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Deutschland / Franken



Das große Alleinstellungsmerkmal der fränkischen Winzer ist zunächst einmal optischer Natur, denn ein Großteil der Weine wird – sehr zum Kummer der Weinlogistiker – in den traditionellen bauchigen Bocksbeutel-Flaschen abgefüllt. Natürlich gibt es auch in Franken alle möglichen Rebsorten. Mengenmäßiger Spitzenreiter ist der Müller-Thurgau, dessen Anbau unter qualitativen Gesichtspunkten in den meisten Fällen schlicht eine Verschwendung von wertvollen landwirtschaftlichen Nutzflächen darstellt.

Viel wichtiger ist allerdings, dass sich die Franken nach Jahren der relativen Geringschätzung wieder auf ihr großes Pfund besonnen haben: Würzig-trockener und dennoch fruchtbetonter Silvaner. Alkoholbomben sind auf dem Rückzug und auch bei der Restsüße wird jetzt wieder mehr auf die Bremse getreten – beides Entwicklungen, die dieser Rebsorte sehr zu Gute kommen. Wer versucht, Überseewein-sozialisierte Baccusjünger mit entsprechend gestyltem Silvaner einzufangen, wird hoffentlich scheitern, denn das hat diese bereits 1659 in Franken urkundlich erwähnte Varietät nicht verdient.

Ohnehin wurde der Silvaner arg gebeutelt. Bis in die 70er Jahre belegte die Sorte noch über 30 Prozent der deutschen Rebfläche, 2010 betrug der Anteil nur noch 5,1 Prozent. Doch die Franken halten die Silvaner-Fahne mit einem Anteil von 21,8 Prozent noch richtig hoch-und das mit steigender Tendenz.

Der klassische Silvaner der Region ist „fränkisch-trocken“, mit einem Restzuckergehalt von maximal drei Gramm pro Liter und somit deutlich unterhalb der Grenzwerte des deutschen Weinrechts. Das lässt sich nicht mehr konsequent durchhalten, aber dennoch geht es wieder ein wenig in die Richtung. Ein guter fränkischer Silvaner ist ausgeprägt mineralisch und fast schon ein wenig „staubig“ im Mund. Oft findet man Mirabelle und Stachelbeere am Gaumen, aber niemals dominant, sondern stets eingebettet in florale, würzige Noten bis hin zur Andeutung von Heu. Mehr als 13 Prozent Alkohol verträgt er nicht sonderlich gut, wie der entsetzliche „Jahrhundertjahrgang“ 2003 eindringlich bewiesen hat.

Während „halbtrockene“ und anderweitig missgestaltete Silvaner zu vernachlässigen sind, haben einige Winzer mittlerweile das Potenzial der Sorte für edelsüße Weine entdeckt und kultiviert: Soviel konzentrierte Birne hat man wohl sehr selten im Mund.

Auch in Franken gibt es bekannte Spitzenlagen. U.a. in Würzburg, Escherndorf und Casstell. Nicht vergessen sollte man, dass es Franken auch viele gute Spätburgunder gibt, und Riesling können die übrigens auch. Doch der Silvaner ist und bleibt nun mal der wichtigste Beitrag dieses Weingebiets zur deutschen und hoffentlich verstärkt auch internationalen Weinkultur.



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