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Deutsche Lagen: Petting mit Pettenthal

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Stylemaat Florian Küblbeck poliert seine Manschettenknöpfe und zwei Flaschen aus Rheinhessen, aus einer Lage, die zu den besten Deutschlands zählt. Große Weine aus zwei völlig unterschiedlichen Jahrgängen. Noch dazu um kleines Geld.

Rheinhessen - unendliche Weiten. Das Star Trek der deutschen Weinbaugebiete. Ich muss sagen, ich finde nicht vieles reizvoll, was aus Rheinhessens Weinbergen kommt. Raunzvoll ja, reizvoll nein. Einige Weine allerdings haben Qualität, wie selten was in Deutschland; Qualität, die den deutschen Weinbau extrem vorangebracht hat. Und diese Weine kommen aus bekannten, großartigen und lange unterschätzten Lagen.

Der rote Hang ist so eine Ansammlung großartiger Lagen. Und eine dieser Lagen ist für mich Garant exzellenter Weine: die Lage Niersteiner Pettenthal. Ihr Boden aus rotem Ton und Sand, kurz „Rotliegender" genannt, sorgt dafür, dass die Reben besonders tief wurzeln und extrem mineralische und saftige Weine mit eleganter Struktur und milder Säure hervorbringen. Und um zu beweisen, dass das alles mehr ist, als blödes Marketing-Geschwätz, habe ich auf das Schiff diesmal ausschließlich Rieslinge aus der Lage Pettenthal mitgenommen. Diesmal aus meinem eigenen Keller.

Die ersten beide sind zwei trockene Kabinettweine. Trockene Kabinettweine? Ja richtig, hier pfeift schon wieder ein Winzer auf die VDP-Ordnung aus Gutswein, Ortswein und und Lagenwein. Auf dem Tisch stehen zwei Flaschen Nierstein Pettenthal Kabinett von Konstantin Guntrum (Weingut Louis Guntrum). Einmal aus 2010. Und einmal aus 2011. Wie schlägt sich ein und dieselbe Lage in zwei so vollkommen gegensätzlichen Jahrgängen?

Rheinhessen ist nicht Rheingau

Der Winzer Guntrum bedarf eigentlich keiner Einführung mehr, er keltert seit Jahren trockene Riesling-Spätlesen aus den Lagen „Oppenheimer Sackträger" und „Niersteiner Ölberg". Guntrum unterstützt die Klassifizierungen Ortswein - Gutswein - Erste Lage, glaubt aber, man sei in Rheinhessen noch nicht so weit wie im Rheingau, wo die Bezeichnung „Erstes Gewächs" prinzipiell jedem Weingut offensteht. Zudem exportiert Guntrum drei Viertel seiner Produktion ins Ausland, wo Prädikate wie Kabinett oder Spätlese nach wie vor Stand der Dinge sind - alle Bemühungen um das Marketing des trockenen deutschen Rieslings dahingestellt.

Das restliche Viertel von Guntrums Produktion findet bei deutschen Kunden reißenden Absatz, vor allem bei jenen, die das Kontinuum einer langen Tradition von Prädikaten schätzen - sei es im trockenen oder im restsüßen Bereich. Bei aller Liebe zum Althergebrachten verschließt man bei Guntrum den Großteil der Flaschen inzwischen mit Stelvin. Das wird die Korkgegner hier freuen.

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Der 2010 Nierstein Pettenthal Riesling trocken Kabinett ist im Glas eher blassgelb - dunkel ist aus dem Jahr selten was. In der Nase unverkennbar 2010: hohe Säure, ausgezehrter Körper, aber eine enorme Frische. Am Gaumen Holunderblüte, kandierte Mandel und Brausepulver. Doch kein Indiz, das auf die Lage hinweist. „Blind" getrunken würde man diesen 2010er eher an der Mosel verorten. Und um das Kind beim Namen zu nennen: Die Ähnlichkeit mit dem 2010 C.A.I. Riesling von Immich-Batterieberg ist nicht von der Hand zu weisen - trotz lediglich sieben Gramm Restzucker bei fast neun Gramm Säure.

Die innere Spannung des Weins ist mit der Zunge zu greifen, nicht aber der Alkoholgehalt von moderaten 11,5 % Vol. Wie so oft bei 2010: Lagern lohnt sich!

Ganz anders dann der 2011er Kabinett. Schon im Glas ein strahlendes Grüngelb. In der Nase Kräuterwürze, saftiger weißer Pfirsich und getrocknete Ananas. Dazu die typische Pettenthal-Aromatik, also Rosmarin und steinige Mineralität.

Positiv, positiv, positiv

Der positive Eindruck setzt sich am Gaumen fort, wo der Wein mit mittlerem Körper, saftiger Frucht und perfekt balancierter Säure punktet. Natürliche Säure im natürlich säurearmen Jahr. Im Gegensatz zum 2010er ist dieser Wein schon jetzt präsent und bringt auch mehr Alkohol (12,5 % Vol.) ins Spiel. Und eine nahezu dramatische Würze.

Nach etwa einer Stunde rieche ich ganz viel grüne Haselnuss und rohe Garnelenpanzer. Im Mund wird der 2011er Pettenthal nun immer kräutriger und besticht mit einem tollen Schmelz. Am nächsten Tag mischt sich zu aller Potenz noch etwas kalter Zigarettenrauch hinzu und macht den Wein nahezu perfekt. Ein Kabinett? Mag sein. Ein grandioser Wein? Ganz sicher.



  • Beide Pettenthal Kabinett gibt es für 8,10 Euro ab Weingut. Einen so guten Jahrgangsvergleich kriegt man selten für derart geringes Geld.




 

 


 

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