Es gibt Rebsorten, da macht mich alleine der Name schon halbwegs verrückt. Ein schönes Beispiel dafür ist: Albalonga. Kennt Ihr nicht? Kein Wunder.
Albalonga, ein Name, der in bestimmten Zuständen kaum noch auszusprechen ist. In Rheinhessen und der Pfalz leidlich bekannt, im Rest der Welt eher nicht. Man findet kaum einen Wein aus dieser schwer auszusprechenden Rebsorte. Selten in den Preislisten von Weingütern, wahrscheinlich noch seltener auf der Weinkarte eines Restaurants. Schätzungsweise 15 Hektar gibt es davon in Deutschland. Ergo: deutlich mehr als 100.000 Liter Wein. Der muss ja irgendwo sein. Wo, ist leicht erklärt.
Wo ist die Albalonga?
Albalonga ist gar nicht mal so schlecht. Hohes Mostgewicht, hohe Säure und später im Wein exotische und tropische Fruchtaromen. Eine Traube, die sich damit hervorragend für die Produktion edelsüßer Weine eignet. Ich kenne auch nicht einen einzigen sortenreinen Albalonga, der trocken ausgebaut ist. Bisher kenne ich nur alles ab Auslesen aufwärts.
Albalonga ist vergleichsweise jung. Gezüchtet 1951 in Bayern aus Rieslaner und Silvaner, zugelassen seit 1971. 1988 gab es noch 34 Hektar, heute sind es vergleichsweise bescheidene 15 Hektar (Stand 2010).
Albalonga ist (und jetzt wird es wirklich spannend) ein fantastischer Verschnittpartner. Insbesondere für edelsüße Rieslinge. Ja, Ihr lest richtig: VERSCHNITTPARTNER.
Wenn auf einem Etikett „Riesling" draufsteht, dann heißt das nicht, dass da auch 100 Prozent Riesling drin sein muss. 15 Prozent darf der gesetzliche Verschnittanteil betragen. Einer anderen Rebsorte. Oder eines anderen Jahrgangs. Oder einer anderen Lage. Was liegt also näher, als den Albalonga mit seinen hervorragenden Eigenschaften munter und fröhlich in einen edelsüßen Riesling reinzupacken? Das gibt der Sache Pepp, Frucht, ein Füllhorn tropischer Aromen und die Säure kickt ein wenig mehr. Also alles das, was einen edelsüßen Riesling ganz fantastisch „unterstützt".
Macht natürlich niemand - niemals - auf gar keinen Fall! Genauso wie niemals - unter gar keinen Umständen - Faber in den Weissburgunder kommt. Die Frucht kommt immer ganz von alleine. Außerdem heißt „Faber" jetzt gerne „Relaunch F", ist natürlich ein „Kultwein" und erobert so die Welt. Wer mehr über den Scheißdreck wissen will, klickt hier.
Würde ich jetzt sagen, ich kenne einige, die das tun, also Albalonga und Riesling „cuvetieren", dann wäre die Reaktion leicht vorhersehbar:
- „Nenn doch Namen, Würtz!"
- „Schande!"
- „So etwas erzählt man nicht."
Also lasse ich das und stelle ganze einfach nur theoretisch fest: Albalonga wäre ein toller Verschnittpartner für Riesling. Meiner Meinung nach einer der besten, die es gäbe! Noch eine kleine persönliche Anmerkung: hätte ich Albalonga zur Hand, ich würde ihn ganz sicher mit dem Riesling verschneiden. Aber ich würde es dann auch offen und ehrlich sagen.
Ausbalancierte Trockenbeerenauslesen
Es gibt sie aber, die Winzer, die diese Rebsorte sortenrein ausbauen und abfüllen. Das Weingut Goehring in Flörsheim-Dalsheim ist so ein Kandidat. Und die machen das richtig gut. Ich habe noch Albalonga-Trockenbeerenauslesen aus den Achtzigern von Goehrings. Die sind nicht nur gut, die sind ganz große klasse. Sie sind ewig haltbar, reifen in Würde und haben alles, was einen edelsüßen Wein ausmacht. Diese unglaubliche Balance zwischen Süße und Säure, dieses Vibrieren und diese schier endlose Länge. Es versteht sich von selbst, dass eine Flasche Albalonga Trockenbeerenauslese nur den Bruchteil einer ordentlichen Riesling Trockenbeerenauslese kostet. Alleine der Name ist und bleibt eine Zumutung.
Für das Protokoll: Der Name Albalonga kommt aus dem Latein: Alba = weiss. Longa = lang. Die „lange Weisse". Helles Blattwerk, schlanke, längliche Trauben.
- Albalonga Trockenbeerenauslese 2003, Weingut Göhring, 0,375l Flasche für 17 Euro ab Hof, die Website ist eine Zumutung.
- Albalonga Trockenbeerenauslese 2006, Weingut Göhring 0,375l Flasche für 30 Euro Euro ebenda.
Unser Rettungslotse Dirk Würtz ist Weinmacher und der führende deutsche Weinblogger. Dieser Artikel erschien auch hier.







Da wächst keine Albalonga. Sieht trotzdem hübsch aus. 






Lustig, Ihr Kommentar. Amüsiert mich, erinnert mich fast an den, den Sie hier aus welchem Grund auch immer als Namensgeber/träger (hahahahaha...) verklären (noch mal: hahahahahaha, weils so schön ist).
In den letzten Tagen wurde doch genug zur alten Socke geschrieben. Wenn Ihnen der Duft so gefällt, sehen Sie doch mal in den eigenen Schuhen nach....und? Sehen Sie. Schon besser oder?
Die frischen Autoren (nicht immer die gleiche vulgäre Show eines versoffenen Narzissten) sind doch schon mal ein ganz guter Schritt hin zu einem längst überfälligen CaptainCork. Und mit dieser Meinung, mein verehrter Herr, bin ich nicht der einzige hier. Mehr neue Inhalte, mehr neue Autoren - das ist aus meiner Sicht der richtige Weg: das ist CaptainCork und nichts und niemand anderes.
...aber wüten Sie ruhig weiter, in den Kommentaren hat es ja sogar etwas Unterhaltsames an sich.