Um halb vier wird von Vater Natur das Licht ausgemacht, draußen tobt Eisregen, die Christkindlmärkte (für die Nordlichter: Weihnachtsmärkte) stinken nach Glutamat und Transfetten und halblustige, dafür aber vollbetrunkene Charity-Punschtrinker wanken durch die Innenstädte. Der Winter: eine schreckliche Zeit.
Doch auch nach Weihnachten, wenn David Bowie endlich nicht mehr vom Drummer-Boy singt ("Taramtataram") wird das Wetter nicht besser. Silvester muss man sich in Italien mit Champagner wegsaufen (hier kommen noch Tipps vom Captain). Den Januar sollte man in einer Truhe verbringen. Den Februar auch. Eingesargt. Die Tierwelt hat recht: Winterschlaf.
Aber bevor der Captain hier die Initiative "Winterschlaf gegen Lebenszeitverlängerung" ausruft, schnell noch die ersten Tipps zur Aktion Eichhörnchen, das Einlagern im Keller und die Weine, die man in die Januar-Februar-Truhe mitnehmen soll. Rotweine natürlich.
+) Rioja Castillo Ygay Gran Reserva Especial 2001 von Marques de Murrieta
Ein klassischer, aber modern gemachter Rioja alten Stils. Soll heißen: gefällt Parker nicht, dafür aber dem Captain. Murrieta veröffentlicht gerne gereifte Weine. Das hat den Hintergrund, dass die Firma genug Heu im Schuppen hat und nicht jedes Jahr neues Heu einholen muss ("Cash ist King", wie Captains Leser TPO gestern kommentierte). Deswegen ist dieser Rioja schon etwas (Betonung auf "etwas") reifer, riecht herrlich nach Weichsel und Himbeere, schmeckt nach Roter Grütze, dem Boden (Kies mit Kalk) der Region und nach der Eiklarschönung von glücklichen Hühnern. Super Jahrgang, ausgesuchte Lagen, toller Wein.
gesehen für 29,80 Euro bei Cielo-del-Vino
+) Chateau Montus 2006
Der Montus ist ein Nischenwein. Als die großen Bordeaux Mitte der Neunziger Jahre in monetär unerschwingliche Höhen entschwanden, stand der Montus als Ersatz bereit: ein großer französischer Rotwein für wenig Geld. Das war natürlich auch nur ein Märchen, denn der einfache Montus kommt an die großen Chateaus der Gironde nicht heran. Der Vergleich ist Unsinn. Aber: der Montus ist ein schöner und trinkfreudiger Wein mit einer ausgeprägten Sortenstilistik (Tannat). Er ist fruchtbetont, hat viel Gerbstoffe und einen kräftiger Körper. Kann man vor dem Trinken in der Truhe lüften.
gesehen für 21,30 Euro bei La-Cave-Spirituelle (ohlala)
+) Wiener Trilogie 2007 von Fritz Wieninger
Seit Jahren ein alltäglicher Begleiter des Captain. Viel Wein um wenig Geld. Eine Cuveé aus Wien von Zweigelt, Merlot und Cabernet: Frucht, die vom Fass nicht zerstört wird. In der Nase viel Beeren, eine Spur Kräuter und Minze, etwas Avocado und etwas Vanille. Am Gaumen dann eine erstaunliche Breite und auch ein lang anhaltender Geschmack. Unerwartet lang.
Jederzeit herrlich zu trinken. Auch so nebenbei, so wie jetzt, wenn der Tag dunkel bleibt. Das macht Freude. Besonders gut und lange haltbar in der Doppelmagnum, die der Winzer für Feste füllen lässt.
gesehen für 11,19 Euro bei Wein&Co
+) Chateau Beychevelle 2005
Da muss man nicht viel sagen. Seit Jahren ein großer Bordeaux. Das Jahr 2005 war zudem ein wunderbares Jahr in der Region und brachte einen großen, lang haltbaren Jahrgang. Trotzdem ist dieser Beychevelle schon gut zu trinken (eine Stunde vorher dekantieren tut gut) und bringt wie so oft den typischen St. Julien-Terroirton mit ins Glas, eine leicht strenge Note, die der Captain gerne mag. Der erstaunlich günstige Preis beweist, dass auch im Bordeaux die unbeschwerten Tage vorbei sind. Die Arroganten müssen es billiger geben.
gesehen für 49,00 Euro bei Hawesko
+) M 2005 von Mondavi
Mondavi gehört jetzt dem Weinmulti Constellation. Die Erben des großen Robert Mondavi haben es vergeigt, das darf man ruhig so sagen. Zur neuen Zeit bei Mondavi passt dieser "M" gar nicht, denn er ist so völlig am Markt vorbei produziert, dass es eine Freude ist. Und er trägt die Handschrift von Michael Mondavi, der mit diesem Produkt eine Art Außenposition bezieht und der eigentliche Botschafter und Retter des Namen Mondavi sein will.
Dieser völlig abgehobene Wein ist aber einer der besten Cabernets, die der Captain je probiert hat. Und zwar, weil er genau das erfüllt, was man von ihm erwartet. Er ist mächtig, fruchtig und elegant. Und er hat nicht einen Fehler, selbst Individualität fehlt nicht, die verleiht ihm die französische Note. Und er ist, anders, als andere kalifornische Cabernets, näher am Boden gebaut, bringt das Terroir gut zu Geltung. Unverschämt teuer, einen Tag vorher in die Karaffe und lüften. Der Captain hasst solche Weine, dieser Wein war jedoch "outstanding".
gesehen für 249,00 Euro bei Wein&Co (falsches Flaschenfoto, so sieht der Wein wirklich aus)







Im Winter in der Truhe. Mit vielen Vorräten 




nur eine völlig unweinige frage: warum vater natur? gibts dafür einen bestimmten grund?