Nein, nicht ausgerechnet diesen Wein, schallt es dem Captain entgegen! Doch der Captain hat einen eigenen Kopf und macht den Welschriesling der Winzerfamilie Wachter-Wiesler zum Wein der Woche. Trotz Winter, trotz exzellenter Rotweine der Wachter-Wieslers, trotz Einspruch. Basta.
Die Familie Wachter-Wiesler keltert am Eisenberg im südlichen Burgenland in Österreich. Die ungarische Grenze ist in Rufweite (und problemlos ohne Kontrolle auf jedem Feldweg passierbar), die slowenische Grenze nicht weit weg. Jahrhundertealtes Weinbauland aber erst seit etwa 10 Jahren richtig im Fokus der Weinwelt. Ein Spätzünder. Und landschaftlich schöner, als der bekanntere Norden des Landes, wo einige der teuersten und etabliertesten Weine Österreichs abgefüllt werden.
Wachter-Wiesler produzieren vor allem Rotweine, aber dazu später. Zuerst ein paar Worte zum Wein der Woche, dem Welschriesling 2008, einem Wein, wie er anders selten sein kann.
Normalerweise mag der Captain keine Welschreislinge. Er hielt die Sorte eigentlich immer für unnötig. Bis letztes Jahr, als er auf der Jasdi-Pince am ungarischen Plattensee fette und ausgewogene Welschrieslinge im Burgunderglas trank. Herrliche und teure Tropfen eines Welschriesling-Enthusiasten, welcher der Welt zeigen will, was die Traube kann.
Und genau an diese Welschrieslinge erinnert den Captain der Welschriesling von Wachter-Wiesler, den man auch nur im großen Glas trinken sollte. Es ist eine dichter, vollmundiger, cremiger Wein (12 % Alkohol) mit hoher, aber angenehm schmeckender Säure, der nach nassem Stein und nasser Erde riecht, eine hohe Mineralität mitbringt (Schieferboden mit dünner Lehmschicht) und am Gaumen etwas Limone, aber vor allem viel Birne schmecken lässt. Birne mit brauner Schale. Keine Birne mit grüner Schale. Wer hier einen typisch österreichischen 08/15 shiny-happy-people-Veltliner sucht, ist fehl am Platz.
Nun das Beste: Er kostet 5,00 Euro.
Und weil die Wachter-Wieslers recht haben, wenn sie meinen, man sollte vor allem ihre Rotweine erwähnen, so will der Captain nicht hintanstehen, den sehr gefälligen und amüsanten Blaufränkisch Pfarrweingarten hervorzuheben (2007, 12,00 Euro), der 30 Tage auf der Maische stand und danach 18 Monate im gebrauchten Fass reifte. Ein schöner Wein mit stabilem Gerüst und erfrischender Säure. Das abgenutzte Toasting der gebrauchten Fässer gibt dem Pfarrweingarten eine leichte Eleganz, die der Wein mit seiner Säure noch unterstreicht.
Sehr gut auch die Cuveé Julia (2007, 90 % Blaufränkisch, der Rest Merlot und Cabernet Sauvignon, für 18,00 Euro), die abwechselnd in 500 Liter-Fässer und im neuen Barrique ausgebaut wurde. Die Blaufränkisch-Reben sind 35 Jahre alt und wurzeln sehr tief. Folglich ist der Wein ungeheuer mineralisch und ein exzellenter Vertreter der Sorte. Cabernet und Merlot geben ein wenig Stoff und machen den Saft fetter. Der Captain hätte diese Cuveé gerne auch mal in einer anderen Zusammenstellung getrunken. Die Julia 2007 hat noch eine Menge grüne Töne und sollte mindestens 5 Jahre weggelegt werden. Ein eleganter finessenreicher Spätzünder. 2015.
Noch länger lagern sollte man den Cabernet 2007 ("nur" 13,5 % Alkohol, für 24,00 Euro), ebenfalls eher auf die elegantere Halbkugel der Weinwelt hingesetzt. Viel Kirsche, Hagebutte und Brombeere. Und zur Gänze im kleinen Holzfass ausgebaut. Klassisch international, jedoch im Terroir verankert.
Bei Wachter-Wieslers kann man übrigens hervorragend essen und gut schlafen. Nach dem Keller.













Ach Captain, wo soll das enden? Jetzt bin ich schon wieder versucht, einige Flaschen zu probieren und zu kaufen - aber langsam stoße ich an ernste Kapazitätsgrenzen. Es könnte also zum ultimativen Stauraumshowdown kommen: Schuhe oder Weinflaschen. Sie sehen, die Lage ist ernst. Und NEIN, einen Kommentar können Sie sich sparen.
*grmpf*