigung der Weinberge. Auch die Mama sollte nicht fehlen. Unsere Autos standen mit angezogener Handbremse auf dem Hang.

Wir stiegen ein und alles schien seinen normalen Gang zu nehmen.

Doch dann bemerkte Thanasis, dass Hofhund Hector entwischt war. Er stieg aus dem Auto, um den Köter einzufangen. Wir dachten uns nichts dabei, aber plötzlich setzte sich das führerlose Auto samt Mama in Bewegung und rollte den Abgang herunter. Mutti schrie laut. Thanasis rannte hinter dem rollenden Auto her, sprang beherzt wie ein Cowboy hinein und riss an der Handbremse. Wir konnten aufatmen und die Weinberge besichtigen.

Weniger dramatisch aber durchaus aufregend waren die Tropfen von Arvanitidis, die wir verkosten durften. Beim Xinomavro stockte mir regelrecht der Atem.

Xinomavro heißt übersetzt sauerschwarz. Die Sorte ist in Nordgriechenland weit verbreitet. Und wirkt – wie der Name schon sagt – säurestark. Xinomavro-Weine zeichnen sich durch ihr enormes Lagerpotenzial aus.

Obwohl der Xinomavro von Thanasis außerhalb der klassischen Anbauregionen Naoussa, Amyndeo und Goumenissa angebaut wird, schmeckt dieser Wein viel besser als vieles, was ich jemals von dieser Rebsorte probiert habe.

Thanasis hat sein Handwerk im Bordelais erlernt und sein Xinomavro lässt mich das spüren.

Auf der Zunge getrocknete Tomaten und Oliven. Ultrareifer Fruchtcharakter von wilden Brombeeren und Pflaumen. Jemand aus meinem Freundeskreis verglich diesen Wein mit modernem, österreichischen Blaufränkisch. Das kann man machen, ich halte jedoch nichts davon. Die Eigenständigkeit des Weins verbietet das.

Am Gaumen schwarzer Pfeffer, Kräuter und etwas Mokka, schön eingebundene Säure. Hier stimmt einfach alles und nicht nur der Preis. Struktur, ausreichend Ecken und Kanten, Frucht, Tannine und Säure – alles in bester Harmonie. Der Xinomavro aus dem Hause Arvanitidis hat Charakter und verfügt über ein hervorragendes Tanningerüst.

Dieser Wein wird durch etwas Lagerung noch zulegen. Arvanitidis Xinomavro lädt zu einer Entdeckungsfahrt ein, die man langsam angehen sollte. Also bitte die Handbremse ziehen.

 


Datum: 14.7.2017