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Cremeschnitten für Mally

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Gestatten, Leopold Uibel. Könnte auch als DJ oder Berliner Galerist durchgehen. (Foto: uibel.at)
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Obermaat Mally ist wieder mal auf Entdeckungsreise im Weinviertel und nimmt uns zwei Weine von Leopold Uibel mit, den wir schon kennen. Nicht jedoch diese 2 Grüne Veltliner, die Mally ganz sentimental machen.
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Hand aufs Herz, ich liebe das Weinviertel. Das wissen auch viele Winzer vor Ort. Auch hab ich hier an Bord schon oft über sie berichtet. Man konnte zum Beispiel von Herbert Zillinger, von Hardegg und von vielen anderen lesen.

Weinviertel ist toll und qualitativ auf der Überholspur. Trotzdem ist es wegen seiner Größe schwer einschätzbar und das ist auch logisch. Falkenstein im Nordosten Niederösterreichs hat mit dem Terroir von Röschitz im westlichen Weinviertel so viel zu tun, wie der Teufel mit dem Weihwasser. Klima, Böden, es ist einfach alles anders.

Es stellt sich nicht die Frage, welche Subregion des Weinviertels nun die beste ist. Sie haben alle ihren eigenen Reiz. Im Moment sprechen mich die Weine aus dem Westen am meisten an. Ich mag ihre knackige, mineralische Art. Dies bürgt jedoch nicht dafür, dass mein Geschmackskosmos morgen schon wieder ganz anders aussieht.

Einer von dort, dessen Weine mir besonders gut schmecken, ist Leopold Uibel. Uibel ist kein unbekannter Mann mehr. Man hat hier schon einmal von ihm berichtet. Und auch angekündigt, von den „gigantischen Veltlinern“ Uibels zu erzählen.

Derjenige, welcher uns Uibel vorgestellt hat, ist inzwischen nicht mehr an Bord. Deswegen mache ich damit weiter. Potenzial hat der Mann auf jeden Fall noch für viele Geschichten.

Uibel, der Name steht für eine inzwischen 150-jährige Familientradition im Weinbau am Köhlberg in Ziersdorf im Schmidatal. Hier macht Uibel auf 7 Hektar Fläche Wein. Er tut es nach folgendem Motto: „Ich mache, was ich will und das ist gut so.“

Der Köhlberg ist eine Lage, in der Wein zum Teil in Hanglagen aber auch auf Terrassen angebaut wird. Eine der spannendsten Lagen am Köhlberg ist die Riede „Hundsberg“. Eine Kalkbank mit Lehm- und Lössauflage, in die sich die Rebwurzeln bohren. Wegen der Hanglage sind die Bodentypen jedoch sehr unterschiedlich. Sand, Kies, Lehm – alles vorhanden und ohne Zweifel komplex.

Bei Uibels Weißweinen gibt es zwei Linien: Classic und Lagen. Auch die Trauben, die er später für die klassischen Weine verarbeitet, sind absolut reif und bleiben sehr lange auf der Feinhefe. So findet man garantiert keine unreifen Sauvignon Blanc-Aromen in Uibels Grünen Veltlinern. Seine Weine muss und sollte man auch nicht gleich nach dem ersten Jahr trinken. Für ihn wird guter Wein immer besser und zwar in jeder Hinsicht. Das gilt auch für die Basis.

Für die im Holzfass gereiften Premiumweine gilt das mit dem Reifen natürlich besonders. Sie bleiben immer mehr als ein Jahr im Fass. Selbstredend wird für sie nur bestes Traubengut aus Spitzenlagen verwendet. Darum wird man auf Uibels Premiumweine des großen Veltliner-Jahrgangs 2010 noch etwas länger warten müssen. Sie planschen noch in den großen Fässern.

Die gute Nachricht: auch 2009 war kein schlechtes Jahr. Wahrscheinlich aus Gründen der Balance sogar leichter verständlich, als die oft noch etwas ungestümen 2010er. Und weil Uibel seine Reserven so spät füllt, ist der 2009er Hundsberg noch gar nicht so lange im Verkauf und deswegen noch erhältlich.

Doch vorher – vielleicht als Einstieg – kommt der für mich feinnervigste und lustigste Uibel-Alltagswein der Welt. Ein Weinviertel DAC. Das heißt, nun kommt ein Grüner Veltliner, denn Weinviertel DAC (Districtus Austriae Controllatus) sind immer Grüne Veltliner.

Er trägt den Namen Golem und ist ein frischer 2010er

Der Wein ist heugelb, mit grünen Reflexen. In der Nase nimmt man eine Tafel Zitronen-Mannerschnitten (eine österreichische Keks-Spezialität) und Birnen wahr. Würzig, mit der für Veltliner typisch pfeffrigen Frucht in Kombination mit Mirabellen und Quitten. Allein das Riechen bereitet ordentlich Freude.

Der erste Schluck knackig, mit animierender Säure. Nicht zu dick und ausgesprochen pikant. Was für ein toller Wein mit unspektakulärem Finale und mittlerer Länge. Einfach, harmonisch und köstlich. Schmeckt perfekt zur Jause, aber auch zum Backhuhn oder einfach als Erfrischung am Balkon und wird wahrscheinlich in den nächsten 2 Jahren am besten schmecken. Ich befürchte nur, dass ich dann schon alles ausgesoffen habe.

Etwas, das mir beim Grünen Veltliner Hundsberg ganz sicher nicht passieren wird, denn von ihm gibt es Großflaschen, die man ganz alleine schon etwas schwerer knackt. Allerdings: wenn mich die Gier packt, mache ich da auch keinen Halt, besonders wenn es um so köstliche Weine wie diesen etwas üppigeren Veltliner geht.

Der 2009er Hundsberg macht sogar dem Auge Spaß. Trotzdem würde ich ihn nicht reinschütten. Aber mir gefällt das schöne reife Gelb des Weins so gut.

In der Nase richtige altwiener Cremeschnitten, wie sie einst meine Großmutter in ihrem Wirtshaus machte. Mit viel Butter im Blätterteig und Vanillecreme – kein Pudding. Schnell noch zusammengeklatscht und schon kann man die verführerische Versuchung, die von röstigem Karamell abgerundet wurde, vernaschen. Dazu ein paar Champagnertrüffel und Kokosraspel – angerichtet auf kandierten Früchten, die man in weiße Schokolade getaucht hat.

Cremeschnitte – die Füllung

Jaja, ich sprach schon oft über cremigen Wein und wie erzwungen ich ihn finde. Was interessiert mich aber mein Geschwätz von gestern? Nun ich stehe dazu. Allerdings: wenn cremig, dann so. Denn im Hundsberg findet sich ein mineralischer Gegenpart, der dieser Üppigkeit Paroli bietet und salzig knistert und diesen spannenden Weißwein absolut trinkbar werden lässt. Genau das mache ich nun und lasse mich von seinem druckvollen und sehr langen Abgang verzaubern und freue mich über eine Fata Morgana von gesalzenem Raffaello, die er an meinen Gaumen projiziert.

  • Den Weinviertel DAC Golem 2010 von Leopold Uibel für 8,70 Euro.
  • Hundsberg 2009 von Leopold Uibel für 12,50 Euro.

 

 


 

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