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Château Mehdorn – hebt der auch ab?

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Wir tranken zusammen mit Piraten-Politiker und BER-Untersucher Martin Delius den südfranzösischen Rosé HHM La Cabane. Warum gerade diesen Wein? Ganz einfach - der Winzer heißt Hartmut Mehdorn.
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Jeder Kämpfer braucht irgendwo einen Platz, an dem er Kraft schöpfen kann. Zum Beispiel eine kleine Hütte, irgendwo in der Natur.

Hartmut Mehdorn, der seit gestern mit seinem angekündigten Rücktritt als BER-Chef wieder einmal Schlagzeilen macht, weiß, wo seine Hütte steht – in Südfrankreich.

HHM La Cabane = Hartmut und Hélène Mehdorns Hütte.

La Cabane (=Hütte) heißt Hartmut Mehdorns eigener Rosé-Wein aus dem südfranzösischen Weinbaugebiet Minervois, das zur Weinregion Languedoc-Roussillon gehört.

Die Mannschaft von CaptainCork trank diesen Wein zusammen mit Martin Delius, Vorsitzender vom BER-Untersuchungsausschuss, Vorsitzender der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus und Rotweinfreund. Delius ist ein heller Kopf, der zu Mehdorn einiges zu sagen hat.

Schöne Farbe, hässliches Etikett.

Auf dem Tisch steht die Flasche HHM La Cabane. Vielversprechend schimmert da ein klarer, mittelheller Rosé durch´s Glas. Leider muss man sagen, dass das Etikett ausgesprochen hässlich ist, wie von einem Grafiker-Praktikanten hingewurstelt. Ein liebloses Rebenfoto, darüber das Kürzel HHM und ein Wappen mit Trikolore und Vogel.

Das Minervois steht für feinere Rotweine im ansonsten von kräftigen und körperreichen Tropfen geprägten Languedoc-Roussillon. Hier werden hauptsächlich die Rebsorten Carignan, Syrah, Mourvédre und Grenache verarbeitet. Roséweine sind ja oft ein Nebenprodukt aus der Rotweinherstellung. Manche allerdings werden auch sehr gezielt von der Pressung weg zum Roséwein verarbeitet.

Wie riecht der Mehdorn-Wein, Herr Delius?

Zuerst mal mit den Nasen ins Glas geschnüffelt. Delius mag die dunkelroten, intensiven und dichten Weine Süditaliens. Aber auch die wenig fruchtbetonten Rotweine von der Rhône trinkt er gern.

Der Pirat (Foto oben) im Originalton: „Ich rieche den schwarzen Johannisbeerschnaps, den mein Vater im Spreewald früher gemacht hat. Das war ein Likör, kein Brand. Ich bin ja großer Erdbeerfan und trinke deshalb Rosé. Aber hier rieche ich keine Erdbeere.“

Die Mannschaft prüft das Urteil. Hm, ein bisschen Erdbeere ist schon da. Riecht aber dezent nach gekippter Marmelade. Das kommt vielleicht vom überreifen Lesegut, ist aber nicht schlimm. Da ist auch ein kleiner Stinker (so nennen Weinfreunde einen ganz bestimmten Fehlton) mit Aromen von alter Socke. Auch kein Drama, kommt öfter vor. Viele Weine sind in der Nase weniger versprechend, dann aber im Mund eine Freude. Insgesamt könnte dieser Wein ein aromatischer Geselle sein, gut für eine deftige Brotzeit im Freien. Deshalb nehmen wir jetzt einen ordentlichen Schluck. Und noch ein paar mehr, damit wir sicher gehen können.

In der Zwischenzeit ein paar Ergebnisse aus der Tätigkeit vom Roséwein-Untersuchungsausschuss bei CaptainCork.

Oha, auch hier Vetternwirtschaft?

La Cabane ist vielleicht nicht nur ein Wein, sondern ein ganzes Weingut, das war in der Eile nicht herauszubekommen. Auf jeden Fall gibt es eine eingetragene Firma HHM La Cabane im Städtchen Auigez Vives/ Minervois mit einem Geschäftsführer (Président), der Christian Vuillequez heißt.

HHM steht für Hartmut und Hélène Mehdorn. Vuillequez hieß Madame Hélène Mehdorn, bevor sie 1973 ihren Hartmut heiratete. Aha, Vetternwirtschaft. Na und? Das ist völlig ok, der Mann kann mit seiner eigenen Firma schließlich tun, was er will. In manchen Zeitungen steht, dass La Cabane ein Weinberg ist, den Hélène ihrem Mann zum Geburtstag geschenkt hat.

Warten auf etwas, das nicht kommt.

Was schmecken wir im Mund? Delius: „Im Anfang ganz schön alkoholisch, wenig Frische. Aber mit der Zeit ändert sich das Bild. Nach dem 5. Schluck spüre ich eine dezente und herbe Süßlichkeit, die einen immer weiter nippen lässt. Leider bricht der Wein am Gaumen abrupt ab. Da ist kein Abgang. Das ist schade.“

Tatsächlich ist da Kraft und ein Ansatz von Volumen. Leider nur ein Versprechen. Aber es gibt dezente Aromen von Cassis und zartbitterer Schokolade. Bedauerlicherweise fehlt hier jegliche Frische. Wir tippen auf die Rebsorten Mauvédre und Grenache, dessen Most schnell zur Oxidation neigt (wenn man nicht sorgfältig arbeitet) und dann einen dumpfen Ton macht. Könnte aber auch daran liegen, dass der Wein für einen Rosé schon ziemlich lange herumliegt – wir tranken den Jahrgang 2010.

Fazit? Der HHM La Cabane ist ein Wein, der mehr verspricht als er hält. Man trinkt weiter und weiter und wartet auf etwas, das leider nicht kommt. Erinnert uns das an was?

Schwer zu fassen.

Hartmut und Hélènes HHM La Cabane Rosé war nicht leicht zu bekommen, wahrscheinlich haben wir die einzigen zwei Flaschen gekauft und ausgetrunken, die am deutschen Markt noch verfügbar waren. Die kosteten 8,95 Euro pro Flasche. Sorry!

Wer jetzt einen kräftigen Winter-Rosé mit frischen Aromen von Himbeere und Kirsche bestellen will, kann den hier aus Südafrika nehmen:

  • The Game Reserve Rosé von Graham Beck für 9,90 Euro bei Vinexus.
 


Datum: 16.12.2014 (Update 21.7.2015)
 

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