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Es wird kalt = Zeit für kräftigen Weißwein

Es wird kalt - Zeit für kräftigen Weißwein_ART
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Unser Weintester Thomas C. Golenia trink gerne antizyklisch. Und hat deshalb einen kräftigen Weißwein von der Mosel im Glas, der KEIN Riesling ist.
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Draußen klirrende Kälte. Ich sitze in meiner warmen Stube und freue mich auf einen gekühlten Weißwein. Und da ich weiß, dass dieser Weißwein kräftig sein wird, nehme ich das bauchige Burgunderglas.

Ihr fragt mich, was das soll? Ganz einfach.

Es gibt Weißweine, die mir im Winter besonders gut schmecken, weil sie dicht, kräftig und voller wärmender Aromen sind. Von so einem Weißwein will ich hier berichten.

Zack, Flasche auf. Quittengelb sieht er aus, der Wein.

Ich rieche Saftigkeit. Und schwenke. Reife Birne. Ein alter im Obstkorb vergessener Apfel mit runzeliger Haut. Dazu dezente Rauchschwaden und steinige Kellerwand.

Der erste Schluck. Oha! Mouthfilling aber nicht penetrant. Cremig aber ohne Holznoten. Dicht und fokussiert. Schmeckt nach Boden, nach Erde. Perfekt ausbalanciert zwischen Säure und Saft. Guter mittellanger Abgang.

Dieser Wein will nicht schlank sein. Und kantig. Er will auch nicht fett sein. Er will gefallen. Und vm Fleck weggetrunken werden.

Was steckt dahinter?

Ein Chardonnay! Und dann noch von der Mosel. Das ist ungewöhnlich. Naja, dieser Wein ist kein reinsortiger Chardonnay, sondern ein Gemischter Satz. Das heißt, es sind noch ein paar andere Rebsorten im Spiel, die zwischen den Chardonnaystöcken wachsen und mitverarbeitet werden.

  • Lest hier mehr über diese altertümliche Weinbautradition: Gemischter Satz

Mit der Mosel verbindet man gemeinhin nur Riesling, Riesling, Riesling. Danach nix. Vielleicht noch Spät- und Weißburgunder in homöopathischen Dosen. Das wars.

Des Rätsels Lösung ist wieder mal die nähere Betrachtung. Wir schwenken zur Obermosel.

Da zuckt der Moselkenner zusammen. Was will der Golenia dort? Es ist das unscheinbare Teilstück südwestlich von Trier Richtung Luxemburg.

Die Obermosel wird im Allgemeinen als sinnloser Blinddarm der nördlicheren Moselgebiete (wie Mittelmosel und Terrassenmosel) angesehen.

Denn das große Riesling-Orchester spielt anderswo. Auf bekannten Lagen mit wohlklingenden Namen wie Brauneberger Juffer, Erdener Prälat, Wehlener Sonnenuhr und gefühlten 5.349 anderen. Diese Hänge bestehen aus Schiefer und purer Tradition. Das ist ihr großer Vorteil.

Der Bereich Obermosel hingegen ist öde wie Klauenhorn. Jene fade Region nördlich von Schwarzwasser auf dem Kontinent Westeros. Ihr wisst schon: Game of Thrones.

Der Riesling hat hier nichts mehr verloren. Das Sagen haben hier der ungeliebte Müller-Thurgau, Elbling und ein paar Burgundersorten.Wie gesagt: Ödnis.

Trotzdem habe ich von dort jetzt einen Chardonnay auf dem Tisch stehen und bin ganz hibbelig. Er stammt vom Weingut Rinke an der Obermosel.

Dieser Wein ist ein hochinteressanter Sonderling.

Geburtshelfer war Kellermeister-Superstar und Weinberater Gernot Kollmann, der in den letzten Jahren bei manch gutem Tropfen die Finger im Spiel hatte. Bei Van Volxem und den Bischöflichen Weingütern Tier, bei Knebel in Winningen und bei Immich-Batterieberg.

Hinter dem Weingut Rinke stehen zwei Quereinsteiger. Marion und Alexander Rinke (Foto), die 2006 ein drei Hektar großes Stückchen aus dem Langsurer Brüderberg kauften.

Alex Rinke_1

Zu dieser Zeit war der Weinberg zugewuchert mit dichten Brombeersträuchern und vergessenen Elbling-Stöcken. Beides rupfte man mühsam raus und bepflanzte die Lage mit burgundischen Chardonnay-Klonen in Engpflanzung.

Warum gerade Chardonnay?

Ein Grund war der Boden. Am Langsurer Brüderberg fand man feinsten Muschelkalkboden, völlig untypisch für die Mosel. Aber wie geschaffen für Chardonnay. Die großen Weißen aus dem Burgund machen das vor und weisen den Weg.

Aber bei Rinke wollte man keine burgundische Kopie eines Chardonnay ausbauen. Eher sollte er ein stilistisches Abbild der Mosel sein. Was bedeutet das?

Dass er nicht karg und knochentrocken ausfiel, sondern seinen deutschen Saft behalten hat.

Rinkes Chardonnay zeigt, was dabei herausbekommt, wenn man Reben dort pflanzt, wo sie hinpassen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es an der Obermosel noch viele andere brachliegende Lagen gibt, die auf diese Weise wachgeküsst werden wollen.

Übrigens: Im Hochsommer, wenn alle schwitzen, hole ich mir gerne einen leicht angekühlten kräftigen Rotweinbrummer raus. Der erfrischt mich im Schatten eines Baumes besser als jeder braver Leicht-Rosé.

 


Datum: 28.11.2016
 

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