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Gehet hin und prügelt euch um diesen Wein

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Rheinhessen: eher langweilig, aber keine langweiligen Weine. Ganz im Gegenteil (Fotos: Weingut)
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Wie schmeckt guter deutscher Riesling, wenn es bester deutscher Riesling ist? Die Antwort kann diese Flasche geben, die einzige, die noch zu haben ist. Also nicht lange warten. Kaufen. Und so begeistert sein, wie der Captain es gestern war.
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Manchmal, in dieser manchmal langweiligen Welt des Weinverkostens, manchmal kommt so eine Flasche auf den Tisch, von der man weiß, es wird eine gute Flasche sein. Vielleicht sogar eine sehr gute. Und dann, der Wein wird geöffnet, kommt in die Karaffe, damit er schnell etwas Luft bekommt, und dann ist es kein guter, kein sehr guter, sondern ein sensationeller Wein. Wie gestern.

Gestern saß der Captain mit seinem Zahlmeister und einem der besten Feinkosthändler der Hauptstadt in einer Weinkneipe beisammen, die, nebenbei erwähnt, einer dringenden Renovierung bedarf. Die Weinkarte der Weinkneipe ist endlos lang und hat auch ältere Jahrgänge gelistet. Darunter einige Ikonen der deutschen Rieslingkunst nach 1990. Für den Captain Grund genug, immer wieder ein Auge zuzudrücken und herzukommen.

Wenn die Berliner schon nichts zusammenbekommen, keinen Flughafen, keine S-Bahn, keine Baustelle, die fertig wird; Essen und Trinken bekommen sie zusammen. Und feiern. Das können sie auch. Also hat der Captain, bevor er in den Fashion-Week-Wahnsinn abgetaucht ist, für die Runde eine seltene Flasche geordert, die er gut in Erinnerung hatte, den Riesling Morstein 2007 von Philipp Wittmann. Das Weingut Wittmann ist einer der Pioniere in Rheinhessen, die diese Massenweinregion als Herstellungsfläche auch individueller Weine bekannt machte.

Flache Hügel, fade Gegend, sensationeller Wein

Wer nun glaubt, Rheinhessen sei so schön wie die Mosel oder der Rheingau, der wird bei der ersten Anreise nach Westhofen enttäuscht sein. Die Hügel hier sind eher flach, die Gegend – mit Ausnahme des Roten Hang – meistens langweilig. Doch auch das Bordelais ist landschaftlich öde. Und die toskanische Region Bolgheri erst recht. Es kommt auf Klima und Boden an. Und auf das Können der Winzer.

Das Weingut Wittmann ist seit 2004 biologisch zertifiziert und baut auf vier Lagen an: Aulerde, Brunnenhäuschen, Kirchspiel und Morstein. Morstein ist eine sehr alte Einzellage, die sich über fast sechs Kilometer erstreckt und von tonigen Mergelböden dominiert wird, die auf Kalkfels liegen. Ideal für Riesling oder Weißburgunder.

Der Captain und sein Team tranken den Morstein aus großen Burgundergläsern, da dieser Wein unbedingt auch Luft im Glas braucht, denn er verändert sich radikal in den ersten 20 Minuten. In der Nase zuerst ein recht konkreter Geruch nach Löwenzahn, ein bisschen Sauerkraut, nach Rucola, nach Melisse. Darunter auch ein paar unangenehme Töne nach leicht faulendem Gemüse oder ausgebrachtem Naturdünger. Aber ein kräftiger Geruch, der bereits die Macht dieses Weins vermittelt.

Der erste Schluck schon eine Offenbarung der vielfältigen Größe: Haselnuss, Tabak, etwas Birne, dann Pfirsich und auch Avocado, etwas Kohlrabi, danach der obligate nasse Tabak: eine gigantische Mineralität, die punktgenau landet, wie einst Jens Weißflog in Oberstdorf.

mutiert, mutiert, mutiert, steht

Die Nase hingegen mutiert. Nach zehn Minuten deutlich mehr Frucht. Jetzt auch Stachelbeere und Ribisel. Dahinter etwas Minze und Petersilienwurzel. Deutlich mehr nussige Anklänge, die Mineralität reduziert sich auf den nassen Aschenbecher und nasse, schwere Steine. Im Mund nun noch mehr Rasse, eine stabile Säure stützt die immer deutlich vorhandenere Birne – der Pfirsich am Rückzug.

Das Wesentliche jedoch geschieht am Gaumen, beim Schluck. Der Morstein hat eine unendliche Dichte, kräftig, kompakt, aber ohne Creme. Ein Stier, der das rote Tuch hinwegfegt und den Matador aufspießt. Dieser Wein will deinen Rachen! Und er will ihn ganz!

Und er kriegt ihn ganz. Wittmanns Riesling Morstein aus 2007 ist der beste Beweis, dass auch die trockenen deutschen Rieslinge zu den besten Weißweinen der Welt gehören. Dieser Wein symbolisiert das Alleinstellungsmerkmal. Und es ist kein Wunder, dass nur noch ein Flasche am Markt ist. Der Schnellere gewinnt.

Ab in den Keller

Die Langsameren können den ebenfalls hervorragenden 2011er bestellen. Aber wehe, sie öffnen ihn schon jetzt! Das wäre Mord. Dieser Wein gehört in den Keller. Mindestens 5 Jahre lang. Und dann wird er alle zur Begeisterung rufen. So, wie das sein Kollege aus 2007 gestern getan hat. Was für ein Schluck.

 


 

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