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Arm aber bio – das geht!

Rémy Poncet_Kunst_ART
Denkt nicht immer nur an Flesich! Collage von Rémy Poncet
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Neulich schrieb unser Weintester Patrick Hemminger über die Billig-Esser. Das gefiel nicht jedem! Jetzt legt er nach.
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Neulich schrieb ich einen Text, der manchen gar nicht gepasst hat: Ihr Billigesser – ich finde euch zum Kotzen!

Die heftige Reaktion mancher auf diesen Artikel: „Bio muss man sich erst mal leisten können. Ihr seid arrogant!

Meine Antwort: Ihr seid selbst die Arroganten hier. Außerdem zu bequem, um euch mit dem Thema zu beschäftigen.

Klar gibt es Menschen, die darauf angewiesen sind, mit sehr wenig Geld über die Runden zu kommen und einen mies bezahlten, zeitfressenden Job haben. Für sie ist es wunderbar, dass es Discounter gibt.

Um diese Leute geht es nicht. Zwei Drittel der Menschen, die im Discounter einkaufen, müssten das gar nicht. Sie haben genug Geld für ordentliches Essen, finden es aber toll, zu sparen.

Dass man mit ganz wenig Geld gesund leben kann, hat meine Kollegin Rosa Wolff in ihrem Buch „Arm aber bio“ bewiesen. Einen Monat lang gab sie für Essen nur das aus, was einem Hartz-IV-Empfänger dafür zusteht. Das waren damals 4,35 Euro pro Tag. Ihr Anspruch dabei: Nur Bio-Lebensmittel und jeden Tag Obst und Gemüse essen.

Sie hat’s geschafft. Fast. 17 Cent lag sie am Ende über dem Budget. Es war manchmal anstrengend, nervig und nicht immer wurde sie ganz satt. Trotzdem hat sie gezeigt, dass es geht.

Bevor jetzt gleich wieder die Besserwisser aus der Deckung springen: Probiert es einfach mal aus!

Legt auf die 4,35 Euro noch zwei drauf (das werdet Ihr euch ja noch leisten können) und geht einkaufen. Hört auf, euch selbst anzulügen, dass man sich ein gesundes Leben gar nicht leisten kann. Nein, ihr müsst nur auf ein paar Gewohnheiten verzichten.

Das viele Fleisch zum Beispiel.

An jeder Autobahnraststätte gibt’s Holzfällersteaks – warum? Liegen die für ausgehungerte, kräftige junge Männer bereit, weil die gleich aus dem Wald gestürmt kommen und dringend was für zwischen die Zähne brauchen?

Gutes Fleisch ist teuer. Richtig teuer. Wie wäre es, mal weniger davon zu essen? Statt zu sagen, hach – dann nehme ich halt die Billig-Buletten? Schon mal darüber nachgedacht, warum der Sonntagsbraten so heißt?

Schon mal überhaupt nachgedacht?

Kriegt den Hintern hoch und fangt an zu denken. Wolff schreibt in ihrem Fazit, dass sie sich in den Wochen ihres Experiments sehr wohl und bestens ernährt gefühlt hat. „Weil ich bewusst gegessen habe, nie achtlos nebenher gefuttert, sondern jede Mahlzeit zelebriert habe“, schreibt sie.

Fangt an. Und macht zur Belohnung einen schönen Wein auf.

Ich empfehle diesen hier, der ruiniert Euch garantiert nicht: La Tribu, gekeltert zu je einem Drittel aus den Rebsorten Garnacha, Monastrell und Syrah. Der Tropfen kommt auf 14,5 Volumenprozent Alkohol und reifte vier Monate in französischen Barriquefässern. Mich erwartet also eine ziemliche Wuchtbrumme.

Tiefdunkel schwappt der Saft durch mein Glas. Ich rieche Brombeere und Sauerkirsche, dazu gesellt sich eine deutliche Vanillenote. Der erste Schluck fällt erwartet wuchtig aus, da bekommen die Geschmacksknopsen erstmal voll einen auf die zwölf. Kirsche und Brombeere halten sich exakt die Waage mit Vanille und süßlicher Schokolade.

Ein Wein wie eine von Rubens gemalte Frau – üppig, fast wuchtig, dabei aber nicht unelegant. Diese Power muss man allerdings mögen.

Dazu sollte etwas Kräftiges zu Essen her, sonst ist man nach zwei Gläsern betrunken.

Ich stelle mir kurz ein gebratenes Lamm oder ein Ossobuco vor, kann mich aber beherrschen und mache mir einen im Ofen geschmorten Wirsingkohl mit Pellkartoffeln. Schmeckt wie ein würziger Braten mit herrlicher Soße!

 


 

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