Der Captain wurde in den Keller gelassen. Ein Winzer, einer der wenigen, die den Captain noch mögen, einer dieser Winzer hatte Erbarmen und holte den Captain in seinen Keller. Im Rheingau. Mal kosten, wie 2010 schmeckt. Und beide mussten ehrlich sein. Der Winzer. Und der Captain.
Also an die Tanks, an die großen Fässer und hineingerochen, die Zunge hineingesteckt in diesen schweren Jahrgang, an den so viele Erwartungen geknüpft sind, wie selten. Wie wird er werden? Kann man das jetzt schon sagen? Nun ja, ein bisschen schon.
Und - was soll man sagen? Der einfache Gutsriesling zeigt sich schon fertig, kann eigentlich schon raus. Verhaltene Säure, gute Frucht, verhaltene Mineralität, etwas gedämpft in der Erscheinung, eventuell matt. Aber nicht schwach. Und alles andere als ein untrinkbarer Wein, ein untrinkbarer Jahrgang. Und auch besser als der 2008er. Sagt auch der Winzer: "Eine Überraschung, 2008 präsentierte sich viel säurebetonter und unharmonischer."
Alles keine Katastrophe? "Oh doch", sagt der Winzer, "die Menge fehlt. Ich hätte gerne mehr Flaschen. Aber ich habe dreißig Prozent weniger. Und dabei habe ich noch Glück gehabt."
Ganz anders die Prädikate: Himmel, da ist gutes Zeug darunter. Rund, elegant, strahlig, gewaltig sogar. Weine, die viele Jahre halten werden. Doch auch Weine, die es kaum geben wird. Botrytis? Nun ja: Ja. Ich frage nach der Stückzahl dieser Riesling Auslese? 7.200 Flaschen. Ein Hohn. "Ja", sagt der Winzer, "und wie soll man damit Geld verdienen? Wir müssen wohl teurer werden. Das werden viele nicht verstehen. Was heißt viele? Alle." Man lacht. Etwas bitter.
Gut für Aromasorten
Ein kurzer Blick auf die anderen Sorten, auf Muskateller, Gewürztraminer und Weißburgunder. Hier zeigt sich, dass der Muskateller gut wegkommt. Wie auch der Traminer, die Aromasorten. Sehr sortentypisch, mit einem Hauch Schwäche im Mund, die durch die Frische kompensiert wird. Die Weine sind nicht kräftig, doch sehr auf dem Punkt, sehr an der Traube, dicht am Vergnügen. Ein Aufschrei des Vergnügens wird es aber nicht werden. Der Weißburgunder präsentiert sich noch verhalten. "Eventuell in ein gebrauchtes Fass", sagt der Winzer, "ich bin ja kein Holzfreund, doch hier halte ich es ausnahmsweise mal für angebracht, das zu versuchen."
2010 kann auch das Jahr der Experimente werden. Die Weine laden ein, sich an ihnen auszuprobieren.
Zeit für Experimente
Hat die Spontanvergärung was gebracht? "Ich denke," sagt der Winzer, "dass 2010 vor allem jene Winzer profitieren, die mit der Spontanvergärung schon einige Erfahrung haben. Diese Weine werden mehr Gehalt haben und mehr intellektuelles Vergnügen bereiten. Weine für die Masse werden sie nicht werden. Aber das ist ja auch nicht ihre Aufgabe."
Zum Schluss ein Gang in den Rotweinkeller. Hier scheint es richtig schwer zu werden. Spätburgunder und Merlot präsentieren sich verhalten, der Spätburgunder richtig grob, unharmonisch und rau. "Dem muss man Zeit geben", sagt der Winzer, "und ich brauche wohl noch ein paar Nächte, um zu wissen, was ich daraus mache." Der Merlot kommt in die Cuvée. "All das", sagt der Winzer, "wird wohl eine Zeit lang liegen müssen."
Ein Hektar Sauvignon
Zum Abschluss noch ein Experiment, ein Sauvignon Blanc, von dem es nur einen Hektar gibt. Und auch erst im zweiten Jahr. Der 2010 ist grasig und frisch. Und viel leichter, als man erwarten würde, mit viel weniger Mineralität. Ein Wein wie aus Oberitalien. Aber Gewicht und Konzentration. Verblüffend.
Und dann noch eine Beerenauslese. Und die zeigt jetzt schon, dass 2010 das Jahr der süßen Weine werden wird. Aber hallo!
"Aber hallo", sagt der Winzer. Und dann gehen wir runter zum Ufer. Einen Fisch essen.







Ein Besuch, eine Sichtung. Und Ruhe kehrt ein... 





Also ein Jahr für Rosinenpicker?