In Popice, vis-a-vis des Dorfes Pavlov, nahe der Kleinstadt Mikulov, etwa fünfundzwanzig Kilometer Luftlinie zur österreichischen und slowakischen Grenze, steht auf einem flachen Hügel das Weingut Sonberk, eine Neugründung. Wir sind im Aufbruchsland des modernen Weinbaus, in der tschechischen Republik. Traditionen gelten hier wenig.
Das Wein gut Sonberk ist das Gegenteil von Tradition, denn hier herrschen Architektur und Design, hier ist die Außenwirkung Teil der Markenkultur.
Die drei Investoren von Sonberk, allesamt zukunftsorientierte Männer aus der einst so boomenden tschechischen Finanzbranche, haben das Gebäude zum Weingut in die eigenen Hügel gestellt. Nun lagert die zentrale Verwaltung mit der Kellerei wie eine Spinne im Netz in der Mitte der 40 Hektar. Einzig der Ausblick auf eine potthässliche Agrarfabrik trübt den Eindruck dieses tschechischen Napa-Valley-Weinguts. Muss man halt in die andere Richtung schauen.
Sonberk hat sich auf Strohwein spezialisiert. Zwar nimmt dieser nur einen geringen Teil der Produktion ein, ist aber das Aushängeschild des Unternehmens. Und: Sonberk produziert mit diesem Strohwein (der teuerste für etwa 270,00 Euro) wahrscheinlich teuersten Wein Tschechiens, den teuersten Wein des Ostens überhaupt.
Im Aufsichtsrat der Firma sitzt Fedor Malik, der berühmteste slowakische Weinfachmann; jedes Jahr bekommt ein anderer prominenter Tscheche, ein Sänger, ein Schauspieler, eine TV-Moderatorin, kein Politiker, eine Kiste Wein von Sonberk und Malik und schreibt ein paar Zeilen als Dank, die man sich dann auf das Etikett heftet. In Sonnberk versteht man viel von Marketing.
Und wieder kaum Rotwein. Außer einem Experiment mit Merlot nichts im Keller. Dafür Palawa, eine tschechoslowakische Züchtung der kommunistischen Jahre, als man noch nach Fünf-Jahres-Plänen wirtschaftete. Alle fünf Jahre fünf neue Trauben. Nur wenige Kreuzungen haben den Wettbewerb überlebt, die Palawa (Roter Traminer gekreuzt mit Müller-Thurgau) durfte aufs Feld.

Die Sorte Palawa ist lockerbeerig und enorm ertragreich. Man muss bis zu zwei Drittel schneiden, damit eine anständige Entwicklung einsetzten kann. Sie reift früher als der Traminer und ist wenig boytritisanfällig. Einzig der Name klingt etwas lächerlich für unsere Ohren.
Der Palawa 2005 von Sonberk (12 % Alkohol und 45 Gramm Zucker) ist ein sehr eleganter, fast nobler Wein. Er duftet nach Lebkuchen und Kompottbirne. Der junge Önologe Oldrich Drapal empfiehlt den Wein zu Käse, besser als jeder Rotwein, sagt er. Ab 2010 will er Palawa aber fast ausschließlich trocken ausbauen, er will mit der Traube experimentieren, denn auf Sonberk sind sie auf der Suche nach dem autochthonen Extra, das die Region und das Land auch anderswo bekannt machen kann. Und nicht ohne Logik setzt Drapal auf die Kreuzungen des Kommunismus, die sich zunehmend auch beim Nachbarn Slowakei ihren Platz erkämpfen. Vom Weltwein zum Regionalwein. Und vom Regionalwein wieder zurück in die Welt.
Der Strohwein 2004 vom Traminer (11,5 % Alkohol, kaum Säure und 204 Zucker) wurde Mitte April gepresst, die Traube liegt also länger, als sie am Stock hängt. Das Extrakt schmeckt nach reifen Datteln und Holler. Die beste Kreation von Sonberk ist jedoch die Trockenbeerenauslese vom Grauburgunder 2007 (11 % Alkohol, 8,5 Säure und 240 Zucker). Den etwas rauen Ton der Sorte kontert Drapal mit enormer Eleganz. Hoher Alkohol und Zucker machen ihn zu einem langlebigen Produkt. Als solches wird er auch vermarktet. Die Produkte von Sonberk sollen in den besten tschechischen Kellern liegen. Selbst dann noch, wenn der Macher dieser Weine längst in Pension ist. Drapal ist 33.
Weine von Sonberk beim Weingut. Leider hat Sonberk noch keinen Exporteur in die deutschsprachigen Länder gefunden. Von Wien fährt man etwa eineinhalb Stunden mit dem Auto, das Weinbaugebiet bei Mikulov ist eine schöne Gegend zum Wandern.
Neben den beiden genannten Süßweinen produziert Sonberk noch eine Reihe sehr tauglicher Alltagsweine.








Oldrich Drapal vor dem Land, das leider nicht ihm selbst gehört... 




