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Überall war auch mal international

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Klar, dass er sich freut. Ist er doch der neue heiße Scheiß. Auch wenn er nicht so aussieht...
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Der Captain findet. Er findet, dass man in Südtirol aus internationalen Sorten weiterhin große Weine keltern sollte. Wie bisher auch schon. Deswegen sieht er sich im Friaul um. Hä?
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Der Captain hat eine Meinung. Und die teilt längst nicht jeder am Schiff. Der Captain meint, dass Südtiroler Weine internationalen Zuschnitts eine ganz eigene Südtiroler Terroir-Komponente haben. Und dass die autochthonen Sorten Lagrein und Vernatsch ihre Berechtigung haben, wirklich große Südtiroler Weine jedoch nur aus Cabernet, Merlot oder Blauburgunder entstehen. Nun gut: es gibt ein paar erstaunlich imposante Lagrein. Darüber noch mehr im Laufe der nächsten Tage.

Die Maate sind nicht dieser Meinung. Vor allem Maat Mally mag die autochthone Linie und schwelgt vor Freude über Vernatsch und Lagrein. Wenn diese auch noch spontan vergoren werden, ist Maat Mally im siebenten Himmel. Der Captain freut sich über diese Weine, vom Hocker können sie ihn nicht reißen.

Vom Hocker rissen ihn ein Löwengang 1995 von Alois Lageder (auch dazu später) und ein Cabernet-Merlot von der Kellerei Tramin. Beide wahnsinnig gute Weine, beide nahe dran am perfekten Bordeaux. Wenn das das Ziel war, dann wurde es erreicht. Wenn nicht – auch gut.

Blick auf den Weltmarkt

Aber wir wollen nicht in Südtirol kleben bleiben. Und zu Nachbarn auf annähernd gleicher Höhe schauen. Ins Friaul, wo es ähnlich viele (ein paar mehr sogar) autochthone Sorten gibt. Und wo man sich schon seit längerer Zeit auf diese Sorten besinnt. Zugegeben: die Trauben haben größere Chancen. Und zugegeben: es gibt von Ribolla, Schiopettiono, Refosco, Pingolo, Friulano (und den anderen) immer nur ein paar tausend Gebinde. Und die werden vor allem im eigenen Land getrunken.

Im Friaul wollte man – ähnlich wie in Südtirol – vor 20 Jahren vor allem mit internationalen Sorten bekannnt werden. Also mit Chardonnay und Merlot, mit Sauvignon und Cabernet Franc. Und ebenso sind hier interessante Weine entstanden, die inzwischen aus dem Scheinwerferlicht genommen wurden, weil sie längst ihre Anhängerschaft gefunden haben. Der Captain hat sich zwei dieser Weine nach Jahren wieder mal angesehen. Und nach dem Ansehen auch getrunken.

1.) Der Chardonnay „Sol“ 2007 von der Kellerei Ronco del Gnemiz.

Als ihn der Captain das erste Mal trank, da war er noch ein ganz gewöhnlicher Barrique-Chardonnay einer unbekannten friulanischen Kellerei, die das Experiment gewagt hatte, einen ihrer Weine nach international bekannter Art auszubauen. Der Blick richtete sich eher nach Kalifornien, als nach Burgund; das italienische Vorbild hieß Angelo Gaja, der seinen gewaltigen Gaja & Rey zum bekannten Weltwein stemmte.

Heute ist der Sol, der damals einfach nur Chardonnay hieß, der Topwein aller Weißweine dieses Hauses. Es gibt ihn auch eine Nummer kleiner aus gebrauchten Fässern. Doch der Captain will es richtig fett. Seine liebsten Chardonnays findet er bei Boillot und Coche-Dury. Da wird dieser Friulaner wohl nicht mithalten können.

Ja und Nein. Ja: weil er eine schöne Finesse hat, sauber und anregend sein Holz präsentiert (Vanille nicht zu satt, Eleganz, die dann doch drängend). Ja: weil er sich eine schöne Fruchtigkeit nach Äpfeln, Mandarinen, Stachelbeeren und Limonen behält und diese ideal mit Kraft verbindet. Nein: weil er nicht die mineralische Exotik der Franzosen aufweist. Und auch nicht deren speziellen Charakter, den der Captain einfach nur mit dem banalen und meistgehassten Ausruf „mega-lecker!“ verbinden kann.

Und so ist dieser Chardonnay cremiger, druckvoller und eleganter, als viele Versuche, Burgund zu imitieren. Und er ist bei weitem nicht so platt kalifornisch, wie die meisten Chardonnays der Neuen Welt. Die Leute von Ronco del Gnemiz haben ihren Premium-Chardonnay in eine leistbare Ecke gesetzt und ihn über die Jahre dabei mit der Region verbunden. Also mehr auf Frucht, als auf Mineralität gesetzt. Und das macht diesen Wein zu einem idealen Einsteigswein in die Welt der wirklich großen Chardonnays. Und in diese Welt gehört er ohne Zweifel.

2.) Die Cuvée Ronco de Roseti 1997 von Le Vigne di Zamo

Warum so einen alten Wein? Gibt es da nicht auch neuere Jahrgänge? Gibt es, doch der Captain hat noch einige alte Jahrgänge dieses Wunderweins im Keller liegen. Und den Wein aus diesem guten Jahr findet man erstaunlicherweise noch im Handel. Da hat einer nicht ausgetrunken.

Der 97er Ronco de Roseti von Le Vigne di Zamo wurde aus den klassischen Bordeaux-Sorten gekeltert (also Cabernet-Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc – der Merlot dominiert die Cuvée). Zusätzlich finden sich noch die autochthonen Sorten Refosco und Tazzelenghe im Wein, was dem Saft am Anfang etwas mehr Säure gab, von der sich heute nur mehr Nuancen finden. Der Wein ist alt geworden. Und schön alt. Trinkreif und perfekt.

In der Nase ein verhaltenes Holz, dann ein paar Maggitöne, Rauke, dunkler, nasser Tabak, Kohlrabi, Lakritze und auch noch ein bisschen Cassis. Im Mund eine schöne, sehr elegante Länge, saftig und ohne eine Spur alkoholischen Drucks. Ein alter Wein, wie alter Wein schmecken soll. Großartig. Kommt in der Magnumflasche und hat sicher noch zwei Jahre Zeit. Für dieses Geld ein Witz.

 


Datum: 7.6.2011 (Update 2.9.2014)
 

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