25.06.11 WEINWISSEN 4 Einem Freund senden

Mallys Schulstunde: die Reblaus

Die Reblaus, die alte Schlampe. (Fotos: Zeno.org)Die Reblaus, die alte Schlampe. (Fotos: Zeno.org)

Hier wird ständig vom Wein geschrieben. Ich fände es mal ganz interessant darüber nachzudenken, was so passieren muss, damit es plötzlich keinen Wein mehr gibt. Wie bitte? Ja, hat es alles schon mal gegeben. Hervorgerufen durch die Reblauskatastrophe im 19. Jahrhundert - einem der härtesten Rückschläge des europäischen Weinbaus. Es ist fast unvorstellbar, dass so kleine Mistviecher einen so großen Schaden anrichten konnten. Und es gibt Leute (keine Schwarzseher), die meinen, dass uns eine ähnliche Katastrophe dank des Klimawandels bald wieder heimsuchen könnte.

Die Reblaus stammt aus der Familie der Zwergläuse und ist einer der bedeutendsten Schädlinge im Weinbau. Der Lebensstil der Reblaus ist relativ komplex. Unter anderem, weil sie einen Wirtswechsel zwischen Rebstock und seiner Wurzel macht. Manche von ihnen entwickeln sich im Spätherbst zu geflügelten Rebläusen. Den so genannten Reblausfliegen, die dann den Boden verlassen und irgendwann auf die Rinde der Rebstöcke kleine männliche und große weibliche Eier ablegen.

Aus diesen Eiern schlüpfen dann kleine unnötige Arschlöcher - man nennt sie Geschlechtstierchen. Diese Geschlechtstierchen haben eigentlich gar keinen Nutzen, außer sich fortzupflanzen und das tun sie auch. Ein Winterei pro begattetem Weibchen. Diese Wintereier befinden sich nebenbei etwas geschützt in Rindenritzen.

Die wahren Schlampen: blattgeborene Wurzelläuse

Aus den Wintereiern schlüpfen im Frühjahr die Maigallenläuse, die an den Blättern amerikanischer Reben Blattgallen ausbilden und dort wieder 1.000 bis 1.500 Eier legen. Hier schlüpfen dann wieder zwei verschiedene Arten von Larven, die auch unterschiedlich aussehen. Die einen bilden wieder Gallen an den Blättern. Die anderen sind die wahren Schlampen, denn sie sind es, die später die Wurzeln der Reben aufsuchen und sie befallen. Man nennt sie blattgeborene Wurzelläuse. Dort im Erdreich sorgen sie entweder für Nachschub oder sie beginnen mit der Invasion. Die Anzahl der Rebläuse, die zum Nebenwirt in den Boden wandern, nimmt von Generation zu Generation zu. Bis irgendwann alle im Erdreich sind. Allerdings machen sie sich nicht sofort an die Wurzeln, sondern gehen zuerst in tiefere Erdschichten, um zu überwintern. Ihre Zerstörungstour beginnen sie erst im Frühjahr. Unter der Erde erfolgt die Vermehrung nur eingeschlechtlich. Neues Erbgut entsteht ausschließlich, wenn wieder ein paar der Rebläuse nach oben wandern und zu Reblausfliegen werden.

Die nordamerikanische Verwandte der Blattlaus wurde in den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts von der Ostküste der USA nach England und dann nach Südfrankreich eingeschleppt, wo sie sich rasant über den Rest Europas ausbreitete. Den größten Schaden richtete sie in Frankreich an, wo es kurz zuvor eine lange Mehltaukrise gab. Es wurde sogar eine Reblauskommission zur Bekämpfung der Plage ins Leben gerufen, die allerdings schrecklich erfolglos blieb. Über 500 Vorschläge wurden eingereicht und wieder verworfen.

Epidemien gibt es nur durch Monokulturen

Eigentlich ist die Reblaus ein Gelegenheitsschädling - zu Epidemien kommt es nur durch Monokulturen. Wobei die Blattreblaus eher ungefährlich und nicht lebensbedrohend ist. Gefährlich sind nur die Wurzelrebläuse, die durch ihre Saugtätigkeit das Leitgewebe der Pflanzen schädigen. Die Folge ist Nährstoffmangel, die Rebe stirbt ab. Was die Blätter betrifft, kann nur starker Befall gefährlich werden, weil sie dadurch leichter von Pilzen, Bakterien und Viren befallen werden können.

Zur erfolgreichen Bekämpfung wurden amerikanische Reblaustolerante Unterlagsreben mit europäischen Edelreisern bepfropft. Nur so konnte man den komplexen Fortpflanzungsmechanismen der Plage Einhalt gebieten.

Im Qualitätsweinbau können nur sehr wenige Regionen bzw. Gebiete mit wurzelechten Reben bestockt werden. Steillagen werden zum Beispiel nicht so stark von ihnen befallen. Am besten eignen sich jedoch sandige Böden, da sich die Rebläuse hier nicht halten können. Weswegen solche Gegenden von der Katastrophe verschont blieben. Einige davon findet man in Ungarn.

Wegen der aktuellen Warmzeit und der steigenden Anzahl von Hausreben erfährt die Reblaus übrigens eine unerwartete Renaissance. Wie ernst die zu nehmen ist, wird die Zukunft zeigen. Bzw. der eine oder andere Winzer hier unter meinem Beitrag anmerken.



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Kommentare 4

Kommentare

Gast

Interessant wär noch eine Reportage über die Goldgelbe Vergilbungskrankheit, die unter anderem durch die Rebzikade übertragen wird.
Habe gelesen, dass sie in der Südsteiermark schon ein paar Fällen dieser Rebkrankheit hatten.

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AskEnrico (via Facebook)

nur nicht anlegen - Captain!!! Auf dass die Reblaus nicht an Land gehe...

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Obermaat Mally (via Facebook)

können wir nicht irgendjemanden zum putzen einteilen - ich glaub mich juckt´s schon überall.. SCHIIIIFFFSSSJUNNGÄÄÄÄÄ

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weinspitz ...aha, so also hat der Hans Moser ausg'schaut.

Das mit der Süd-Steiermark stimmt, davon wurde mir auch gerade von Gerhard Wohlmuth jr. erzählt.

Was aber nicht stimmen kann: "Zur erfolgreichen Bekämpfung wurden amerikanische Reblaustolerante Unterlagsreben mit europäischen Edelreisern bepfropft"

Was bitte heisst Reblaustolerant?

Eher Reblaus resistent - Oder?

LG Knalli

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