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Barolo & Barbera. Können die altern?

barolizwei
Dunkel, gut. Aber hält das auch?
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Maat Küblbeck mag keine italienischen Weine. Da steht er an Bord ziemlich alleine da. Doch neulich machte er ein Experiment und holte sich einen uralten Barolo aus dem Keller. Kann das Zeug wirklich altern? Die Antwort steht hier.
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Ich muss zugeben, ich mag keine italienischen Weine. Damit bin ich ziemlich alleine am Schiff und ganz so drastisch sollte ich es vielleicht auch nicht formulieren. Sagen wir so: Viele Weine Italiens, auch und gerade die aus renommierten Regionen, halte ich für Eintänzer, Schleimer, seelenlose Ranschmeißer ohne Intellekt und Interesse. Ziemlich sicher ist das eine einseitige Position, die sich leicht widerlegen ließe, zumal ich den Aufschrei des Captain ahne, der in Italien Wein keltert.

Weil ich meine Meinung gerne mal überprüfe, probiere ich heute einen Wein, den ich stets als auf und ab erlebt habe, einen Barolo. Er verkörpert für mich all das, was mich zum Italien-Skeptiker macht. Einige wenige Baroli sind perfekt, genial, groß. Und atemberaubend teuer. Die Mehrzahl dagegen ist banal, unfokussiert und anbiedernd. Und ebenso atemberaubend teuer. Weine mit Plan. Aber ohne Ambition. Von der finanziellen mal abgesehen. Und ich weiß, der Captain denkt da ähnlich.

Erschwerend kommt hinzu, dass nicht alles gut altert, was Barolo heißt. Auch wenn der Captain seine nonkonformistischen Dogmen nicht bestätigt haben will (Stichwort: Imagepflege) – hier hat er Recht. Das ist besonders tragisch, weil die Nebbiolo-Traube – aus der in ihrer prestigeträchtigsten Form der Barolo gekeltert wird – keine ausgeprägten Kann-man-immer-trinken-Eigenschaften aufweist. Zu jung getrunkener Barolo macht etwa so viel Spaß wie Porschefahren mit angezogener Handbremse. Was also tun mit dem Renommiersaft aus dem Piemont? Einen möglichst frühen Trinkzeitpunkt wählen (7-12 Jahre) und hoffen, dass der Wein dann schon genießbar, aber noch nicht umgekippt ist.

Barolo aus ´86. Lebt der noch?

Während ich über dieses Dilemma nachdenke, wählen meine Beine wie von selbst den Weg die Treppe hinunter, immer tiefer in den Weinkeller. Nicht meinen eigenen, wohlgemerkt, denn der ist urlaubsbedingt kilometerweit entfernt, sondern in den viel schöneren Keller eines freundlichen Gönners, aus dessen Bestand ich ungefragt alte Flaschen plündern darf. Resteverwertung De Luxe, sozusagen. Was fast schon zu gut klingt, um wahr zu sein, entpuppt sich schnell als die Antwort auf all jene Barolo-Fragen, die mir gerade im Kopf umgehen. Warum nicht einfach ausprobieren, wie lang so ein Trinkfenster offen bleibt?

Ich orientiere mich in dem beträchtlichen Flaschenlager und steuere geradewegs auf das Piemont-Regal zu. Wieder die Stimme des dogmatischen Captains im Kopf („das Alter rettet so manchen einfachen Wein“), greife ich bewusst zu einem Budget-Erzeuger, Terre Da Vino, der unter zahlreichen Etiketten und Linien verschiedene Qualitäten abfüllt und vermarktet. Doch davon dann gleich gute fünf Millionen Flaschen. Also Industrieware. Mal was anderes.

Augen zu und durch, denkt der Maat und nimmt sich eine Flasche Barolo „La Luna e i Faló“ vor. Von 1986. Wieder zurück an der Erdoberfläche erfahre ich nach kurzer Recherche, dass Terre Da Vino unter diesem Namen (der sich wohl an Cesare Paveses gleichnamigen Roman von 1950 anlehnen soll) mittlerweile keinen Barolo mehr produziert. Lediglich einen Barbera d‘Asti gleichen Namens. 2009 hat dieser immerhin zwei Gläser im Gambero Rosso bekommen. Vielleicht wird das ganze ja gar kein so übler Reinfall?

Kork durchnässt

Die Kapsel sieht noch präsentabel aus, der Korken darunter ist allerdings bereits vollkommen durchnässt. Lang hätte die Flasche also nicht mehr ausgehalten. Der Korken an sich ist aber einer von den guten, was man schon an seiner Länge erkennen kann. Ich wiederhole: Vielleicht wird das ganze ja gar kein so übler Reinfall?

Ins Glas fließt ein bereits deutlich gealterter Wein, ziegelrot und durchscheinend, mittelkräftiges Ocker aber keinesfalls matt oder tot. In der Nase dann die große Überraschung: Pure, fein ziselierte reife Himbeeren, satt und herb. Dazu eine grün lackierte Parkbank in der Sonne. Kein Firn, sondern eine klare Aussage. Am Gaumen ist der Weinrentner nach wie vor straff, mit tänzerisch leichtem Körper und erstaunlich präsenter, fokussierter Frucht. Die Fruchtsüße fängt sich in einem perfekt abgestimmten Säurebogen. Der Abgang war bestimmt schon imposanter, aber man kann nicht alles haben. Was beweist dieser Barolo? Dass Italiener doch altern können? Bestimmt nicht.

Ein Barbera, der nicht die Welt kostet

Sicher aber, dass es einige wenige Baroli gibt, die eben doch altern dürfen. Wenn man sie in Ruhe lässt. Man muss sie nur finden. „La Luna e i Falò“ ist einer davon. War einer davon. Ob der aktuelle Barbera gleichen Namens einen Alterungsversuch wert ist? Muss man sich wohl schlau machen. Und einlagern. Am Preis soll´s nicht liegen, denn der Wein kostet nicht die Welt.

    • 2009 „La Luna e i Falò“ Barbera d‘Asti DOC, Terre Da Vino für 9,95 Euro.
 


 

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