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Douro: Mund auf, Ohren zu!

Dirk-Niepoort-pic-1 Stets ins rechte Licht gerückt: Dirk van der Niepoort. Foto: niepoort-vinhos.com

Fabelhaft Tinto

Fabelhaft Tinto

Niepoort, Portugal

8,95 €

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Sturmlotse Rainer Balcerowiak geht das PR-Geschwätz im Dienste einiger Winzer auf den Keks. Dass es sich trotzdem lohnt, manch tumb beworbene Flasche aufzumachen, beweist Dirk van der Niepoort.

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Klappern gehört zum Handwerk. Und natürlich wird kein Winzer in Werbematerialien von sich behaupten, dass er eigentlich ein zutiefst durchschnittlicher Mensch ohne besondere Eigenschaften sei, der recht brauchbare Weine herstelle.

Dirk van der Niepoort und der hinter ihm agierende PR-Apparat hauen arg laut und heftig auf den Bolzen. Unter „Querdenker" und  „Kultwinzer"  läuft da wenig. Seit Jahren wird van der Niepoort nicht nur in Fachzeitungen als eine Art Lichtgestalt des Douro abgefeiert. Der vielsprachige, eloquente Weltenbummler hat zudem ausgesprochene Performerqualitäten, die auf seinen Präsentationen zu bestaunen sind.

Nicht nur optisch erinnert Niepoort stark an sein deutsches Pendant Reinhard Löwenstein. Und falls der Portugiese mit niederländischen Wurzel in seiner Quinta einen Trophäenschrank hat, dürfte der prall gefüllt mit allerlei Medaillen sein, die er für seine Port- und „Tischweine", wie man nicht gespritete Weine in Portugal nennt, abgeräumt hat. Doch derlei Lobhudeleien sollte der aufgeklärte Weinfreund stets mit einem gesunden Misstrauen begegnen. Denn entscheidend ist beim Fußball die Leistung auf dem Platz und beim Wein halt die im Glas.

Laber nicht, komm zum Wein!

In meinem befindet sich gerade ein Niepoort-Wein. Und zwar der 2008er Fabelhaft, eine seit 2002 jährlich abgefüllte Cuvée. Die speziell für den deutschsprachigen Markt gestylte Flasche ist mit Motiven aus der Fabel vom weinseligen Ende des Raben Huckebein von Wilhelm Busch geschmückt. In anderen Ländern wird dieser Wein mit Namen wie „Diálogo", „Conversa", „Berek" „Allez Santé", „Drink Me", oder „Alonso Quijano" vermarktet - „unter Berücksichtigung der Besonderheiten der jeweiligen Zielmärkte",  wie es auf seiner Homepage heißt.

Und dann wird es überraschend platt: "Dieser Wein symbolisiert Lebensfreude, gutes Essen, gute Freunde, das süße Leben, ein eleganter Wein voller Vergnügen, der das Douro-Anbaugebiet repräsentiert".

Aua! Fast noch schlimmer die Laudatio zur Wahl zum „Wein des Jahres 2009" durch eine renommierte Weinzeitschrift. "Es gibt wohl keinen zweiten Rotwein, der so perfekt verkörpert, was einen Spitzenreiter unter den 100 Weinen des Jahres auszeichnet: sehr gute Qualität, breite Distribution, exzellente Bekanntheit, die schon fast an den Kultstatus heranreicht, geniales Packaging".

Noch Fragen? Wie gesagt: die Entscheidung fällt im Glas - und natürlich auf der Rechnung.

Keine Panik: der Fabelhaft kostet knapp unter zehn Euro. Und das ist wirklich nicht der einzige positive Aspekt dieses Weins. Die Cuvée aus den autochthonen portugiesischen Rebsorten Touriga Franca, Touriga Nacional, Tinta Roriz, Tinta Amarela und  Tinta Barroca - und jetzt vergesse ich mal meinen Ärger über das PR-Geschwurbel - macht einfach einen Riesenspaß. Satte, opulente Kirschfrucht, feste stimmige Struktur, mineralische Noten, feine, noch etwas kribbelige Säure, frische Kräuter und schließlich gar noch ein wenig bittere Schokolade. Erst im Abgang meldet sich das dezent eingesetzte neue Holz (20 Prozent des Weines haben einen 12-monatigen Barriqueausbau hinter sich) mit ein wenig Eichenaroma.

Deutlich wird dabei allerdings, dass hier ein möglichst schnell trinkreifer Wein produziert werden musste. Die für viele gute portugiesische Weine typischen schrillen Jugend-Tannine (welche gleichzeitig ihr großes Alterungspotenzial ausmachen) wurden offenbar gründlich abgeschliffen.

Dem schieren Trinkspaß tut dies keinen Abbruch. Und wem Portugals Rotweine bislang noch recht unübersichtlich bis unheimlich erschienen (siehe Hinweis hier ganz unten), dem kann dieser Wein eine Tür öffnen. Zum Essen (pikante Grillwürste, Bohneneintöpfe, Schinken) ist er auch ein richtiger Knaller. Und das Hirnschmalz von Niepoorts PR-Abteilung müssen wir uns dazu ja nicht aufs Brot streichen lassen...

Hier am Schiff gibt es für Portugal-Fanseine lesenswerte Serie von Maat Sigi Hiss:

   


 

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