02.09.09 WEINE 17 Einem Freund senden

Alte italienische Weine - eine Mogelpackung?

alte Italiener: als Zierde gut geeignetalte Italiener: als Zierde gut geeignet

Tolles Land! Verrückte Politiker, brutale Verbrecherbanden, seltsames Fahrverhalten, bigotte Moral: man muss Italien einfach lieben, diese Anti-Intellektuellen, die nicht viel denken, nur leben. Und trotzdem eine vernünftige Infrastruktur hinkriegen. Italien: ein super Land.

Und dann erst das Essen. Dieses Wahrnehmen der Region und ihrer Schätze. Großartig. Man kann in Italien fast in jeder Kneipe gut essen, am Land sowieso. Herrlich. Ach, manchmal wünscht sich der Captain, Deutschland hätte diese qualitätsorientierte Verfressenheit, die nach dem Besonderen sucht und sich nicht mit widerlichem Mikrowellenfraß abspeisen lässt. Manchmal soll das Wünschen schon geholfen haben.

Und der Wein? Nirgendwo sonst ist er in den Alltag derart integriert, wie in Italien. Jeder trinkt Wein. meistens jedoch nur Regionales. Und Einfaches. Das Weingetue, wie etwa in Frankreich üblich, gibt es in Italien kaum. Trotz dutzender Ratgeber und hunderter Experten. Wein ist in Italien einfach da. Am Tisch. Beim Essen. Den schlürfenden Weinfreak, den Weinschwätzer findet man nur in abstrusen Zirkeln. Dort hört man ihm auch zu und nimmt ihn ernst. Er ist Teil des Theaters.

Seit Ende der Achtziger gehören Italiens Weine zu den besten der Welt. Grund hierfür ist vor allem die Initiative einiger reicher und adeliger Familien, die in der toskanischen Region Bolgheri Ende der Sechziger Jahre das Bordeaux Italiens hinstellen wollten. Als Rakete für Chianti, Brunello, Montapulciano und Co.

Dieser Initiative folgte eine Erneuerung im zweiten großen Weinbaugebiet Italiens, dem Piemont, die vor allem von dem Entrepreneur Angelo Gaja getragen wurde. Dessen Weine zählen heute zu den teuersten der Welt.

Die hervorragenden Jahre 1985, 1988, 1989 und 1990 lieferten der Welt jede Menge Beweis für das Können der neuen italienischen Winzer. Fantastische Kreationen, so genannte Vino da Tavola, die aus gesetzlichen Gründen in den niedersten Rang eingeordnet wurden.

Oder auch Weine, die ihre Herkunftsorte (Barbaresco, Barolo, Montepulciano, etc..) berühmt machten. Italienischer Wein konnte in der Reputation mit französischem Wein gleichziehen. Das gefiel den Franzosen nicht, sie wiesen immer darauf hin, dass italienischer Wein nicht die Haltbarkeit und Ausdauer französischer Kreationen hat. Das wiederum brachte die Italiener auf die Palme, es regnete Entgegnungen. Italienischer Wein, so hörte man von Sassicaia, Antinori und Co., werde in fünfzig Jahren noch mit Kraft protzen und mit Eleganz strahlen.

Irrtum.

Denn der Captain und die Mannschaft habe ein paar der besten Flaschen der besten Jahre gekostet, Flaschen, die vor fünfzehn Jahren ein gigantisches Trinkvergnügen waren, Flaschen, die seither im tiefen Keller des Captain lagen und nicht einen fingerbreit bewegt wurden. Und...? Eine Enttäuschung. Alles müde.

Der Chianti Riserva Rancia 1988 von Felsina aus der Magnum beispielsweise. Knapp nach dem Öffnen noch sehr gefällig, weich, rund, aber schon schlank am Gaumen. Dann, nach wenigen Minuten der Totalverlust jeglicher Kraft. Noch ein paar schöne Krautertöne in der Nase, etwas Beeren. Doch nach einer Stunde nur mehr der Schatten seiner selbst.

Der Sassicaia 1990 ist da schon besser aufgestellt. Doch auch er kann nur begrenzt glänzen. Feine Töne nach Minze und Heu in der Nase, etwas Tabak noch. Doch dann Tomate pur, geschälte und gekochte Dosentomate. Im Mund zuerst noch kräftig und plump, dann schnell sehr schlank und metallisch. Keine Katastrophe, ein guter Speisenbegleiter. Aber für diese Legende zu wenig.

Etwas besser der Ornellaia 1990. Hier ist viel mehr Kraft konzentriert, die dem Wein ein halbe Stunde bella figura machen lässt. Später dann ein ebenso rascher und überraschender Verfall.

Schrecklich hingegen der Brunello von Biondi-Santi aus dem Jahre 1988, immerhin einer der teuersten Weine Italiens. Ein Abwaschwasser von Anfang an. Eigenartig, wie leer und verdampft die einstige Kraftsuppe im Glas verendet.

Besser dann der Barbaresco von Angelo Gaja aus dem Jahre 1990. Lage Sori San Lorenzo. Ein höflicher und eleganter Wein, der auf der Nase wenig vom Terroir und viel von Beeren und Wiese (Kamille) zeigt. Er hat eine gute Struktur, die mehrere Stunden anhält. Dennoch verfällt das Elegante auch in dieser Struktur schnell. Bald schmeckt der Wein wie der Sassicaia nach geschälten Dosentomaten und überreifen Früchten. Auch die Farbe erinnert an Rost. Für diesen Preis und diesen Namen enttäuschend.

Parallel dazu wurde ein Bordeaux Leoville-Poyferre aus dem gleichen Jahr getrunken, der sich frischer, floraler und kräftiger präsentierte. Und auch am nächsten Tag im verlassenen Glas noch Konturen der Größe erkennen ließ.

Danach ein Barolo, der Bric del Fiasc 1990 von Paolo Scavino. Einst ein Prachtwein, heute nur ein durchschnittlicher alter Wein, der zwar viel von Boden und Land erzählt, aber hintennach nur plump bleibt. Verglichen mit einem 1999er, der parallel getrunken wurde, eine weitere Durchschnittlichkeit. Der junge Bric hingegen ist ein fantastischer Saft.

Der Captain sagt: große italienische Rotweine sind im mittleren Alter (8 bis 12 Jahre) ein echtes Trinkvergnügen. Danach wird es schwierig. Entweder sie behalten ihre Struktur und erscheinen trotzdem plump. Oder sie hauchen ihr Leben in der Flasche aus.

Wer also Weine länger aufbewahren will (Geburtsjahr des Kindes, Hochzeitstag, etc.), der sollte auf französische Weine (Bordeaux, große Burgunder, Rhone) ausweichen. Der Jahrgang bleibt entscheidend. Oder Süßweine horten. Auch italienische. Aber das ist eine andere Geschichte.

Große und gute ältere italienische Jahrgänge:

Toskana: 1988, 1989 (mit Vorbehalt), 1990, 1995, 1997, 1999, 2001
Piemont: 1988, 1989, 1990, 1995, 1996, 1997, 1998, 1999, 2001 (mit Vorbehalt)

Der Captain empfiehlt außerdem auch noch weitere italienische Weine.



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Kommentare 17

Kommentare

Alice ganz naiv

Als völliger Weinlaie stelle ich mir jetzt die Frage: Warum können diese italienischen Rotweine das nicht, was die Franzosen lt. Captain können? Liegt das an der Art des Weinmachens, an den Sorten, an der Lage, am Anbaugebiet?

Danke

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Der Captain

Ich denke es ist das Terroir. Und die Möglichkeiten, die es bietet. Es gibt auch lang lagerfähige italienische Legenden wie den Gattinara (bis zu fünf Jahre Fasslagerung), den ich aber für keinen wirklich guten Wein halte, bzw. habe ich noch keinen guten Gattinara getrunken. Dann gibt es noch die Riserva Ducale d´Oro, ein Chianti Ruffino, der sich auch als äußerst langlebig erweist. Und günstig ist. Davon später mehr..

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vinoroma

Lieber Captain, gerade entdect, schon schreibe ich meinen ersten Kommentar!

Ich bin einverstanden, dass die oben erwähnten Weine alle bereits zu alt sind. Bin aber nicht einverstanden, dass die Italienischen Weine im allgemeinen nicht fürs lange Leben taugen.

Alle oben aufgezählten Weine kommen von den so genannten "modernisten", die die Weine in barriques lagern. Ich bin der festen Überzeugung, dass eine barrique Lagerung die Weine früher trinkfreundlich und dafür auch früher tod macht. Traditionalisten, besonders in den Gegenden wie Barolo, Brunello etc., benutzen große Fässer - die Weine, frisch auf dem Markt, sind sehr "hart", dafür präsentieren sie sich Jahre später auf dem Höhepunkt.

Einige gut gealterte italienische Weine, die ich kürzlich getrunken habe - 1988 Francesco Rinaldi, 1976 Soldera, 1946 Marchesi di Barolo, 1988 Regaleali Tasca d’Almerita, 1977 Torgiano Lungarotti, 1971 Chianti Classico Castell in Villa.... die Liste kann man verlängern. Neben Terroir spielt auch der Keller eine große Rolle, man muss wissen, wie man mit dem Terroir umgeht.

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Der Captain

Vielen Dank für die Ergänzung und den Kommentar. Mir (und auch unseren Lesern) wäre wichtig zu wissen, welche italienischen Weine Ihrer Meinung nach länger lagerfähig sind; Weine, die man jetzt kaufen und in den Keller legen kann..

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Jill Mercedes zustimmend

Ornellaia, schon das Wort ist Musik an meinem geistigen Gaumen_seid einem viertel Jahrhundert mein Lieblingswein, gehört sozusagen zur Familie! habe in den letzten drei Jahren so einige Flaschen aus verschiedenen Jahrgängen 8habt Dank liebe Freunde) hingabevoll austrinken dürfen und 2001 aus der Magnum (welch selbst innerhalb gleichen Jahrgangs einen erheblicher Unterschied darstellte!) war der uneingeschränkt der Sieger um den Genuß_ eine kleine Offenbarung!
Ältere Luxuslagerungen fielen gnadenlos im Glas zusammen, wie Fresken nach dem Öffnen der Grabkammern.
Bin mit meinen (sehr) bescheidenen Erfahrungen zu selbigen Schluß wie die werte Mannschaft gekommen. Da ich keine Geliebte der schwereren Geschütze: Amarone und Konsorten, nicht bin, kann ich auch nichts dazu sagen.
Hab' noch einen Solaia 1990 im Schrank_wer als erster in Luxembourg durchfährt, darf ihn testen_doch wird er/sie wohl enttäuscht werden, daher tut hier Neid keinen Not!
p.s. unter den 'Jünglingen' gehört zu den neuen Lieblingen der
treuen Landratte: Petra_(noch) bezahlbar und trotz schöner Verpackung und architektonisch ambitionierten Kellerei von Botta entworfen, ein herrlches Weinchen zum Jungtrinken (sagt eine, die nicht gerne wartet). _Euch

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Der Captain

Amarone ist wieder eine ganz eigene Welt, über die es sich gesondert zu berichten lohnt. Mir ist das alles etwas zu alkoholisch und ich hatte nur einmal in der Bottega in Verona das Vergnügen einen alten Amarone von Masi zu trinken (1970?), der angenehm und gut war, aber irre überzahlt (€ 350.-) für das, was er konnte. Den Solaia koste ich gerne, wenn ich mir das Schwarzgeld abhole..

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vinoroma

Schuldigung, ich dachte das war bereits meinem Kommentar entnehmbar, war wohl nicht klar genug:

Im Allgemeinen, Weine die von Traditionalisten gemacht werden, in großen Holzfässern anstatt in Barriques gelagert. Natürlich gehe ich davon aus, dass alle Vor-Bedingungen schon erfüllt sind (richtige Terroir, passende Rebsorte, geringe Erträge, sauberes Arbeiten, guter Jahrgang, usw.).

Im Besonderen, die Namen die ich bereits genannt habe produzieren immer noch nach den Kriterien, also sind auch empfehlenswert. Auch wenn, zugegebenermaßen, nicht immer erschwinglich.

Ich breche gerade auf zu einer einwöchigen Reise zu einigen Weingütern und deswegen habe ich nicht sehr viel Zeit. In einer Woche, wenn ich wieder zurück bin, und wenn diese Diskussion noch aktuell ist und Interesse besteht, bin ich gerne Bereit, weitere, auch zugänglichere, Weine/Produzenten zu nennen.

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Der Captain

Wir würden uns sehr über diese Informationen freuen. Gute Reise..

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Thomas Faschingeder hilfesuchend

Ich hab mal einen Barolo Tosetti 1988 geschenkt bekommen, die älteste Flasche in meinem Jungen Weinleben (und -keller). Kennt man den?
Nach diesem Artikel frag ich mich, wäre der jetzt zu öffnen, mit einer jüngeren Backup-Flasche in der Hinterhand?

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Der Captain

jetzt trinken. Bei 18-20 Grad. Nicht dekantieren, wenig Luft geben, nicht allzu große Gläser. Zum Essen, jedoch kein schweres Fleisch, sondern eher Pasta mit Salsicce oder Ragout.

Und dann dem Captain berichten..

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Reblaus Nord ruhig...

Vielleicht will gar keine alte Italiener! Warum auch?Wen Sie nach 3-8 Jahren sowieso am besten sind dann muß man Sie eben einfach in dem Alter trinken!Irgendwie hat man als Weintrinker/Sammler immer abzuwegen zwischen "Kindermord" und "zu tote lagern"wobei ersteres möglicherweise in diesem Falle das geringere Übel ist.
Aber es gibt auch Italiener die wirklich alt werden können so zum Beispiel der Barolo Riserva von Bruno Giacosa oder der Monfortino Reserva und Reserva Especiale von Giacomo Conterno und klar auch die Amarone von Dal Forno. Kosten allerdings alle viel, sehr viel Geld!
Brunello hat es da schon schwerer aber einiges an Potenzial würde ich Casa Novi di Nero mit dem "Cerretalto" zugestehen! Vieleicht ein Geheimtipp wären die Weine von Antoniolo aus der Region Gattinara speziell sein Osso Grato.
Südtirol, Friaul und Sizilien haben es da eher schwer da gibt es wenig das 8 Jahre gut übersteht. Klar süß oder/und Gewürtztraminer geht immer aber ob das wirklich besser wird?
Grundsätzlich aber möchte ich sagen das auch das Trinken von Altwein "erlernt" werden muß.Durch die Reifung kommen eben auch Noten in den Wein welche nicht immer nur Freude hervor rufen z.B. Laub und Unterholz, getrocknete Pilze und Teer oder Rauch und Erde. Auch werden die Weine teilweise ausgezehrt und hart oder eben auch nur dünn und ausdruckslos.Oft bleibt einem nur die Erfurcht vor dem Alter als Trost.Lehrreich und interresant jedoch ist es allemal.

Wichtig natürlich auch was erwarte ich eigendlich von dem Wein? Oft ist die Erwartungshaltung schlichtweg utopisch!Was soll ein 20 Jahre alter Chianit können?

Nur muß man auch immer bedenken war der Wein überhaupt mal groß und wie hat er sein Leben gefristet sprich wie war er gelagert!
Italien wir aber bei den Altweinlegenden nicht an Frankreich, Spanien, Portugal, Deutschland und teilweise Österreich ran kommen. Es ist allerdings in guter Gesellschaft, die USA, Südafrika, Südamerika uvam stehen da ebenso Gewehr bei Fuß.
Möglicherweise etwas böse aber doch sehr treffend ist für mich der Spruch von einem Michael Brodtbend:To drink an old wine is like having sex with an old women, it can be done, it can be quiet pleasant but it needs a lot of fantasy!
Ladies keine Sorge das geht auch mit "old men" um da keine Missverständnise zu erzeugen;-)  

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erster Offizier sehr erfreut...

..über diesen Leitfaden, der dieses Thema sehr gut abrundet. Wir an Bord hatten leider mit beiden Vertretern aus dem Piemont ebenso Probleme, wie mit jenen der Toskana. Und uns ging es vor allem um die Aufklärung, dass die teuren Weine aus Bolgheri und Umgebung nicht diese Lagerfähigkeit haben, wie sie selbst (Sassicaia) immer behaupten. Viele Konsumenten haben teure italienische Weine im Keller und denken, diese sind fünfzig Jahre und mehr lagerbar. Oder sogar Spekulationsobjekte. Das ist eben ein Irrtum. Ert gestern waren wir in Hamburg bei einem guten italienischen Lokal in Eppendorf, wo man uns stolz die Sammlung 1990er Ornellaia präsentierte. Mit dem Kommentar: "Die können ja noch Jahre liegen bleiben". Wir haben das verneint. Es wurde ungläubig zur Kenntnis genommen. Ich bin sicher, der Wein bleibt dort liegen. Dabei gehört der 90er Ornellaia gerade jetzt getrunken. Sofort.

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Tiefgaragenwinzer

mann, käptn, da wird ja allerhand in einen topf geworfen und fürchterlich verallgemeinert. anhand dieser paar beispiele auf die alterungsfähigkeit ganz italiens zu schließen...tststs.
ich stimme zu, dass die meisten toskanesennach 15 jahren drüber sind und auch nicht oft besser werden, aber ich habe viele tolle alte barolos genießen dürfen und der macht dann schon viel mehr spaß.
ps: Scavino würde ich auch nicht so lange aufheben.

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Der Captain

eben: auch nichts anderes, als das, was ich sage. die schönen alten barolos sind bei mir halt noch nicht vorbeigekommen. maybe tomorrow..

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Michael Liebert italophil...

Es hat sich inzwischen sehr viel verändert in der italienischen Weinwelt und ich glaube, es ist ein Fehler, die bedingte Lagerfähigkeit der damaligen Wein auf heute zu übertragen.

Sicher, die Jungs haben damals gewaltig auf den Putz gehauen und hatten wohl auch zuviel Adrenalin im Blut... Meine Erfahrungen decken sich da durchaus, vieles was man damals als toll erachtet hat, ist über den Berg. Ausnahmen bestätigen die Regel...

Man muss aber bedenken, dass man erste Mitte bis Ende der 80er Jahre begonnen hat, in der Toskana vernünftige Weine zu machen. Und diese Weine wurde im Keller gemacht, denn Veränderungen im Weinberg dauern. Elisabeta Foradori hat das mal sehr schön formuliert: "Veränderungen im Keller kann man von einem Jahrgang auf den nächsten realisieren, am nächsten Qualitätssprung arbeite ich seit über 10 Jahren und es dauert wohl noch, denn der hat im Weinberg zu passieren. Neu Klone, Erziehungssysteme, andere Pflanzdichte..."

In den 90ern ist da viel investiert worden und einige diese Weine sind bereits auf dem Markt, aber kaum einer hat es bisher bemerkt, denn die höhere Lebenserwartung, die komplexere Struktur werden wir Weintrinker wohl erst in etlichen Jahren zu schätzen wissen...

In Bordeaux und Burgund hat man ein paar Jahrzehnte Vorsprung im qualitätsorientierten Weinbau (in den anderen Regionen hat man die gleichen Probleme wie in Italien...), der sich in den Weinen der 80er Jahre noch heute bemerkbar macht. Mal sehen, wie es in 10-20 Jahren aussieht!

Lieben Gruß und toi, toi, toi für diese tolle Website!

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Der Captain

Vielen Dank, auch für diese abwägende und interessante Einschätzung.

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