14.10.10 WEINWISSEN 24 Einem Freund senden

Verschluss-Sache: Frag die Winzer

antik, umstritten, romantisch...antik, umstritten, romantisch...

Naturkork? Oder nicht? Der Captain hat in dieser interessanten (in Deutschland ungewöhnlich scharf geführten) Diskussion immer klar Stellung bezogen: Viele Weine (auch seine eigenen) kann er sich ohne Korkverschluss gar nicht vorstellen. Auch wenn es letztlich von geringem Interesse ist, was der Captain sich vorstellen kann.

Die Meinung mancher deutscher Winzer, vor allem aber die Meinung vieler deutscher Weinjournalisten (egal, ob in Print oder Internet) ist merkwürdig eindeutig: Wenn möglich, sollten alle Weine in Zukunft ohne Kork auskommen und dafür mit Glas, Kronkorken oder mit Stelvin - dem erprobten Schraubverschluss - verschlossen sein. All das ist besser, als der Korken, der im mythischen Glauben mancher Weinexperten seit Jahrzehnten alle Weine vernichtet.

Nun ist dem Captain aufgefallen, dass er und viele seiner Bekannten, die gerne Weine mit Kork trinken, viel weniger "Korkschmecker" (so der Ausdruck für den Korkfehler) haben, als jene, die den Kork zum Totmacher stempeln. Diese Winzer, Tester und Trinker, so kann man in den Foren mitverfolgen, haben quasi täglich mit einem Wein zu tun, der einen Korkfehler hat. Des Captains Bordpsychologin, vom Captain auf dieses Phänomen der verschiedenen Wahrnehmung angesprochen, sieht dies als weiteren Beweis der "selbsterfüllenden Prophezeiung"; ein Ordnungsbruch, der ihr schon länger Gedanken macht. Dem Captain macht das wenig Gedanken, Hauptsache seine Weine korken nicht.

Und das haben sie auch letzte Woche nicht getan. Weder der 1999er Leoville (jetzt ideal), noch der 59er Figeac (aus der Großflasche fantastisch), der 66er Talbot, der 79er Brane Cantenac, der 2006er Haut Marbuzet (ganz fürchterlich durchschnittlicher Wein ohne Länge), der 1999er Tignanello (immer noch fantastisch), der 2001er Ca´Marcanda. Und auch der 1953 Dürnsteiner Flohhaxn nicht, der aus der Dopplerflasche serviert wurde und ein ganz hervorragender Sherry war. Alle diese Weine hatten keinen Korkschmecker. Und auch die paar Montrachets nicht, die letzte Woche noch in der Schiffsmesse am Tisch standen. Eigenartig, denn zumindest einer dieser vielen Weine hätte ganz heftig nach TCA miefen sollen. Aber nix dergleichen.

Nun sind solche subjektiven Wahrnehmungen mitnichten der Beweis für irgendwas. Um sich schlau zu machen, wie die Korkdiskussion in anderen Ländern läuft, muss man die renommierten Weinbaugebiete besuchen. Oder einfach mal anrufen. Der Captain hat sich umgehört. Im Piemont, in der Toskana. Und im Bordeaux.

Frankreich

Letzte Woche zum Beispiel. Essen in Bordeaux. Mit Eric Hosteins, der Präsident des Bordeaux-Handelshauses Louis Vialard, eine "kleines" Unternehmen mit etwa 20 Millionen Euro Umsatz. Hosteins sieht den Korkverschluss unangreifbar im Bordeaux verankert. Zwar gab es eine Zeit lang grobe Probleme und es fiel so manch scharfes Wort, doch habe niemand ernsthaft je die Abkehr vom Kork in Erwägung gezogen. Auch nicht für die einfachen Weine. Und ebenfalls nicht für die Weißweine der Region Entre-deux-Mers. Obwohl, so sagt auch Hosteins, hier ein Schraubverschluss gut möglich wäre. Aber das "industrielle Design" sei selbst bei jungen Weintrinkern schwer durchsetzbar. Eine Mentalitätsfrage. Und tatsächlich: Ein Blick in die schicken Weinbars von Bordeaux zeigt: Kein Wein ohne Kork.

Gleiches hört man von Stefan Graf Neipperg, den der Captain auf La Mondotte besuchen durfte (die Fotos sind in der nächsten Ausgabe des Magazins "falstaff" zu sehen). Der Besitzer etlicher prominenter Weingüter hat keine Absicht auch nur einen seiner Weine mit Metall oder Glas zu verschließen. Die Korkindustrie, so Neipperg, habe auf die dramatischen Probleme umfassend reagiert. Der Druck war ja auch hoch. Heute gäbe es im Bordeaux weniger Korkschmecker denn je. Neipperg kann sich zwar noch an die schlechte Bearbeitung der Korkrinden erinnern. Jetzt jedoch werde die Rinde gleich nach dem Schälen ausreichend behandelt. Und nicht irgendwo liegen gelassen und obendrein im Produktionsablauf vernachlässigt, wie es in den Boom-Jahren üblich war.

Auch Jean-Michesl Cazes, unter anderem Besitzer von Lynch-Bages, hat neulich verlautbaren lassen, dass er sich keinen anderen Verschluss als den Naturkork vorstellen kann. Nur Michel Rolland ist für Experimente zu haben; er will alternative Verschlüsse aber erst in einer langen Testphase ausprobieren. Ob sie halten, was sie versprechen. Und ob ein Wein damit auch richtig alt werden kann.

Es ist also auch eine Tatsache in dieser Diskussion, dass ausgerechnet einige, der von vielen Journalisten verehrten Granden des französischen Weinbaus vom Kork nicht lassen. Und das, obwohl manche deutsche Fachjournalisten es viel besser wissen wollen.

Oder Italien.

Auch in Italien sieht es ebenso nicht danach aus, als würde einer der führenden Weinmacher auf einen anderen Verschluss ausweichen. Der Captain sprach mit Angelo Gaja, der von seinen Weinen behauptet, zu jeder Zeit nur ganz selten durch Korkfehler gelitten zu haben. Also auch nicht während der Massenproduktions-Krise Ende der Neunziger-Jahre. Gaja macht hierfür einen einfachen Grund verantwortlich: Seine Korken zählten immer zu den längsten und teuersten der Branche. Gaja weiter: „Viele Winzer haben in die Flasche investiert, ich habe den Kork schon früh als Schwachstelle gesehen, die man mit der nötigen Qualitätssicherung vermeiden kann."

Nirgendwo in Italien planen Winzer ihre Rotweine mit einem Alternativ-Verschluss auszustatten. Einzig beim Weißwein bröckelt die Ablehnungsfront. Nach einigen Weinmachern in Südtirol könnten nun auch friulanische Winzer dem Schraubverschluss zusprechen. Für die Merlots und Cabernet Francs der Region sehen die Weinmacher aber nach wie vor keine andere Möglichkeit, als den Naturkork. Sind wirklich alle so verbohrt?

Und Deutschland?

Ein großer deutscher Winzer, mit dem Captain gut bekannt, pfropft wieder vermehrt mit Kork. Selbstredend tut er das anonym, denn er hat keine Zeit, sich endlosen Diskussionen hinzugeben. Er erwägt in den folgenden Monaten, zwei seiner Kabinett-Rieslinge wieder zu verkorken. Grund dafür sind die durchaus positiven Erfahrungen, die er in den letzten Monaten mit dem Korkverschluss bei seinen Großen Gewächsen gemacht hat. Kein TCA-Stinker weit und breit. Grund aber auch: Er griff tiefer in die Tasche und kauft seit zwei Jahren Korken, die mit der so genannten "Rosa"-Technologie hergestellt wurden. Dabei handelt es sich um die Methode der kontrollierten Dampfdestillation, die die TCA-Moleküle aus dem Rohmaterial herausspült. Es heißt, bei dieser Methode büßt der Korken - im Gegensatz zu früheren Zeiten - keine Dichte mehr ein. Wenn es noch dazu Korkmaterial eines nachhaltig wirtschaftenden Lieferanten ist, dann ist, so sagt unser anonym bleibender Spitzenwinzer, mit einer Fehlerrate von gleich Null zu rechnen. Jedenfalls sei das seine Erfahrung.

Also auch beim Weißwein wieder zurück zum Kork? Dieser Rückwärtsgang wäre für viele Winzer von finanziellem Nachteil. Denn im Gegensatz zu den sicheren Schraubverschlüssen kostet der aufwendig bearbeitete High Tech-Kork etwa um ein Drittel mehr als der Schrauber. Das hilft zwar dem Image, schmälert aber den Gewinn. Es wird schwer sein, die Mehrheit der Kork-Abweichler wieder zum archaischen Material zurückzuholen.

Und es ist, wie Stefan Graf Neipperg sagt, auch ein bisschen deutsch, mit alternativer Technologie zu prahlen. Deutschland ist das Land der Verschluss-Avantgarde. Mehr noch als Österreich oder Australien (wo der Schraubverschluss auch sehr beliebt ist). In den traditionellen Weinländern bleibt man reserviert. Das könnte sich später mal als klug erweisen.



DruckversionPDF-VersionEinem Freund senden Share this
Kommentare 24

Kommentare

IrisLisson ..zustimmend.

kommt ja nicht oft vor, aber da kann ich mal ganz von Herzen zustimmen;-). Es gibt beim Kork erhebliche Qualitäts-- (und Preis-)Unterschiede und wenn man da als Winzer nicht spart, sollte es heute eigentlich keine Probleme mehr geben.

Es ist ja inzwischen auch hinlänglich bekannt, dass viele der sogenannten "Korkschmecker" von ganz anderen Einflussfaktoren stammen, die eher aus dem Keller stammen.

siehe: http://www.hr-online.de/website/rubriken/ratgeber/index.jsp?rubrik=55401...

und das weiß man in Frankreich z.B. schon etwas länger...

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Der Captain

Die Ironie will ich aufnehmen und fest stellen: Ja, das kommt nich oft vor..

Und dann habe ich ja in viele französischen Keller hineingerochen und weiß....

..aber jetzt halte ich lieber meinen Mund.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Andreas Nagel (via facebook)

Da spricht der Captain mir aus dem Herzen...!

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
SinZin

tja, wenn alle winzer die super korken kaufen dann wirds wieder viel zu wenig geben und die produktion von korken überhaupt einschränken. es wird in zukunft nicht die frage sein ob man will, eher die frage ob man noch welche bekommt. alleine deswegen werden die alternativverschlüsse bleiben, rund um die welt.

sicher wird man auch in den nächsten jahren mehr sachen finden um die korkfehler auszuschliessen, die werden immer besser. bäume wirds dewegen nicht mehr geben. und schneller wachsen wird noch mehrere generationen dauern um die neuzüchtungen abgesichert zur verfügung zu haben.

ich mag schraubverschlüsse, praktisch, sicher. was will man mehr.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
pivu

Die "Superkorken" für die "Superweine", meine Rede seit Jahren, der Rest - und der ist ziemlich groß - gehört verschraubt.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Master at Arms verwundert

Die Franzosen machen also so schlechten Wein, dass es auf die paar Korkschmecker auch nicht mehr ankommt? ;-)

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
pivu

Ist die massive Ablehnung des Naturkorks und das permanente Ignorieren von Gegenargumenten ein Phänomen des deutsch(sprachig)en Weinjournalismus? Vielleicht deshalb, um sich über diese Schiene zu profilieren - neben der einen oder anderen Attacke gegen die schreibende Konkurrenz - weil die eigene Stimme hinsichtlich der (angeblichen) Core-Kompetenz vor allem im Vergleich mit dem angloamerikanischen oder romanischen Sprachraum zunehmend weniger wert ist.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Gast

Lieber Captain eine Frage, wie erklären Sie sich dann die Variationen im Geschmack, im speziellen bei mit Naturkork verschlossenen gereiften Weißweinen ?

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Der Captain (auswärts)

Habe ich keine Erfahrung mit. Haben Sie Details?

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Gast

Es ist eine Tatsache, dass Menschen sehr unterschiedlich grosse Toleranz resp. Empfindlichkeit gegenüber THC und ähnlichen durch Kork verursachten Fehltönen haben. Es gibt Leute, die bei ca. 1/10 (!) der Menge an "gemeinhin erkennbarem Verseuchungsgrad" riechen, dass der Wein fehlerhaft ist und die aufgrund dessen den Wein WIRKLICH nicht mehr geniessen können. Es geht hier nicht um "kompliziert tun" oder "sich wichtig machen" etc! Der Captain hat ganz offensichtlich eine sehr unempfindliche Nase diesbezüglich in die Wiege gelegt bekommen. Ob dies für einen Weinhändler/-Afficionado nun Fluch oder Segen ist, lasse ich mal dahingestellt. Sicherlich ist es aber ein Segen in einer Runde, in der ein leicht bis sehr leicht gekorkter Wein auftaucht und den man mit so einer Nase dann trotzdem genüsslich trinken kann. Mir ist sowas jeweils nicht möglich, und es ist immer äusserst unangenehm, dies mitzuteilen resp. dadurch aufzufallen. Der Prozentsatz an verkorkten Weinen liegt bei ca. 8-25% (je nach Qualität der Korkmaterials), wenn man eben die leicht verunreinigten Weine mit einschliesst! Das ist eine horrende Zahl und sie ist NICHT übertrieben. Dass die meisten Leute nur ca. einen Prozentsatz von 3-8% erkennen können, ändert an der Tatsache rein gar nichts.

Wenn Grange und Margaux gut genug sind, auch Stelvin Verschlüsse zu verwenden, ist mir das nur recht und billig und zwar bei JEDEM Wein! Ich leide regelmässig unter für andere nicht erkennbar verkorkten Weinen und bin es wirklich leid, als Simulantin etc. bezeichnet zu werden von sogenannten Kennern (meist männlicher Ausprägung). Man kann für seine empfindliche Nase nichts und im Prinzip ist dies ein Geschenk. Leider stellt es sich bei sehr vielen mit Kork verschlossenen Weinen als Fluch heraus.

Ich lobe mir alle Weinproduzenten, die bereits umgestellt haben, dabei sind, oder dies noch tun werden. Die Polemik von Kork-Romantikern geht mir gehörig auf den Geist, denn wer das Gefühl für Wein von so einem kleinen Stück Verschluss und etwas Ritus abhängig macht, hat meiner Meinung nach nicht genug Fantasie und Genussfähigkeit. Ganz früher störte mich das Wegfallen des Entkorkens auch noch, aber als ich in den Weinhandel einstieg, realisierte ich das Ausmass an Verseuchung durch Kork und änderte meine Meinung rein aufgrund meiner gemachten Erfahrungen. Da ich wusste, wieso das Wegfallen der Korkromantik nötig ist, fiel es mir auch überhaupt nicht schwer und ich kann dem Klicken eines Stelvin Verschlusses durchaus eine Sexy-ness abgewinnen, da ich um den Hochgenuss von sauberen Weinen weiss und letztlich ja die im Glas habe, und nicht „ein Ritual“!

Den Faktor Weinhandel habe ich hier aussen vor gelassen - alleine mit diesem Thema könnte man Bände füllen! (Stichwort: Kunden kaufen ein fehlerhaftes Produkt und müssen es dann unter grossem Aufwand zurückbringen oder zurücksenden, um eventuell Ersatz zu erhalten!)

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Vino_Phil ...grübelnd

Hallo lieber Gast,
wo in den Kommentaren der bisherigen Artikel zur Kork-Glas-Stelvin-Diskussion schon immer von der allmächtigen Korkmafia die Rede war, frage ich mich angesichts dieser Ergüsse hier, ob Sie wohl zu der rivalisierenden Familie gehören könnten...
Vielleicht können Sie mir weiterhelfen: Heißt die dann schlicht Schraubmafia? Oder spricht man von der "Stelvin Nostra"? Den Dreh-Tiraden? Oder der Plastik-Yakuza?
Bitte um Aufklärung!
Gruß
Phil

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Gast sexy hexi ist müde wenn ich das lese

warum hat der captain keine erfahrung? er ist schließlich der captain auf diesem schiff, oder was!?

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Der Captain (auswärts)

Wie soll ich das verstehen?

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Winzer verärgert...

Komme mir Niemand und erzähle mir „ du musst nur gute, teure Korken kaufen und du hast kein Probleme...“ ich habe noch ca. 4000 Fl. Im Keller liegen, verschlossen mit 1 Euro-Plus Korken.
Ich muss drei Flaschen öffnen bis ich einen sauberen Wein habe.
Noch so eine Sch... und der Betrieb wäre am Ende.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
pivu

Den "Winzer" frag' ich lieber nicht, ob's vielleicht am Wein selbst liegt, warum dieser nicht "sauber" ist ;-) . Bei einer Fehlerrate >75% würd' ich mir allerdings einen guten Anwalt suchen und den Korklieferanten verklagen, so wie es ein Promiwinzer aus dem Piemont bereits vor einigen Jahren erfolgreich getan hat.

Ich kann mich nur wiederholen: teure Korken von zuverlässigen Lieferanten für alle Weine, die Flaschenreife benötigen, der Rest gehört verschraubt. Je mehr danach verfahren wird, desto besser à la longue die Korkqualität.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
armin müde, gibt sich aber einen ruck

nachdem die meinung von produzenten gefragt war, melde auch ich mich zu wort:
als 2005 die entscheidung fiel, selbst wein zu machen, hatte ich recht konfuse ideen über die zu verwendenden sorten, lagen, über die anzustrebenden weinstilistik, den märkten, usw.
eines wusste ich aber von anfang an:
ich will alternative verschlüsse zum sogenannten naturkork!

warum das?
in meinem vorigen arbeitsabschnitt von 17 jahren in der weinforschung habe ich u.a. auch viele weinkostwettbewerbe auf nationaler (italienischer) ebene organisiert.
mit unserem kostsystem brauchten wir immer mehrere flaschen und diese wurden im vorfeld alle von mehreren personen auf kork vorgekostet.
wir kamen dabei auf bis zu 11 %, wobei die hälfte evidenter korkton, die andere hälfte korkbedingt einfach nur undefiniert schlechter, oder verhaltener, schimmelig, phenolisch und trocken im abgang schmeckten.
wir konnten übrigens keinen zusammenhang zwischen korklänge, preis und häufigkeit dieser fehler bemerken.
schon die diversität in der qualität der einzelnen weine war erstaunlich: oft war es extrem schwierig, bei 5 bis 6 geöffneten flaschen zu bestimmen, welche eigentlich die "richtigen" waren.

drehverschluss ist für mich einfach ein wichtiges stück produktsicherheit:
dass beim kunden/gast der wein einfach gleich schmeckt, wie er ihn bei mir, auf der messe oder im lokal gekostet hat.
es ist extrem beruhigend für mich als produzenten, dies zu wissen.
und nicht dass standardmäßig eine zweite flasche bei jeder kostgelegenheit mit eingereicht werden muss.
wir versuchen im weingarten auch mit viel aufwand gut zu arbeiten, im keller nichts zu versemmeln, und dann soll uns ein stück rinde außerhalb unseres einflussbereiches hergestellt als enormer unsicherheitsfaktor immer wieder zittern lassen?
ich sage nein.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Pikrin amüsiert

Tolles Thema, fast so gut wie Wachau; da kann man so richtig die verbale Sau rauslassen und andere anpöbeln:
lieber "Gast": ich finde sie fast so eloquent wie sie sich selbst.
lieber "Winzer": am Wein liegts nicht? machen sie jetzt ein Angebot 3Flaschen für den Preis von1?
Hallo Captain: emotional hätte ich so manche Flasche aus der "W" in "Ö" mit "plopp" denn mit "kack" geöffnet.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
armin verärgert über pauschalisierende wiederholungen

@pivu
'tschuldige, das mit der flaschenreife und dem dazu benötigten naturkork ist eine "urban legend", welche durch gebetsmühlenartiges wiederholen und weitergeben auch nicht wahrer wird.
die sauerstoff-durchlässigkeit guter korken (hinsichtlich dichtung, nicht tca!) ist mit der von drehverschlüssen durchaus vergleichbar.
und man sollte bedenken, dass viel reifeprozesse (gewollte und ungewollte) im wein auch ohne sauerstoff ablaufen.
zudem muss ein wein in erster linie im keller reifen, wer hofft, dass sich der unbefriedigenden jungwein in der flasche noch "richtet" ist eh auf dem holzweg.
jedenfalls kann ich beispielsweise einen alternativ verschlossenen merlot riserva 2006 liefern, dem man alle fehler dieser welt vorwerfen kann, aber nicht die mangelnde (flaschen-)reife.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
pivu nicht verärgert

@armin: zur "urban legend" frag ich die Winzer, die mit Stelvin schlechte Erfahrungen gemacht haben. Und zumindest einen kennt der Captain gut. Es geht um mehr als Sauerstoffdurchlässigkeit, aber das hab' ich nicht nur des öfteren gesagt.

Und was den letzten Absatz betrifft: jawohl, genieße Deine 05er Bordeaux JETZT ... ! Besser werden sie nicht mehr. Oder doch? Trotz Kork? Again, frag' nach in Bordeaux.

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
armin kobler geht schlafen
Der Captain (auswärts)

Na bumm..

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Mister Spuck ... von den Socken

Echt was los hier, Captain. Interessante Diskussion, gut gemacht!

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Get_Stuffed ...verwundert über diese Emotionalität

Kinners, bleibt doch mal ruhig. Ihr habt doch alle irgendwie recht, nur halt keiner in dem Ausmass wie er es selbst einschätzt.

Ich bin 34 Jahre alt und hatte in meinem bisherigen Leben laut dem Korkensack, der vor der Wohnungstür auf weitere Befüllung wartet, ca. 800-1100 Flaschen Wein, von denen ich getrunken habe.

In der ganzen Zeit und bei all den Flaschen, (rot ca. 3/4, Rest weiß oder rosé) hatte ich sage und schreibe 2 Korkschmecker. Selbst, wenn es 75-Euro-Flaschen gewesen wären, wäre das zwar schade, im Verhältnis zur Gesamtmenge fast irrelevant.

Also bleibt mal auf dem Boden: Ein Wein muss verkorkt sein, das gehört einfach dazu. Das ist meine persönliche Meinung, ob die nun spiessig oder konservativ oder traditionell oder innovationsfeindlich ist oder nicht kann und will ich nicht beurteilen...und was andere von dieser Meinung halten, ist mir schlicht...wurst. Ob man nun Kork oder ein Material mit den positiven Eigenschaften des Kork benutzt, ist mir egal. Schraubverschlüssen gehen jedenfalls überhaupt absolut und gar nicht.

Gruß,
Leutnant zur See

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  
Gast ...sherry???

eine never ending story.... immer dann ärgerlich, wenn man grad einen korkfehler "gezogen" hat! ansonst stimm´ ich überein, selbst "schleicher" sind überaus selten.
oft passiert´s, wie mir schon selber, daß der winzer/produzent einen ganzen sack infizierter korke erwischt und seine flaschen damit verschliesst, nur sollte er (wie in meinem fall passiert) die flaschen dann, obwohl er von der "ausfallrate" wusste, aus dem verkauf nehmen und nicht aus profitgier weiter verkaufen....

irritiert hat mich der satz: "Und auch der 1953 Dürnsteiner Flohhaxn nicht, der aus der Dopplerflasche serviert wurde und ein ganz hervorragender Sherry war." EIN OXIDIERTER WEIN IST NICHT AUTOMATISCH EIN SHERRY!!! vielleicht weiß man nicht so recht, wie ein SHERRY schmeckt (könnte sich höchstenfalls um einen OLOROSO handeln), dann sollte man das nachholen!
bin gern für eine verkostung zu haben!

liebe grüße, gerhard hajdusich, www.sherry-andalus.at

Missbrauch melden!   Bitte einloggen, um zu bewerten!  

Kommentar hinzufügen


Neuen Kommentar schreiben
Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.

Sicherheitsabfrage
Matrose, beantworten Sie bitte die unten stehende Frage. Ihre korrekte Antwort behindert automatische Störporgramme gegen das Schiff.
Bild-CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.
* = Pflichtfeld