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Der Riesling der Japanerin

tokyoeins Tomoko Kuriyama: Verantwortlich für einige der besten deutschen Rieslinge. Da staunt man...
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Der Captain wagt gerade mal wieder ein, zwei Tänzchen mit 2010, seinem liebsten Hassjahr. Zum gefühlt dreimillionsten Mal. Und da der Captain wie immer solche Versuche extragründlich (von den Notizen abgesehen) macht, bleibt für uns Maate eigentlich nichts Nennenswertes aus 2010 zu trinken übrig. Ganz so schlimm ist das allerdings auch wieder nicht, ergibt sich mir dadurch immerhin die Gelegenheit einer ersten Rückschau auf 2009. Und auf die einfacheren Weine aus diesem Jahr.

Die einfachsten sollten freilich schon ausgetrunken sein, wenn man nicht auf abgefahrene Experimente mit hohem Ausschussfaktor steht. Bei den besten Guts- und vielen Ortsweinen allerdings fängt es jetzt - jenseits der Primärfrucht - allmählich an, so richtig spannend zu werden.

Einer dieser Weine, die sich gerade in einem grundlegend aromatischen Umbau befinden, ist der Riesling „Grauschiefer" vom hier an Bord bereits mehrfach diskutierten Weingut Altenkirch im Rheingau. Das ambitionierte Gut war in der Vergangenheit nicht nur wegen seiner Weine Liebling der Presse, sondern vor allem wegen seiner sympathischen japanischen Weinmacherin Tomoko Kuriyama. Zu oft sind ihre Weine aufgrund der mitunter einseitigen Berichterstattung (die sich mehr auf die Person als ihre Produkte konzentrierte) ins Hintertreffen geraten.

Altenkirch hoch im Kurs an Bord
Nicht mit mir, denke ich, und schleppe einige Flaschen des einfachen Riesling „Grauschiefer" an Bord. Einfache Altenkirch-Weine scheinen derzeit hoch im Kurs sein, Maat Golenia schwört unter anderem auf den Spätburgunder. Im Kombüsenkühlschrank ist neben den letzten 2010ern - die der Captain für sich reserviert hat - noch ein Eck frei. Und so harre ich der richtigen Temperatur meines Versuchsobjekts.

Da ich den Wein nicht schickimicki-gastro-kalt (also kurz vor dem Gefrierpunkt) trinken will, hält sich die Wartezeit in Grenzen. Ein Glück, dass der Captain in Sachen Equipment zwar vieles für Unfug hält, für die wirklich wichtigen Dinge, wie einen Weinschrank, aber auch gerne den einen oder anderen Taler mehr ausgibt.

Also flugs den dunkel mattierten Schrauber von der gestylten Flasche gedreht und ab ins Glas mit dem Wein. Mich erwartet ein strahlend kräftiges Weißgelb mit zarter Randaufhellung. In der Nase ist bereits eine leichte Reife zu vernehmen. Zur klar herausgearbeiteten Pfirsichfrucht, mit der der Wein bereits in seiner Jugend beeindrucken konnte, gesellen sich jetzt zarte Noten von Honig, Bienenwachs und Fichtennadeln. Dazu eine flackernd auffällige Schiefermineralik.

Im Mund macht sich der Wein dann deutlich frischer als die Nase zunächst vermuten lässt. Hier ist keine Spur von Ermüdung zu schmecken, der „Grauschiefer" zeigt nach wie vor viel Druck am Gaumen und einen langen Nachhall. Die Säure ist präsent, aber gut eingebunden, der Alkohol (12,5 % vol.) ist auch bei der gewählten höheren Trinktemperatur kaum zu spüren. Der Wein hat Biss, Balance und Bumms. So wie es sein muss.

Japanerin mit Anspruch
Hier merkt man deutlich den Willen, einen Wein mit Anspruch zu keltern, der sich trotzdem in jeder Phase seiner Reifung leicht erschließen lässt. Ein Verständigungswein gewissermaßen, der den fortgeschrittenen Trinker nicht langweilt, aber gleichzeitig den Anfänger nicht überfordert. Und: ein Wein, der hervorragend zu vielen Gerichten passt.

Wie gut, dass ich ich in weiser Voraussicht bereits einige Filetmedallions vom steirischen Weideochsen in eine Marinade aus Olivenöl, Rosmarin und Knoblauch eingelegt hatte, die jetzt auf den Grill wandern. Dazu noch einige Scheiben selbst angebaute Zucchini und die Welt ist in Ordnung.

Die Mannschaft ist zwar noch nicht so ganz davon überzeugt, dass man in Hemd und Krawatte wirklich gut kochen kann, aber das ficht mich wenig an. Die Kombination (das Essen, nicht die Kleidung) weiß jedenfalls zu überzeugen und so wandern die übrigen Flaschen des „Grauschiefer" ebenfalls noch in die Kühlung. Kartoffeln gibt es allerdings nicht dazu, sonst wird‘s eng mit dem neuen Maßanzug.
 


 

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