Eine Fahrt durch die Republik. Sternerestaurant hier, Weinstube dort. Überall das Gleiche. Die gleichen Rieslinge von der Mosel, aus der Pfalz, aus dem Rheingau und aus Rheinhessen. Die immergleichen Silvaner und Weißburgunder aus Franken. Die gleichen Spätburgunder aus Baden. Die gleichen namhaften Italiener und Franzosen, die man einfach auf der Karte haben muss. Gäähhn. Wie langweilig.
Es gibt auch Weinbücher, die sind so dick, dass man den schwitzenden Fleischfresser vom Nebentisch damit erschlagen kann. Und was findet der Captain in diesen Nachschlagewerken? Zehn Weine aus dem Bordeaux, von jenen aber alle Jahrgänge, zurück bis 1945. Doch einen feinen Cru Bourgeois aus einem trinkbaren und aktuellen Jahrgang, etwa einen Sociando Mallet 2001 oder einen Meyney 1999 (beide Weine waren früher gerne Gäste auf deutschen Weinkarten), kann der Captain nicht finden. Nur Mouton, Lafite, Petrus, Le Pin, etc.. Verkauft das? Selten.
Bevor jetzt das Stöhnen und Jammern über dieses Gejammere beginnt, soll vor der Mannschaft festgehalten werden, dass die Weinauswahl in deutschen Restaurants heute viel besser ist, als sie vor Jahren war. Dass man Händlern, wie etwa Wein & Glas, dankbar sein muss, dass sie sich nach neuen und interessanten Winzern umgesehen haben. Und dass sie das immer noch tun. Aber die alleine können den Markt nicht aufarbeiten und repräsentieren.
Zu viele Sommeliere und Sommerliers verlassen sich auf das Angebot der Händler. Und bestellen gleich dort. Kaum ein Mtarbeiter eines Restaurants fährt heute noch durch die Weinregionen und kostet vor Ort. Das hat vielerlei Gründe. Der wichtigste Grund ist die allgemeine Terminknappheit. Alles geht, doch alles hat keine Zeit.
Selbst bei Zusammenfassungen wie etwa der Gutswein 2009 in Berlin, kommen fast nur noch Händler. Bis auf wenige Sommeliers bekannter Berliner und Hamburger Betriebe konnte der Captain nur Einkäufer und Journalisten ausnehmen. Und die strömten zu allererst zu den prominenten Produzenten. Manch einer sah sich mit seinen guten Weinen in die zweite Reihe gestellt. Das Fazit des Captain: Händler und Sommeliers machen es sich zu bequem.
Ein Besuch in der Pfalz. Bei einem Winzer, der nicht genannt werden will, der aber heuer schon drei Preise gewonnen hat und auch die Jahre zuvor Auszeichnungen sammelte. Sein einfacher, sehr feingliedriger und eleganter Riesling kostet ab Hof 4.50 Euro, die Auslese 13.90 Euro. Beides sehr gute, sehr konsumentenfreundliche Weine. Doch er wird nicht alle davon verkaufen.
Denn die großen Händler machen einen Bogen um ihn. Nicht freiwillig, denn auch die großen Händler haben zu wenig Personal, alles zu verkosten, was der Markt anbietet. Da geht man lieber zu den sicheren Adressen, wo man weiß, was man kriegt. So verkauft unser Winzer eben nur im regionalen Markt, denn dort kennt man ihn und mag seine Weine. Ein interessierter Trinker in Berlin oder Münster wird die interessanten Flaschen folglich nicht zu Gesicht bekommen. Es sei denn, er fährt in die Region. Manche meinen, das sei sowieso besser.
Schuld, so sagen viele Händler, trage aber auch der Konsument, dem das Interesse an neuen Regionen abhanden kommt. Noch vor Jahren konnte der Wein gar nicht neu und exotisch genug sein. Heute kauft man das, was man kennt. Und in der Krise auch davon weniger. Warum sich also abmühen, wenn es sowieso meistens die gleiche Weine sind, die man sicher verkaufen kann.
So bleibt es die Aufgabe einiger weniger für Abwechslung zu sorgen. Beispielhaft hierfür sind die Betreiber der Restaurants Reinstoff und Zander in Berlin. Bei Reinstoff konzentriert man sich kompetent und umfassend auf spanische Weine. Das Zander bietet eine vom persönlichen Geschmack der Einkäufers getragene Auswahl deutscher Weine an, darunter auch unbekannterer Produzenten.
Oder das Szenerestaurant Skopik & Lohn in Wien, das eine der besten und interessantesten Weinkarten Österreichs hat. Nur etwa 60 Flaschen aber jede einzelne interessant. Und keine über 50 Euro teuer. Denn das, was hier über die deutschen Weinkarten steht, gilt freilich auch für Österreich. Auch beim Nachbarn im Süden scheren sich wenige Händler und noch weniger Sommeliers um neue und gute Winzer. Der Verdrängung der "alten Hasen" gelingt den neuen Winzern nur über den Preis. So keltern die Promi-Winzer in Österreich eben billigere Weine für den Massenmarkt. Und sind wieder obenauf. Der Captain bedauerts. Und fordert mehr Abwechslung.







Die Flaschen sind da, jetzt wird gefüllt. Aber wann kommt der Bus mit den Leuten, die das interessiert? 






Das Problem fängt schon früher an: der Weinkonsum in deutschen Restaurants ist wesentlich geringer als z.B. in Ö, F oder im Süden. Und gerade in der Top-Gastronomie gibt es unter den verbliebenen "Weinfreunden" viele Prestigetrinker, also muss es halt Weil oder Prüm oder v. Buhl sein. Umso mehr bewundere ich Gastronomen, die abseits der ausgetretenen Pfade spannende Weine für ihre Kunden finden. Das Risiko ist nicht zu unterschätzen: die Weine müssen kommuniziert und verstanden werden, und da beginnt's schon wieder zu kranken. Also bleibt man bei Blue Chips im gehobenen und bei Pinot Grigio im Einstiegsbereich.