Der Captain kann sich gut erinnern: es war vor wenigen Jahren an einer Verladerampe einer Spedition in Wien. Dort wollte der Captain ein Paket abholen. Es war Sommer, ein richtig heißer Tag mit Temperaturen um die 35 Grad, die in Wien immer weniger zur Seltenheit gehören. Der Captain ging dabei an vier Paletten Wein vorbei, die schutzlos in der prallen Sonne standen. Vom Frächter ab- und noch nicht umgeladen.
Der Captain, ganz Blockwart, machte die Bahnleute auf ihr Versäumnis aufmerksam und verlangte, dass die Flaschen in einen gekühlten Raum gebracht werden. Der Bahnspediteur wies das Ansinnen als grotesk zurück, es handle sich hier doch "nur" um Wein. Und nicht um Arzneien oder sonstige Besonderheiten.
Der Captain las den Lieferzettel und stellte fest, dass er den Weinhändler selbstredend kannte. Und so rief er ihn einfach an und klärte ihn über die Situation auf. Zwei Stunden später war der Lastwagen da und die Weine in Richtung Lager unterwegs.
Alles schal, alles hinüber
Zwei Jahre später traf der Captain den Händler bei einem Abendessen. Und als man an der Bar einen letzten Drink nahm, da fragte der Captain, was eigentlich aus den Weinen geworden war, die damals so schutzlos der prallen Sonne ausgesetzt gewesen sind. Der Weinhändler zuckte mit den Achseln. "Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass die drei Kisten Riesling, die ich privat konsumiert habe, sehr schal schmeckten. Und auch sehr unterschiedlich, telweise oxidativ. Keiner dieser Weine war ein Freude."
Mitunter, so erzählte er weiter, sei auch der Kork beeinträchtigt gewesen, Flüssigkeit sei durch die Kapsel ausgelaufen und habe sich am Flaschenrand klebrig verkrustet. Diese Flaschen waren dann besonders ausdruckslose Weine. Aber so richtig fehlerhaft sei kein Wein gewesen. Und es habe nur einen Korkfehler gegeben.
Ein irrtümlicher Ausflug nach Dubai
Was wohl der Wahrheit entspricht, einer Wahrheit, die viele nicht wahr haben wollen. Die Gründe dafür sind dem Captain unerklärlich. Der Captain ist sicher, dass Jahr für Jahr mindestens ein Zehntel der Weinproduktion durch unsachgemäße Logistik und Lagerung vernichtet wird. Da stehen die Flaschen ungekühlt oft Wochen in irgendwelchen Lagerhallen, da fliegt XXX mal irrtümlich zwei Paletten nach Dubai, wo sie am Beton Platz nehmen, bis sie am nächsten Tag in Frankfurt landen (das ist einem befreundeten italienischen Winzer passiert), da stellt der Kleinlastwagen die Kisten in praller Sonne oder auch bei Minusgraden vor die Türe, als wäre der Inhalt Mineralwasser.
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Am besten, der Winzer bringt die Flasche persönlich. 





Diese Situation kann ich gut nachvollziehen. Ein paar Anmerkungen hierzu, die einander bedingen:
1. Ich habe mehr als 12 jahre Weine aus Chile importiert. Viel Erfahrung im Wein hatte ich nicht. Ich war eben wirtschaftlich orientiert und habe auch nicht wirklich mich darum gekümmert, "wie kommt der Wein" bei uns an. An sorgsamem Umgang mit diesem Gut wurde nicht gedacht. Und ausgebildet in Sachen Wein war ich auch nicht.
2. Wenn ich höre, wie scheinbar "interessenlos" der Weinhändler diesem Thema gegenüber steht, graust es mich (heute)!
3. Die Logistik! Es ist nicht die Kernkompetenz, sich mit der Empfindlichkeit des zu transportierenden Gutes auseinander zu setzen.
4. Frage an den/die Winzer: Mit welcher Leidenschaft wird der Wein produziert und ist es ihm egal, wie mit seinem Produkt umgegangen wird. Hauptsache verkauft!
Diese Punkte bilden eine Kette von Problemen und wären ein sinnvolles Thema in einem Forum z.B. DWI. Der Fachhandel jammert, dass die Großfläche ihm die Umsätze abjagt. Wenn ich mich nur auf augenhöhe mit der Großfläche befinde, dann muss ich mich nicht wunder, wenn ich überholt werde. Es gilt mehr denn je, die USP zu zeigen.
Meine Bitte an den Captain: Das Thema mehr tematisieren. Ich wäre dabei!
Beate E. Wimmer
www.vinalia.de