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Fingerzeig: besser, wenn größer

vernatschzwei
Küblbeck macht keinen Spaß: Auch kleiner Wein gehört ins große Glas...
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Maat Florian Severin Küblbeck II. von Sachsen-Anhalt-Hannover-Gotha unterweist die Unwürdigen am Schiff, dass es eines großen Glases bedarf, wenn man auch kleine Weine genießen will. Der Captain schweigt in Demut und räumt sein Chianti-Glas beiseite.
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Große Weine brauchen große Gläser. Ein Postulat, das man an Bord immer wieder hört. Die Erkenntnis, dass ein Gevrey-Chambertin wenig bis keinen Spaß macht, wenn er aus einem Sektglas getrunken wird, ist mittlerweile in jeder Dorfkneipe angekommen (wenn diese einen Weinkeller hat). Dass auch – und gerade – große Weißweine in einem so genannten Weißweinglas (oder auch in Captains Chaintiglas) nicht zu ihrer vollen Geltung kommen, wissen immerhin schon viele Sommeliers. Und dass ein Riesling Grosses Gewächs mitunter in ein bauchiges Burgunderglas gehört, erkennen zumindest jene, die sich mit den Auswirkungen verschiedener Volumina beschäftigt haben. Was aber ist mit den vielen kleineren Gewächsen, die all zu oft in kleinen Gläsern schnell gegen den Rand schwappen?

Ich behaupte, dass es keinen Wein gibt, der in einem kleinen Glas auch nur im Ansatz gewinnt. Im Gegenteil: Auch für den kleinen Wein muss es ein großer Kelch sein, um ihn richtig einschätzen zu können.

Einerseits lassen sich Wein- oder Korkfehler im großen Glas wesentlich einfacher feststellen – denn wenn es schon nach Fehler stinkt, dann gleich richtig. Andererseits schmecken die meisten kleinen Weine auch in einem großen Glas nicht bedeutungsloser, als in einem kleinen. Jene Weine, die nur aus dem kleinen Glas schmecken, kann man sich sparen. In einem Aufwasch mit Weißweinen, die nur eiskalt trinkbar sind.

Ideal mit großer Wampe

Ein ideales Allroundglas wäre demnach ein nicht übertrieben bauchiges Burgunderglas, wie etwa jenes aus der Vinum-Serie von Glas-Guru Riedel. Oder das vergleichbare Modell aus der genialen Zalto-Manufaktur.

Den Beweis dafür lieferte kürzlich eine Absackerflasche, getrunken nach einem Haufen guter Pinots, getrunken aus dem Burgunderglas von Zalto. Diese Absackerflasche war allerdings kein Pinot – den man seit Gerhard Retters regelmäßigen Videoverkostungen an Bord auch gerne „Bino“ nennen darf – sondern ein Vernatsch, der Quasi-Trollinger und Lieblingsmittagsschoppenwein aus Südtirol. Dieser Wein soll ins Burgunderglas?

Aber sicher soll er. Vor allem, wenn es der richtige Vernatsch ist. Ein Vernatsch, der dieser Glas ohne Murren des Trinkers verträgt, ist der Vernatsch „Galea“ der Kellereigenossenschaft Nals-Margreid. Die Jahrgänge 2009, 2010 und 2011 wurden jeweils im großen, gebrauchten Holzfass ausgebaut. Durch die sehr ähnliche Behandlung lassen sich die unterschiedlichen Profile der drei Jahre perfekt ablesen. Derzeit macht der 2009er am meisten Spaß.

Zunächst tranken wir ihm im kleinen Glas, wo er sehr sortentypisch rüberkam, ohne dabei so leichtgewichtig zu sein, wie es die Sorte gemeinhin verspricht. In der Nase Marzipan und Himbeere, Mandelhaut und etwas nasse Blumenerde. Das wars.

Was man aber alles ahnungslos überschnuppern könnte, zeigte sich, als dieser Vernatsch im großen Burgunderglas landete: Viel Rauch, die Würze von Lardo, etwas Ziegelstaub – die Himbeere rückt in den Hintergrund und ist den mineralischen Noten mehr Anker als Segel. Mit der Zeit kommen noch nasse Flusskiesel dazu. Im Mund bleibt der Wein immer straff und schlank, mit einer strukturgebenden Säure und nicht übermäßig langem, aber überzeugendem, balsamischem Abgang.