02.06.09 WEINWISSEN 1 Einem Freund senden

Wir wollen ehrliche Preise für das Naja-Jahr 2008

So viel Sonne gab es letzten Herbst seltenSo viel Sonne gab es letzten Herbst selten

So ein Jahr kommt vor, sagt der Captain. Fast schon ein Scheißjahr. 2008 gab es in Deutschland und Österreich im Durchschnitt keine gute Ernte. Die Weine haben in beiden Ländern mehr Säure und wenig Lagerpotential. Für mittelmäßige und unerfahrene Winzer geriet der Jahrgang daher mitunter zur Katastrophe.

Früher hätte man dramatisch aufgezuckert oder gar verbotene Essenzen zugesetzt. Heute ist man ehrlich und so kann es vorkommen, dass der Jahrgang 2008 viele Konsumenten enttäuschen wird. Einzelne Kostproben stellen die Weintrinker auf eine harte Probe und es zeigt sich, dass Weingartenarbeit und Kellertechnik im Jahr 2008 wohl eine ähnlich große Bedeutung hatten.

Nur die wirklich erfahrenen oder naturbegabten Winzer (von jenen gibt es inzwischen viele) haben aus ihren 2008er-Trauben Weine mit Idee und Anspruch gemacht.

Ein säuerlicher Schluck Sommer, wenn an Deck die Sonne scheint

Die Tatsache, dass 2008 kein perfektes Jahr war, aber immerhin sehr trinkfreudige Sommerweine mit sich brachte (hohe Säure, feiner Schmelz, viel Gletschercharakter), diese Tatsache könnte man fehlerfrei und schnörkellos zum Konsumenten transportieren.

Etwa: „ Ein Jahr für Durstlöscher und Speisenbegleiter".Oder sachlich: „Ein Jahr mit hoher Säure, frischem Eindruck und schnell konsumierbaren Weinen." Das wäre die Wahrheit.

Runter mit den Preisen. Und tatsächlich: es geschieht

Dieser Wahrheit folgend müssten aber auch die Preise für viele Weine signifikant sinken, wie das auch schon früher der Fall war. Geriet in den Achtziger Jahren ein Jahrgang aufgrund des Wetters nicht gut genug, haben die Winzer schnell die Preise sinken lassen, um ihre Keller leer zu bekommen.

Die schwachen Bordeauxweine der Jahrgänge 1987, 1991 und 1992 beispielsweise, wurden oft um ein Drittel des Preises der Jahrgänge 1989 und 1990 (beide fantastisch) auf den Markt geschleudert. Diese wettergerechte Einstellung ging mit den Jahren des Börsebooms zu Ende, als viele Kapitalgesellschaften Beteiligungen an Weingütern erwarben. Von jetzt an gab es nur noch gute und bessere Jahrgänge.

So konnte es kommen, dass ein sehr guter Chateau Haut-Brion 1987 drei Jahre später um umgerechnet 30 (!!) Euro in der Vinothek zu haben war, der ebenfalls schwache Jahrgang 1997 aber im Jahr 2000 schon 264 Euro kostete. Er wurde von einer skrupellosen und gewinngeilen Fachpresse hochgeschrieben. Und nachher zu Unrecht verdammt.

Heute liegt der Preis des Haut-Brion 1997 bei guten Händlern bei rund 140 Euro. Und wird richtigerweise schnell getrunken, denn besser wird er nicht.

Die Ehrlichen an Deck

Captain Cork fordert, dass wieder Normalität bei den Weinpreisen einkehrt. Ein mittelmäßiges oder schlechtes Jahr soll weniger kosten. Das bindet die Weintrinker an die fairen Weingüter und eröffnet großartigen und deswegen auch sehr teuren Winzern die Möglichkeit ihre Weine in mittelmäßigen und schlechten Jahren auch an finanziell weniger starke Klienten zu verkaufen. Viele Winzer erkennen dies richtig und senken 2008 moderat die Preise.

So spricht man neue Käuferschichten an. Um diese Entwicklung aber breit einzuleiten, müsste die Nachfrage geringer werden. Und das ist nicht in Sicht. Auch deswegen, weil man in Bezug auf 2008 nicht die ganze Wahrheit sagt. So wird es am Ende ein paar enttäuschte Konsumenten geben. Nicht zu Wohl der Winzer.

 



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Kommentare 1

Kommentare

Markus Altenburger immer das gleiche
sobald es nicht 2 monate durchgehend 40 grad im sommer hat und es auch nur einen tropfen im herbst regnet ist es sofort ein mittlerer bis schlechter jahrgang. in den toplagen bei gutem weingartenmanagement ist auch 2008 wahnsinnspotential mit extremer frucht und eleganz vorhanden. preise runter ist ein möglicher ansatz - weniger von den topweinen zu produzieren der andere. sind die preise nämlich mal unten könnte es schwer werden, diese wieder nach oben zu revidieren - zumindest in österreich!
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