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Der Urlaubsflirt, daheim nur Plörre

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Das ist jeden von uns mal geschehen. Und auch der Captain hat seinen heißen Urlaubswein einst kistenweise aus Italien hochgeholt. Nur zu Hause wollte das Gesöff nicht schmecken. Warum nur? Warum?
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Das haben wir alle mal erlebt. Der Urlaub mit den Eltern in Rimini, dort den lässigen Gianni oder die fröhliche Gianna kennen gelernt, geflirtet, verliebt, herumgemacht, heimgefahren, Brieffreundschaft gepflegt, Besuch in Deutschland bekommen, Herzklopfen gehabt, große Enttäuschung erlebt. Und dann die Frage: Warum hat die Urlaubsliebe nicht gehalten? Die Antwort gab Dr. Sommer in der Bravo: Weil Du auf Urlaub warst. Und im Urlaub ist alles anders.

Wir haben es alle mal erlebt. Und werden trotzdem nicht klüger. Da sitzt man in der Hitze im Strandrestaurant unter dem Sonnenschirm und trinkt einen unglaublich leckeren, spritzigen, knochentrockenen Weißwein, der zu dem köstlichen Branzinofilet serviert wird, das vor Minuten noch gemeinsam mit Oliven und Tomaten im Ofen schmorte. Man lehnt sich zurück, schaut auf das Meer, hört die Wellen, das quietschvergnügte Schreien der Badenden. Und ist einfach nur glücklich. Wie heißt der Wein zu diesem Glück? Ah, ein Galestro aus der Toskana. Von dem kann man sicher ein paar Flaschen mitnehmen. Oder haben die den Wein sogar bei uns im Supermarkt?

Daheim in Bielefeld oder Berlin, zu Hause auf der Couch oder in der Küche, schmeckt dieser leckere Galestro aber völlig anders. Man traut es sich fast gar nicht sagen: Der Wein rinnt wie säuerliches, leicht parfümiertes Wasser die Kehle runter. Langweiliger geht's nicht!

Durstlöscher! Sonst nichts

Das ist auch kein Wunder, denn der alkoholarme Weiße, meist in der gleichnamigen Region aus Trebbiano-Trauben gekeltert, ist bloß ein Durstlöscher in großer Hitze. So verstehen ihn auch die Italiener und lassen am Ende der Badesaison die Finger von den Flaschen. Denn bei weniger als 30 Grad schmeckt der Galestro als hätte man weiße Schulkreide in Traubensaft aufgerührt.

Enttäuscht wird man aber nicht nur vom ausdrucksarmen Trebbiano. Auch ein kräftiger Vermentino aus Ligurien, oder ein rustikaler Rosato aus Veneto, Umbrien, oder den Marken, kann im deutschen Heim nicht halten, was er unter gleißender Sonne versprach. Oft weckt der Wein nicht einmal das Urlaubsgefühl, das man schmerzlich vermisst. Da tröstet auch der kleine Preis nicht darüber hinweg, den man vor Ort bezahlte, als man die drei Kartons noch auf den Rücksitz presste.

vor Ort ist vor Ort

Dieses Dilemma stellt sich nicht nur bei Weinen großer Kellerein ein, wie etwa beim bekanntesten Strandwein der Welt, dem „Vina Sol" der spanischen Familie Torres; dieses Dilemma betrifft auch Weine kleiner und individueller Winzer, die vor Ort aus regionalen Trauben anständige Trinkweine keltern, die eben nur vor Ort so schmecken, wie sie schmecken sollen.

Und selbst der leicht süßliche Nero di Avola, der vollmundige Chianti-Classico, oder der fruchtig-feurige Tempranillo, den man am lauen Abend im Freien bei Kerzenschein trinkt, wird zu Hause nur mehr einen Abklatsch seiner selbst darstellen. Daran trägt nicht nur die fehlende Urlaubsromantik Schuld, sondern einfach das andere Klima, oder der unterschiedliche Luftdruck.

Und doch gibt es Weine aus einer Urlaubsregion, die man unbedingt mitnehmen sollte, denn sie enttäuschen weder dort noch hier. Ich spreche von Weinen aus der südfranzösischen Region Pic St. Loup, die von Perpignan bis St. Tropez in großer Vielfalt ausgeschenkt werden. Pic St Loup ist ein felsiges Terroir voll Steinen und Kreide, das trotz geringer Größe mit einigen Mikroklimata glänzen kann.

Individuell salzig

Das ergibt sehr individuelle und würzig-salzige Rotweine, wie den „Grand Terroir" des ehemaligen Rugbyspielers und Frauenschwarms Gérard Bertrand, eine Cuvée aus Syrah, Grenache, Carignan und Mouvédre. In der Nase Rosmarin, Salz, Himbeere, Cassis und Pflaume; im Mund würzig-mineralisch und mit einer frischen Säure ausgestattet. Etwas kälter trinken, dann erinnert der Wein an eine frische Brise die auf heiße Erde trifft.
 


 

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